Nahrungsmittelallergie Erdnussallergie Allergiewelle

PD Dr. Katharina Blümchen beim Frankfurter Pädiatrietag 2017!

Nahrungsmittelallergie, Erdnussallergie: Die Welle rollt

Nahrungsmittelallergie – Hauptauslöser für Anaphylaxien

Ein Blick auf eine Auswertung3) des Anaphylaxie-Registers zumindest zeigt, dass 58 Prozent der anaphylaktischen Schockreaktionen von Nahrungsmitteln ausgelöst wurden. Hauptauslöser der Anaphylaxie auslösenden Nahrungsmittel im Kindesalter waren demnach in 23 Prozent der Fälle die Erdnuss und bei jeweils 10 Prozent der Fälle Haselnuss und Kuhmilch.

 

Erdnuss-Sensibilisierung, wann ist es wirklich eine Erdnuss-Allergie?

Grundsätzlich bedeutet eine Sensibilisierung auf ein Allergen nicht, dass es auch zu Allergiesymptomen kommen muss. Eine Sensibilisierung signalisiert lediglich eine gewisse Bereitschaft, eine Allergie zu entwickeln. So zeigte die 2006 durchgeführte KiGGS-Studie bei 10 Prozent der untersuchten Kinder eine Sensibilisierung auf das Erdnuss-Allergen, während die im gleichen Jahr durchgeführte EuroPrevall-Studie in einer bislang nicht publizierten, nur mündlich übermittelten Auswertung der Europrevalldaten, nur für ca. 0,4 Prozent der untersuchten Kinder in Deutschland eine Erdnussallergie bestätigte. Eine Ursache für die Diskrepanz zwischen Erdnuss-Sensibilisierten und Erdnuss-Allergikern ist auch, dass eine Erdnuss-Sensibilisierung auch auf eine Kreuzallergieallergie auf Gräserpollen zurückzuführen sein kann.

Erdnuss-Allergie: Wann wird es gefährlich?

Dementsprechend besteht auch nicht bei jedem Patienten mit einer Sensibilisierung auf Erdnuss die Gefahr, bei Allergenkontakt eine schwere, systemische allergische Reaktion zu erleiden. Viele Patienten mit z.B. allergischer Rhinokonjunktivitis, zeigen auch nur milde lokale Symptome, wie Kribbeln im Mund, wenn sie rohe Erdnüsse essen. Patienten mit einer systemischen Erdnussallergie hingegen, sind gefährdet, auch mit schwereren, systemischen allergischen Reaktionen auf den Genuss von Erdnuss zu reagieren. Um dies genauer zu differenzieren, wurde in einer deutschlandweite Studie4) an 210 fraglichen Erdnuss-Allergikern, eine orale Provokation zur Überprüfung der Diagnose durchgeführt. Außerdem wurde die Höhe des IgE-Levels mit einer positiven Reaktion auf die orale Provokation auf Erdnuss korreliert und die Wahrscheinlichkeit einer allergischen Reaktion während der Provokation ermittelt. Diese war durchaus unterschiedlich, abhängig von der Höhe spezifischer IgE-Levels, besonders des Ara h2-IgE Wertes.

Hilfreich bei der Frage, inwiefern bei Verdacht auf Erdnussallergie die Gefahr einer systemsichen, allergischen Reaktion besteht, ist die Komponentendiagnostik oder auch molekulare Allergiediagnostik. Mit Hilfe der molekularen Allergiediagnostik lässt sich bestimmen, ob eine Sensibilisierung auf das Speicherprotein der Erdnuss, Ara h 2, besteht. Liegt der Wert über 42,2 kU/l, gilt dies als Nachweis (95 PPV) einer systemischen Erdnussallergie. Ein solcher prädiktiver Wert besteht auch für Baumnüsse. Für die Haselnuss, Cor a 14, liegt es bei 48 kU/l (90 PPV) und für die Cashewnuss Ana o 3 bei 2 kU/l (95 PPV).

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