Erdbeeren Tomaten Sorte Allergenpotenzial

Erdbeeren, Tomaten: Die Sorte bestimmt das Allergenpotenzial!

Erdbeeren, Tomaten: Die Sorte bestimmt das Allergenpotenzial

Kribbeln im Mund, geschwollene Lippen, ein Engegefühl im Hals – diese Symptome des oralen Allergiesyndroms können auftreten, wenn Pollenallergiker Tomaten oder Erdbeeren essen. Allerdings berichten Allergiker immer wieder, dass ihre Reaktionen auf ein Nahrungsmittel durchaus unterschiedlich stark ausfallen. Ein Forscherteam der Technischen Universität München wollte deshalb wissen, ob es in Bezug auf das Allergenpotential Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten gibt. MeinAllergiePortal sprach mit Elisabeth Kurze (M.Sc.) über ihre Studien1)2) und die Frage, ob beim Allergenpotenzial von Erdbeeren und Tomaten die Sorte entscheidet!

Frau Kurze, wie kamen Sie auf die Idee, das Allergiepotenzial von Erdbeeren und Tomaten zu untersuchen?

Die Häufigkeit von Lebensmittelallergien hat in den letzten Jahren sehr stark zugenommen. Veränderten Lebensbedingungen, eine steigenden Umweltbelastung, aber auch klimatische Veränderungen könnten ein Grund dafür sein. Die Häufigkeit einer Birkenpollenallergie, sowie der damit verbundenen Kreuzreaktivität auf verschiedenste Obst- und Gemüsesorten ist in Nord- und Mitteleuropa ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem. Birkenpollenallergiker zeigen zum Beispiel nach dem Verzehr von Äpfeln, Kirschen oder Pfirsichen, aber auch von Erdbeeren und Tomaten, allergische Symptome wie Juckreiz, Schwellungen von Lippen, Brennen oder Hautausschlag. Die Liste der Tomaten- und Erdbeersorten ist lang. Mit der Identifizierung von Erdbeer- und Tomatensorten mit einem niedrigeren Allergengehalt könnten Sorten gezüchtet werden, welche möglicherweise auch von betroffenen Patienten toleriert werden. Dieses sehr spannende Projekt entstand in Zusammenarbeit mit mehreren Projektpartnern und sollte außerdem klären, wie sich Anbau und Verarbeitung auf den Allergengehalt in Erdbeeren und Tomaten auswirken.

Welche Tomatensorten haben Sie untersucht? Welche Sorte hatte welchen Allergengehalt an Sola l 4?

Insgesamt wurden 23 verschiedene rote aber auch orangefarbene, gelbe, grüne, braune und schwarze Tomatensorten hinsichtlich ihres Sola l 4-Gehaltes untersucht. Die Sorten Farbini und Bambello, beides Sorten mit orangefarbenen Früchten, zeigten den höchsten Allergengehalt, die Sorten Rhianna (hellrote/rosa Früchte) und Rugantino (rot) zeigten die niedrigsten Werte. Allerdings konnten wir keine Verbindung zwischen Fruchtfarbe und Sola l 4-Gehalt erkennen. Es gab rote Tomaten mit niedrigen, mittleren und hohen Sola l 4-Werten.

Gab es bei den Tomaten in Bezug auf den Allergengehalt Unterschiede zwischen alten und neuen Sorten?

Ob es sich bei den Tomaten um alte oder neue Sorten handelt, kann ich leider nicht beantworten.


Welche Erdbeersorten haben Sie untersucht? Welche Sorte hatte welchen Allergengehalt an Fra a 1-Protein?

In unserer Studie haben wir 20 verschiedene Erdbeersorten untersucht. Darunter die klassischen Sorten, welche rote Früchte tragen, aber auch natürlich vorkommende weiße und gelbe Erdbeersorten. Die Sorte Florika hatte dabei den höchsten Fra a 1-Gehalt gezeigt, die Sorte Leigong den niedrigsten. Beide Sorten sind für den Verbraucher eher unbekannt.

Zeigten sich denn bei den Erdbeeren beim Allergenpotenzial Unterschiede zwischen alten und neuen Sorten?

Bei den Erdbeeren ist die Sorte Mieze Schindler als alte Sorte bekannt. Im Supermarkt ist sie jedoch nicht zu finden, trotz ihrer aromatischen Früchte. Aufgrund ihrer eingeschränkten Lagerfähigkeit wird sie meist nur noch von Hobbygärtnern angepflanzt. Elsanta hingegen ist eine Sorte, die der Verbraucher auch in den Regalen im Supermarkt findet. Vergleicht man nur diese beiden Sorten Elsanta und Mieze Schindler, hat die Allergen-Untersuchung keinen großen Unterschied ergeben. Um darüber eine bessere Aussage treffen zu können, müssten deutlich mehr alte Sorten im Vergleich zu neueren Züchtungen untersucht werden.

