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Ernährungsberatung Allergie Intoleranz

Urte Brink, Referentin Ernährungsberatung und Weiterbildung beim Verband der Oecotrophologen e.V. (VDOE)

Allergien und Unverträglichkeiten - wie hilft eine Ernährungsberatung?

Ist die Diagnose Allergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit gestellt, sind die Betroffenen meist erleichtert, denn viele leiden sehr lange unter Beschwerden, bevor eine Diagnose gestellt wird. Zunächst hört es sich auch einfach an, wenn der Arzt die Empfehlung gibt Gluten, Weizen, Laktose, Milcheiweiß, Fruktose, Histamin, ASS etc. zu meiden. Schwieriger wird es dann bei der Umsetzung, denn dann kommen die Fragen: Was kann ich denn nun essen und was nicht? Und welche Menge eines bestimmten Nahrungsmittels ist noch verträglich? Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte eine professionelle allergologisch geschulte Ernährungsberatungsfachkraft hinzugezogen werden. Wenn der behandelnde Arzt hier keine Empfehlung geben kann, stellt sich die Frage nach der richtigen Auswahl. Über die möglichen Auswahlkriterien sprach MeinAllergiePortal mit Urte Brink, Referentin Ernährungsberatung und Weiterbildung beim Verband der Oecotrophologen e.V. (VDOE).

Frau Brink, viele Menschen, bei denen eine Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit festgestellt wurde, denken zunächst, dass sie ihre Ernährung selbst umstellen können. Welche Schwierigkeiten gibt es hier?

"Selbst gestrickte" Diäten schränken die Lebensmittelauswahl meist unnötig ein. So erlebte ich einen Allergiker, der schon sehr lange keine Kartoffeln mehr aß. Es war bei einem Test herausgekommen, dass er auf Kartoffel reagiert. Niemand hatte ihn jedoch darüber informiert, dass gekochte Kartoffeln meistens gut vertragen werden. Nur eine gut ausgebildete Ernährungsfachkraft kann einschätzen, wo die relevanten Allergene in welchen Mengen vorkommen. Eine Ernährungsfachkraft unterstützt den Patienten, dass er seine Lebensmittelauswahl nicht unnötig einschränkt. Der Patient profitiert von einer professionellen Ernährungsberatung, weil sie ihm Sicherheit gibt und weil seine Lebensqualität wieder steigt.

Wenn man merkt, dass man die Ernährungsfrage allein nicht in den Griff bekommt, hat man die Qual der Wahl, denn es gibt sehr viele Angebote. Nach welchen Kriterien sollten Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten vorgehen, um die richtige Beratung zu finden?

Die Bezeichnung Ernährungsberater ist gesetzlich nicht geschützt und deshalb bieten viele Ernährungsberater ihre Dienste an, ohne dass sie eine fundierte Ausbildung haben. Besonders bei Allergikern kann eine fehlerhafte Beratung aber schlimme Folgen haben. Deshalb sollten Allergiker ihren Ernährungsberater sorgfältig auswählen. Nur Oecotrophologen oder Ernährungswissenschaftler und Diätassistenten mit einer zusätzlichen Weiterbildung haben die von den Krankenkassen geforderte Qualifikation. Viele Krankenkassen geben einen Zuschuss zu den Beratungskosten, wenn der Ernährungsberater ein Zertifikat von seinem Berufsverband, z. B. vom Verband der Oecotrophologen (VDOE), vom Verband der Diätassistenten (VDD) oder von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nachweisen kann. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) bietet eine zusätzliche Qualifikation an, die die Beratungsfachkräfte für die speziellen Herausforderungen in der Beratung von Allergiepatienten schult. Im Expertenpool des VDOE finden sich unter den Stichworten Ernährungsberatung und Ernährungstherapie ausschließlich zertifzierte Ernährungsberatungsfachkräfte. Berater, die eine zusätzliche Schulung im Allergiebereich aufweisen, sind unter der Bezeichnung "Ernährungsfachkraft Allergologie DAAB" in der Rubrik "Sonstige Qualifikationen und Spezialkenntnisse" gelistet.


Gibt es Angebote, die man unbedingt meiden sollte? 

Es werden immer wieder teure so genannte IgG-Testungen angeboten. Schon seit Jahren warnen Allergie-Experten davor. Die im Labor ermittelten IgG-Antikörper gegen viele hundert Nahrungsmittel haben gar nichts mit Krankheit zu tun. Diese Untersuchungen aus bestimmten Labors sind daher sinnlos. Das Gefährliche ist: Diese Testergebnisse werden gemeinsam mit Diätempfehlungen verkauft. Oft sollen 5 oder mehr Lebensmittel gemieden werden. Hier besteht auf Dauer die Gefahr, dass es aufgrund der eingeschränkten Lebensmittelauswahl zu einem Mangel an Nährstoffen kommt.

Wie sollte man sich auf das erste Gespräch mit der Ernährungsberatung vorbereiten?

Das Wichtigste ist, dass man sich selbst über die Ziele der Beratung genau im Klaren ist und dass man selbst dazu bereit ist, mitzuarbeiten. Die Ernährungsberatungsfachkraft benötigt zu Beginn alle Diagnosen, Untersuchungsergebnisse und Befunde. Im ersten Beratungsgespräch führt die Ernährungsberatungsfachkraft eine gründliche Anamnese durch. Bestandteil der Ernährungsanamnese ist meistens ein Ernährungs-Symptom-Tagebuch. Je sorgfältiger dies ausgefüllt wird, desto schneller kommt man ans Ziel.

Mit welchen Kosten muss man rechnen? Gibt es hier einheitliche Sätze oder Richtlinien?

Es gibt keine einheitlichen Sätze oder Vorgaben wie z. B. in der Gebührenordnung für Ärzte. Die Verbände sprechen jedoch Empfehlungen aus. Diese liegen bei 70 € bis 140 € pro 60 Minuten. Die Höhe des Honorars ist von verschiedenen Faktoren abhängig, unter anderem vom Arbeitsaufwand und von der Spezialisierung des Beraters. Gerade im Allergiebereich nimmt die Sichtung der Untersuchungsergebnisse und Symptom-Tagebücher, die individuelle Recherche und Vor- und Nachbereitung sehr viel Zeit in Anspruch, da es sich mit den diversen Allergie-Kombinationen oft um Einzelfälle handelt. Je nach Beschwerdebild werden im Durchschnitt 5-10 Zeitstunden im Beratungsverlauf benötigt.


Was übernehmen gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen? Gibt es bei der Abrechnung oder bereits im Vorfeld etwas zu beachten, damit diese Kosten anerkannt werden?

Die Ernährungstherapie wird von vielen Krankenkassen bezuschusst, wenn eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung vorliegt. Die qualifizierte Ernährungsfachkraft kann einen Kostenvoranschlag erstellen. Es ist sinnvoll, bereits vor dem Beginn der therapeutischen Beratung Rücksprache mit seiner Krankenkasse bzgl. der Bezuschussung zu halten. In der Regel werden 5, manchmal auch 10 Einheiten bezuschusst, wobei die Erstberatung meistens mit 60 Minuten und die Folgeberatungen mit 30 Minuten angesetzt werden. Die Erstattungshöhe liegt je nach Krankenkasse zwischen 130 bis 500 €. Die privaten Krankenversicherungen erstatten die Kosten für die Beratung, wenn diese Leistung im Versicherungsvertrag eingeschlossen wurde. Wenn dies nicht der Fall ist, werden manche Leistungen per Einzelfallentscheidung oder aus Kulanzgründen bezuschusst.

Frau Brink, herzlichen Dank für das Gespräch!