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Nahrungsmittelallergien bei Kindern: Sensibilisierungswege - wichtige Allergene!

Nahrungsmittelallergien bei Kindern: Sensibilisierungswege - wichtige Allergene

Könnte man aus der LEAP-Studie schließen, dass auch ein früher Kontakt zu anderen Allergene, wie z.B. Kuhmilch oder Hühnerei, einen protektiven Effekt vor den entsprechenden Allergien hätte?

Diese Fragestellung wird noch untersucht, denn speziell beim Hühnerei wäre das äußerst interessant. Deshalb wird in Nachfolgestudien zur LEAP-Studie nun auch untersucht, ob sich die Erkenntnisse zum Erdnussallergen auch auf andere Nahrungsmittelallergene übertragen lassen.

Deutlich wird anhand dieser Fragestellung auch der kulturell bedingte unterschiedliche Umgang mit Nahrungsmitteln. In Israel ist die frühe Gabe der genannten Erdnussflips schlicht „üblich“. In unseren Breiten hat man hingegen große Hemmungen, Säuglinge mit Erdnussflips zu füttern.

Zu den Allergenen: Welche Allergene lösen im Kindesalter häufig Nahrungsmittelallergien aus?

Die Liste der „großen 7“ besteht aus Kuhmilch, Hühnerei, Soja, Erdnuss, Baumnuss, Weizen und Fisch. Hier kann man jedoch von einer gewissen Dynamik ausgehen. So waren vor 15 Jahren Allergien auf Kuhmilch und Hühnerei mit Abstand die häufigsten Nahrungsmittelallergien bei Kindern. Inzwischen ist in Bezug auf das gesamte Kindesalter die Erdnussallergie die häufigste Allergie. Weiter sehen wir in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme der Allergie auf Cashew. Die Rangliste der sieben häufigsten Allergene ist also „im Fluss“. Hinzu kommen altersspezifischen Unterschiede.

 

Welche altersspezifischen Unterschiede gibt es bei Kindern mit Nahrungsmittelallergien?

Es gibt Nahrungsmittelallergien, die die Tendenz zeigen, auszuheilen. Dazu gehört vor allem die Kuhmilchallergie, die eigentlich immer im ersten Lebensjahr manifestiert. In der Regel heilt die Kuhmilchallergie bis zum Alter von drei bis fünf Jahren aus, häufig bereits früher. Nur bei einem sehr kleinen Teil der betroffenen Kinder persistiert die Kuhmilchallergie länger oder sogar lebenslang.

Ähnlich ist es bei der Hühnereiallergie, auch sie heilt häufig bis zum Vorschul- bis Grundschulalter aus. Damit besteht sie tendenziell etwas länger, als die Kuhmilchallergie. Auch hier gibt es Kinder, die die Hühnereiallergie gar nicht verlieren.

Zu beachten ist, das gilt für die Hühnereiallergie und die Kuhmilchallergie gleichermaßen, dass 70 bis 80 Prozent der Kinder das Allergen in erhitzter bzw. verbackener Form vertragen. Deswegen wird bei Hühnerei-allergischen Kindern stets überprüft, ob sie verbackenes Ei, zum Beispiel in einem Kuchen, vertragen. Ist dies der Fall, bedeutet dies für die Familien eine enorme Erleichterung bei der Speiseplanung und -zubereitung. Dann müssen nur Speisen mit rohen oder kurz erhitzten Eiern aus dem Speiseplan gestrichen werden, und nicht sämtliche Eierspeisen. Für die Milchallergiker ist der Gewinn nicht ganz so groß, aber auch hier steigt natürlich die Lebensqualität, wenn das Kind Milch-haltige Backwaren essen darf.

Weizenmehlallergien haben auch eher die Tendenz, auszuheilen, wenn sie im ersten oder zweiten Lebensjahr manifestieren. Das gilt nicht für die eher bei Erwachsenen vorkommende Anstrengungs-induzierte Weizenmehlallergie, bei der allergische Symptome nur durch die Kombination körperlicher Anstrengung und Weizengenuss ausgelöst werden.

Etwas komplizierter wird es bei der Sojaallergie. Bei der Sojaallergie gibt es zwei verschiedene Formen, zum einen die genuine Sojaallergie, bei der die allergische Sensibilisierung auf die Speicherproteine des Soja erfolgt und die häufig bei kleinen Kindern auftritt, und die Kreuzallergie, die pollenassoziierte Sojaallergie. Bei der frühen Sojaallergie besteht häufig auch die Chance auf Ausheilung.

Die Allergie auf Fisch manifestiert sich oft später und neigt eher zur Persistenz. Hier gibt es aber auch verschiedene Formen. Allergien auf Meeresfrüchte bei Kindern sind dagegen in unseren Breiten eher selten.

Die Neigung zur Persistenz gibt es prinzipiell auch bei den Allergien auf Erdnuss oder Baumnüsse wie Haselnuss. Allerdings muss man auch hier die pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien und die genuinen Formen, bei denen es häufiger zu Reaktionen an des gesamten Körpers und einer schweren Symptomatik kommt, unterscheiden. Mit Hilfe der molekularen Allergiediagnostik lassen sich die Kreuzallergien von den „echten“ Erdnuss- und Baumnussallergien aber mittlerweile gut unterscheiden.

Bei den genuinen Allergien auf die Speicherproteine von Erdnuss oder Baumnuss besteht, zumindest bei früher Manifestation, das heißt im ersten oder zweiten Lebensjahr, eine gewisse Chance des Ausheilens. Es lohnt sich also, die Diagnostik im Abstand von einigen Jahren zu überprüfen. Bei der momentan sehr stark zunehmenden Cashew-Allergie fehlen noch die Daten zum natürlichen Verlauf.

Frau Dr. Nemat, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

1) Feeney M, Du Toit G, Roberts G, Sayre PH, Lawson K, Bahnson HT, Sever ML, Radulovic S, Plaut M, Lack G; Immune Tolerance Network LEAP Study Team, Impact of peanut consumption in the LEAP Study: Feasibility, growth, and nutrition, J Allergy Clin Immunol. 2016 Oct; 138(4):1108-1118. doi: 10.1016/j.jaci.2016.04.016. Epub 2016 Jun 10, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27297994

 

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