Sie konnten sehen, dass das Trocknen im Ofen und in der Sonne die Allergenität sowohl bei den Erdbeeren als auch bei den Tomaten reduziert. In welchem Maße war das jeweils der Fall?

Vom Projektpartner aus Italien haben wir getrocknete Tomaten von den dort üblich angebauten Sorten Perbruzzo und SAAB erhalten. Vor allem in ofen- und sonnengetrockneten Tomaten konnten wir eine deutliche Verringerung der Allergenmenge feststellen. Auch gefriergetrocknete Tomaten zeigten einen ähnlich niedrigen Sola l 4-Gehalt.

Bei dem Sola l 4-Allergen und kreuzreagierenden Allergene, welche dem Bet v 1-Allergen aus Birkenpollen ähneln, handelt es sich um Proteine, welche hitzelabil sind. Daher werden erhitzte Lebensmittel von Allergikern meist besser vertragen.

Vom Projektpartner aus Italien haben wir getrocknete Erdbeeren von den dort üblich angebauten Sorte Asia erhalten. Bei den Erdbeeren allerdings war die Reduktion des Fra a 1-Gehaltes in getrockneten Erdbeeren nicht so groß verglichen zu Sola l 4 in Tomaten. Gefriergetrocknete Erdbeeren zeigten vergleichbare Mengen wie frische Früchte. In ofen- und sonnengetrockneten Erdbeeren zeigten 5 von 8 Proben niedrigere Fra a 1-Gehalte als frische Asia-Erdbeeren.


In Ihren Studien konnten Sie keinen Unterschied zwischen Bio-Produkten und konventionell angebauten Produkten finden. Konnten Sie sehen ob andere Faktoren, wie zum Beispiel die Lage der Anbaufläche, das Wetter oder der Pestizideinsatz eine Rolle spielen?

Der Einfluss von konventionellem bzw. ökologischem Anbau scheint einen geringeren Einfluss auf den Allergengehalt in Erdbeeren und Tomaten zu haben als wir zunächst vermutet hatten. Vielmehr wirken sich die Unterschiede von Jahr zu Jahr, z.B. Schwankungen in der Temperatur, der Feuchtigkeit, der Regenmenge oder im Befall der Pflanze durch Bakterien, Viren oder Pilze, stärker auf den Fra a 1- bzw. Sola l 4-Gehalt aus.

Inwiefern sind Ihre Studienergebnisse übertragbar auf andere Obst- und Gemüsesorten? Kann man davon ausgehen, dass auch bei anderem kreuzallergenen Obst, Gemüse oder auch Getreide, die Sorte für den Allergengehalt entscheidend ist?

Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit dem Apfelallergen Mal d 1. Dieses Allergen ruft bei ca. 2 Millionen Deutschen eine Apfelallergie hervor. Auch für Äpfel wurde in mehreren Studien festgestellt, dass der Mal d 1-Allergegehalt sortenabhängig ist.

Weiterhin wurden in Studien3) für die Allergene aus Kirschen und Pfirsich ebenfalls Unterschiede zwischen Sorten festgestellt .

Wäre es möglich, die Allergene aus den Pflanzen herauszuzüchten und wie lange würde dies dauern?

Im Menschen können diese Proteine allergische Reaktionen auslösen, ihre genaue biologische Funktion in der Pflanze selbst ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht vollständig aufgeklärt. Belegt ist, dass die Pflanze mit ihrem Abwehrsystem in verschiedenen Stresssituationen, wie zum Beispiel Pathogenbefall, Anwendung von Chemikalien, Verwundung, Hitze, Kälte, Trockenheit, Feuchtigkeit, mit der Produktion dieser Allergene reagiert. Solange die genaue Funktion dieser Allergene ungeklärt bleibt, ist diese Frage nur schwer zu beantworten.

Frau Kurze, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

Quellen:

1) Kurze, Elisabeth, Lo Scalzo, Roberto, Campanelli, Gabriele; Schwab, Wilfried: Effect of tomato variety, cultivation, climate and processing on Sola l 4, an allergen from Solanum lycopersicum, PLOS ONE 2018. DOI: 10.1371/journal.pone.0197971, http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0197971

2) Kurze, Elisabeth; Kock, Vanessa; Lo Scalzo, Roberto; Olbricht, Klaus and Schwab, Wilfried: Effect of the strawberry genotype, cultivation and processing on the Fra a 1 allergen content, Nutrients 2018 10, 857. DOI: 10.3390/nu10070857, http://www.mdpi.com/2072-6643/10/7/857

3) Primavesi et al. (2007) Influence of Cultivar and Processing on Cherry (Prunus avium) Allergenicity. Journal of Agricultural and Food Chemistry 54(26):9930-5; Brenna et al. (2004) Presence of Allergenic Proteins in Different Peach (Prunus persica) Cultivars and Dependence of Their Content on Fruit Ripening. Journal of Agricultural and Food Chemistry 52(26) 7997, https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/jf0622376

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