Nahrungsmittelallergie Erdnussallergie Allergiewelle

PD Dr. Katharina Blümchen beim Frankfurter Pädiatrietag 2017!

Nahrungsmittelallergie, Erdnussallergie: Die Welle rollt

Leben mit Nussallergien – wie sieht die Therapie aus?

Die Meidung des Allergens, bei Nussallergien die beste therapeutische Maßnahme, stellt Nussallergiker vor große Herausforderungen. Insbesondere bei loser Ware scheint das Risiko eines ungewollten Allergenkontaktes für viele Allergien sehr hoch zu sein. In einer Studie5) zu Nahrungsmittelallergien (Kuhmilch, Hühnerei, Erdnuss, Baumnuss etc.) bei der die Eltern von Kindern mit einer vom Arzt diagnostizierten Nahrungsmittelallergie befragt wurden, berichteten 42 Prozent von allergischen Reaktionen nach dem Genuss loser Ware, 11 Prozent der Befragten berichteten von schweren allergischen Reaktionen. Eine wichtige Maßnahme ist deshalb eine Diätberatung, die auch auf mögliche „Allergenfallen“ eingeht.

Weitere Maßnahmen sind die Verordnung eines Notfallsets, eines Anaphylaxiepass und Teilnahme an einer Anaphylaxieschulung.

Kausale Therapien bei Erdnussallergie – was tut sich in der Forschung?

Kausale Therapien zur Behandlung der Erdnussallergie stehen bislang nicht zur Verfügung, aber es gibt interessante Forschungsansätze. Dazu gehören Studien zur epikutanen Immuntherapie (EPIT) – hier wird das Allergen über Hautpflaster verabreicht und die orale Immuntherapie (OIT) bei der das Allergen eingenommen wird.

Bei der oralen Immuntherapie wird mit der oralen Gabe sehr geringer Erdnussmengen begonnen, die alle zwei bis drei Wochen gesteigert wird. Ist die definierte Zieldosis erreicht, wird diese täglich weiter zugeführt. Bei den bislang durchgeführten Studien geht es darum, die Wirksamkeit und Sicherheit der OIT zu ermitteln. Durch orale Provokationen vor Beginn der Therapie und einige Monate nach Erreichen der Zieldosis, soll ermittelt werden, ob sich die Reaktionsschwelle nach oben verschiebt. Eine solche Verschiebung der Toleranzschwelle auf das Erdnussallergen durch die orale Immuntherapie nach oben konnte zwar bei einigen Studien nachgewiesen werden, allerdings unterscheiden sich die Untersuchungen sowohl in Bezug auf die Protokolle als auch auf die gewählten primären Endpunkte. Zu moderaten Nebenwirkungen kam es bei allen Teilnehmern der Verum-Gruppe, jedoch auch bei 50 Prozent der Placebo-Gruppen. In einer Studie wurde ermittelt, dass es bei 22 Prozent der Studienteilnehmer bei der OIT zu pulmonalen Beschwerden kam, der Einsatz von Adrenalin war nur sehr selten nötig. Weitere mögliche Nebenwirkungen der oralen Immuntherapie sind eine eosinophile Ösophagitis (EoE). „Aus den Studien zu oralen Immuntherapien an Kuhmilch- und Hühnereiallergikern wissen wir, dass etwa 2,7 Prozent der Patienten eine EoE entwickeln und die Nebenwirkungen sind in der Steigerungs- und Erhaltungsphase zu sehen“, betonte PD Blümchen. Generell handelt es sich bei den Nebenwirkungen in den Studien zur OIT oftmals, bei 48 Prozent der Patienten, um vorübergehende, milde Nebenwirkungen, meist Bauchschmerzen oder ein orales Allergiesyndrom (OAS). Bei 34 Prozent der Patienten handelt es sich jedoch um andauernde Beschwerden und 18 Prozent der Patienten brechen die Studien zur OIT aufgrund anhaltender schwerer Nebenwirkungen ab.

Quellen:

1) Nwaru BI, Hickstein L, Panesar SS, Muraro A, Werfel T, Cardona V, Dubois AE, Halken S, Hoffmann-Sommergruber K, Poulsen LK, Roberts G, Van Ree R, Vlieg-Boerstra BJ, Sheikh A; EAACI Food Allergy and Anaphylaxis Guidelines Group., The epidemiology of food allergy in Europe: a systematic review and meta-analysis, Allergy. 2014 Jan; 69(1):62-75. doi: 10.1111/all.12305. Epub 2013 Nov 11, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24205824

2) McBride D, Keil T, Grabenhenrich L, Dubakiene R, Drasutiene G, Fiocchi A, Dahdah L, Sprikkelman AB, Schoemaker AA, Roberts G, Grimshaw K, Kowalski ML, Stanczyk-Przyluska A, Sigurdardottir S, Clausen M, Papadopoulos NG, Mitsias D, Rosenfeld L, Reche M, Pascual C, Reich A, Hourihane J, Wahn U, Mills EN, Mackie A, Beyer K., The EuroPrevall birth cohort study on food allergy: baseline characteristics of 12,000 newborns and their families from nine European countries, Pediatr Allergy Immunol. 2012 May;23(3):230-9. doi: 10.1111/j.1399-3038.2011.01254.x. Epub 2011 Dec 23 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22192443

3) Hompes S1, Köhli A, Nemat K, Scherer K, Lange L, Rueff F, Rietschel E, Reese T, Szepfalusi Z, Schwerk N, Beyer K, Hawranek T, Niggemann B, Worm M., Provoking allergens and treatment of anaphylaxis in children and adolescents--data from the anaphylaxis registry of German-speaking countries, Pediatr Allergy Immunol. 2011 Sep;22(6):568-74. doi: 10.1111/j.1399-3038.2011.01154.x. Epub 2011 Mar 16, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21435004

4) Beyer K., Grabenhenrich L, Härtl M, Beder A, Kalb B, ziegert M, Finger A, Harandi N, Schlags R, Gappa M, Puzzo L, Röblitz H, Millner-Uhlemann M, Büsig S, Ott H, Lange, L, Niggemann B. Predictive values of component-specific IgE fort he outcome of peanut and hazelnut food challenges in children, Alelrgy 2015; 70:90-98)

5) Trendelenburg V, Enzian N, Bellach J, Schnadt S, Niggemann B, Beyer K. Detection of relevant amounts of cow´s milk protein in non-pre-packed bakery products sold as cow´s milk-free, Alelrgy 2015;70:591-597,

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