Langkettige Omega-3-Fettsäuren Schutz Neurodermitis Asthma

Dr. Imke Reese zum Zusammenhang zwischen langkettigen Omega-3-Fettsäuren und dem Schutz vor Allergien!

Langkettige Omega-3-Fettsäuren: Schutz vor Neurodermitis & Asthma?

Neuste Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen langkettigen Omega-3-Fettsäuren und der Entstehung von Neurodermitis und Asthma präsentierte Dr. Imke Reese, Ernährungstherapeutin mit Schwerpunkt Allergologie in München im Rahmen der 15. gemeinsamen Jahrestagung von AGAS und AGNES, die am 9. und 10 März 2018 in Bielefeld stattfand. In ihrem Vortrag „Was wissen wir zum WAS, WANN, WIE der Beikosteinführung“ ging sie auch auf die Ursachen divergierender Studienergebnisse ein.

Omega-3-Fettsäuren und Neurodermitis

Die Studienlage ist uneinheitlich. Es gibt Studien an Schwangeren mit erhöhtem Allergierisiko für den Nachwuchs, die zeigen konnten, dass die Supplementierung mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren, wie sie vor allem in fettem Fisch vorkommen, zu einer reduzierten Prävalenz von Neurodermitis bei den Kindern führte. Andere Untersuchungen konnten nachweisen, dass bei Kindern von Müttern, die in der Schwangerschaft Omega-3-Fettsäuren erhielten, der Schweregrad der Neurodermitis geringer war. Dem entgegen stehen die Ergebnisse von Studien an allergiegefährdeten Säuglingen, bei denen die Gabe von langkettigen Omega-3-Fettsäuren keine messbaren Effekte im Hinblick auf die Entwicklung einer atopischen Dermatitis brachte.

Einen möglichen Grund für diese unterschiedlichen Studienergebnisse sah Referentin Dr. Imke Reese in den unterschiedlichen Studiendesigns. „Die Studien wurden jeweils an unterschiedlichen Zielgruppen, z.B. Schwangeren, Stillenden und Säuglingen durchgeführt und auch die jeweiligen Zeitfenster und die Höhe der supplementierten Dosis an Omega-3-Fettsäuren unterschied sich von Studie zu Studie stark“ so Dr. Reese.

Der entscheidende Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse liegt aber vermutlich darin begründet, dass bei den Studienteilnehmern die Ausgangswerte von Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA), den wichtigsten Vertretern der langkettigen Omega-3-Fettsäuren, in keiner der Studien erfasst wurden. So wurden z.B. Studienteilnehmer mit hohen Ausgangswerten und folglich keinem Bedarf für eine Supplementation nicht von solchen unterschieden, die mit niedrigen Ausgangswerte von einer Gabe profitieren könnten. „In einer Studie1) wurde deutlich: Je höher die DHA/EPA-Werte im Plasma waren, desto geringer war das Risiko eine Neurodermitis zu entwickeln. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Kinder in der Supplementations- oder in der Placebogruppe waren“ erläuterte Dr. Reese. Das bedeutet, die Intervention war nicht der ausschlaggebende Faktor.

 

Omega-3-Fettsäuren – protektive Wirkung bei Asthma?

Auch zum Einfluss von Omega-3-Fettsäuren auf Asthma gibt es neue Erkenntnisse. In einer 2017 in Dänemark erschienenen Studie2) an werdenden Müttern, bei deren Kindern ein Allergierisiko bestand, erhielten die Studienteilnehmerinnen ab dem letzten Schwangerschaftsdrittel 2,4 g Omega-3-Fettsäuren. Dabei halbierte sich das Allergierisiko für die Kinder, deren Mütter trotz des in Dänemark üblichen regelmäßigen Fischverzehrs vor Studienbeginn niedrige Omega-3-Level im Blut hatten.

Bei den Kindern der Mütter, die bereits zu Studienbeginn ausreichend mit DHA/EPA versorgt waren, kam es durch die Supplementierung zu keinerlei Effekten. „Wir müssen uns also bei der Prävention deutlich mehr mit der Frage beschäftigen, welche Patienten von einer Supplementierung tatsächlich profitieren können“ folgerte Dr. Reese, „auch in Bezug auf die bei einer Supplementierung nötige Omega-3-Menge könnte ein Umdenken nötig sein, in Richtung höherer Dosierungen im g-Bereich“.

