Gastroenterologische Erkrankungen Kind häufig

Dr. Martin Claßen zur Häufigkeit gastroenterologischer Erkrankungen beim Kind!

Gastroenterologische Erkrankungen beim Kind: Sind sie häufig?

Sie sehen aber auch Patienten mit klassischen Nahrungsmittelallergien?

Wir sehen häufig klassische Nahrungsmittelallergien unter unseren Patienten. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass Kinder mit klassischen IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien grundsätzlich eher einem pädiatrischen Allergologen vorgestellt werden. Bei Kindern, die auf Kuhmilch, Hühnerei, Weizen oder Erdnuss allergisch reagieren, stellen die Eltern in der Regel selbst einen Zusammenhang zwischen der Nahrungsaufnahme und den Beschwerden der Kinder, wie zum Beispiel Erbrechen oder Durchfall, her und suchen dann gezielt die Hilfe eines Allergologen.

Zu uns kommen dann eher die Kinder mit nicht-IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien zu uns, d.h. mit Nahrungsmittelallergien, die mit den klassischen Allergietests nicht diagnostiziert werden können und oft eher uncharakteristische Beschwerden wie Durchfall oder Bauchschmerzen haben. Typisch im Säuglingsalter ist die Kuhmilch-induzierte Enteropathie, d.h. die Allergie auf Kuhmilch, die mit Gedeihstörungen oder Erbrechen einhergehen kann. Fast immer ist diese Form der Kuhmilchallergie nicht IgE-vermittelt, das heißt der Allergietest auf Kuhmilch ist negativ. Oft waren Kinder mit dieser Erkrankung bereits bei einem Arzt, der vermeintlich eine Kuhmilchallergie ausgeschlossen hatte. Allerdings wird man mit dem üblichen Allergietest, bei dem IgE-Antikörper gegen Kuhmilch bestimmt werden, diese Erkrankung auch nicht diagnostizieren können. Bei schweren Symptomen oder bei klaren Reaktionen auf Nahrungsmittel, die sich im Allergietest nicht verifizieren lassen, wäre eine Untersuchung bei einem pädiatrischen Gastroenterologen eine empfehlenswerte Option. Es gibt verschiedene Krankheitsmanifestationen in den verschiedenen Altersstufen.

Hinzu kommt: Bei den älteren Kindern haben wir eine hohe Zahl von Patienten mit eosinophilen Entzündungen des Darms und der Speiseröhre. Dazu gehören die eosinophile Colitis und die eosinophile Ösophagitis (EOE).

 

Sehen Sie unter Ihren Patienten auch Kinder, die am Reizdarm-Syndrom (RDS) leiden?

Von 100 Kindern mit rezidivierenden Bauchschmerzen, wird man bei einem relativ hohen Prozentsatz funktionelle Bauchschmerzen diagnostizieren. Nach genauerer Klassifizierung bzw. nach erfolgter Ausschlussdiagnose, ist bei diesen Kindern das Reizdarm-Syndrom letztendlich die häufigste Diagnose. Bei diesen Kindern ist häufig der Schmerz das Hauptsymptom, weniger die Stuhlunregelmäßigkeit.

Sie hatten erwähnt, dass auch die Zöliakie ein häufiges Krankheitsbild bei Kindern ist…

Im Hinblick auf die Zöliakie ist es wichtig zu wissen, dass sich die Erkrankung heutzutage anders manifestiert als dies in den älteren medizinischen Lehrbüchern steht. Bei vielen Kindern findet man Symptome, die nicht direkt an eine Zöliakie denken lassen, wie z.B. Bauchschmerzen, eine leichte Eisenmangelanämie, Verstopfungen oder Wachstumsverzögerungen. Wenn man dann routinemäßig einen Zöliakietest vornimmt, findet man nicht selten hohe IgA-Transglutaminase-Antikörper, die als Zöliakie-Nachweis gelten.

Auch ich habe im Studium noch gelernt, dass die Anzeichen für Zöliakie bei Kindern Gedeihstörungen, ein dicker Bauch und Durchfälle sind. Heutzutage gilt dies aber nur für einen sehr kleinen Prozentsatz der Patienten.

Woran liegt es, dass die typischen Zöliakie-Symptome bei Kindern heutzutage nur sehr selten auftreten?

Die Tatsache, dass die früher als typisch bezeichneten Zöliakie-Anzeichen heute nur sehr selten auftreten, hat wahrscheinlich auch etwas damit zu tun, wann ein Kind erstmals glutenhaltige Nahrung erhält. Es gab eine Zeit, in der man schon früh, in den ersten Lebensmonaten, Getreide in die Beikost eingeführt hat, indem man der Milch Haferflocken beigefügt hat, damit die Kinder schneller satt werden. Wenn ein Kind mit Zöliakie sehr früh mit Gluten konfrontiert wird, erhöht sich natürlich das Risiko, dass die Zöliakie auch früh in Erscheinung tritt. Dann kommt es eher zu der der für Zöliakie klassischen Manifestation in Form von Gedeihstörungen und dicken Bäuchen.

Zudem geht man davon aus, dass die Zöliakie heute genauso häufig auftritt, wie in der Vergangenheit, aber häufiger diagnostiziert wird, weil die Kinderärzte gegenüber dieser Erkrankung sensibler sind. So testen wir Kinder mit länger andauernden Verstopfungen, bei denen normalerweise nicht an eine Zöliakie gedacht würde, grundsätzlich auf Antikörper. Von ca. 200 Kindern, die wir pro Jahr mit Verstopfung betreuen, finden wir bei bis zu drei Kindern eine Zöliakie. Das gleiche gilt auch für Kinder mit länger andauernden Bauchschmerzen und anderen nicht charakteristischen Symptomen, wie Wachstumsstörungen. In diesen Fällen stellt man die Diagnose, bevor es zu Gedeihstörungen kommt. Aber: Manche Kinder haben jedoch auch schlicht keine Gedeihstörungen, trotz bestehender Zöliakie.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.