Omega-3-Fettsäuren zur Allergieprävention – wie nachhaltig ist der Effekt?

Dass der protektive Effekt von sogar nachhaltig sein könnte, zeigte eine weitere dänische Studie3). Hier hat man bei einer Gruppe Jugendlicher mit und ohne Asthma mit Hilfe des dort geführten Medikamentenregisters nachvollzogen, ob es Zusammenhänge mit einer Omega-3-Fettsäuren-Supplementation der Mütter während der Schwangerschaft und dem Auftreten von Asthma beim Kind gibt. Dabei wurde deutlich, dass Jugendliche, deren Mütter in der Schwangerschaft supplementiert wurden, deutlich seltener Asthma entwickelten. „Beide Studien liefern wichtige Hinweise dafür, dass die ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft nicht nur bei der Prävention von Neurodermitis entscheidend ist, sondern auch bei der Asthmaprävention.

Fett in der Milch: Meiden oder bevorzugen?

In diesem Zusammenhang ist auch die Milch zu erwähnen, die ebenfalls als natürlicher Lieferant von Omega-3-Fettsäuren gilt – allerdings in deutlich geringerer Menge als Fisch. Dabei enthalten Milch und Milchprodukte mit hohem bzw. mit normalem Fettgehalt, deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren, als die häufig bevorzugten Magerprodukte. Auch enthält die Milch direkt von Bauernhof bzw. von Weidekühen deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren, als die Milch von Tieren, die im Stall gehalten werden. „Es gibt Hinweise, dass der präventive Effekt hinsichtlich Allergien auf den Fettgehalt und die Fettzusammensetzung der Milch zurückzuführen ist.“ betonte Dr. Reese „Auch aus diesem Grund empfehle ich für Schwangere und Kinder die fetteren Milchprodukte.“

Omega-3-Fettsäuren: Reicht es, Fisch und Milchprodukte zu essen?

Die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren ist offensichtlich individuell sehr unterschiedlich. Auch in Ländern wie Dänemark, in denen Fisch traditionell mehrmals wöchentlich auf dem Speiseplan steht, hatte ein wesentlicher Teil der Studienteilnehmer niedrige DHA/EPA-Werte im Plasma. Gleichzeitig zeigte sich in Studien bei den supplementierten Teilnehmern, dass nicht alle auf die Supplementation mit einem entsprechend hohen DHA/EPA-Wert reagierten. „Auch wenn eine vielseitige Ernährung, die möglichst alle Lebensmittelgruppen integriert, ein wichtiger Faktor für die Verhinderung allergischer Erkrankungen darstellt, müssen wir uns fragen, ob hinsichtlich einer ausreichenden Versorgung mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren die bloße Ernährung, insbesondere bei werdenden und stillenden Müttern, ausreichend ist“ betonte Dr. Reese.

Quellen:

1) D'Vaz N, Meldrum SJ, Dunstan JA, Lee-Pullen TF, Metcalfe J, Holt BJ, Serralha M, Tulic MK, Mori TA, Prescott SL, Fish oil supplementation in early infancy modulates developing infant immune responses, Clin Exp Allergy. 2012 Aug;42(8):1206-16. doi: 10.1111/j.1365-2222.2012.04031.x, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22805468

2) Bisgaard H, Stokholm J, Chawes BL, Vissing NH, Bjarnadóttir E, Schoos AM, Wolsk HM, Pedersen TM, Vinding RK, Thorsteinsdóttir S, Følsgaard NV, Fink NR, Thorsen J, Pedersen AG, Waage J, Rasmussen MA, Stark KD, Olsen SF, Bønnelykke K, Fish Oil-Derived Fatty Acids in Pregnancy and Wheeze and Asthma in Offspring, N Engl J Med. 2016 Dec 29;375(26):2530-9. doi: 10.1056/NEJMoa1503734, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28029926

3) Hansen S, Strøm M, Maslova E, Dahl R, Hoffmann HJ, Rytter D, Bech BH, Henriksen TB, Granström C, Halldorsson TI, Chavarro JE, Linneberg A, Olsen SF, Fish oil supplementation during pregnancy and allergic respiratory disease in the adult offspring, J Allergy Clin Immunol. 2017 Jan;139(1):104-111.e4. doi: 10.1016/j.jaci.2016.02.042. Epub 2016 Apr 25, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27246522

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