Beikost Allergieprävention

Mandy Ziegert, Medizinische Ernährungsberaterin an den DRK Kliniken in Berlin zu Beikost und Allergieprävention!

Beikost und Allergieprävention: Wie sieht die richtige Mischung aus?

In letzter Zeit wird das Baby-led-weaning sehr stark diskutiert, welche Rolle spielt es bei der Beikosteinführung?

Das Baby-led-weaning ist gerade sehr „in“ und beruht auf den Empfehlungen einer Hebamme aus England. Das Konzept besagt, dass man dem Säugling bei der Beikost-Einführung keine Breimahlzeiten gibt, sondern ganze Nahrungsmittel, die das Kind dann selbstständig in den Mund stecken und essen kann. Das Problem ist nur, dass nicht alle Kinder mit fünf Monaten bereits in der Lage sind, Nahrungsmittelstücke selbständig zu essen. Die meisten Kinder können meist nur kleinere Mengen, z.B. Karottenstückchen oder weiches Brot ohne Rinde, selbständig verzehren. Wenn das Kind nur an den Nahrungsmitteln lutscht, werden keine relevanten Mengen verzehrt. Das Risiko, dass es zu Nährstoffdefiziten kommt, ist daher groß. Außerdem besteht so die Gefahr, dass es zu einem verzögerten Beikost-Start kommt.

Es ist nicht nachgewiesen, dass das Baby-led-weaning Vorteile bringt. Jedoch spricht nichts dagegen, dem Kind zusätzlich zur Still- und Breimahlzeit, Nahrungsmittel wie zum Beispiel Gemüsestückchen anzubieten, wenn es schon abbeißen und kauen kann, ohne sich zu verschlucken.

 

Ab wann können Kinder selbstständig essen?

Das ist individuell sehr unterschiedlich, aber man geht davon aus, dass Kinder zwischen dem 7. und dem 8. Monat damit beginnen, selbstständig Nahrung aufzunehmen. Für den Start der Beikost wäre dies aber eher zu spät, denn in dieser Zeit fehlt es z.B. an ausreichend Eisen und Kalzium.

Auch die vegane Ernährung hat aktuell viele Anhänger, kann man Säuglinge mit veganer Beikost ernähren?

Im deutschsprachigen Raum wird im Säuglingsalter eine vegane Ernährung nicht empfohlen, weil mit der Lebensmittelauswahl, die für das Säuglingsalter in Frage kommt, die Nährstoffversorgung nicht sichergestellt werden kann. Die Gefahr einer Mangelernährung wäre sehr groß, so dass man die Ernährung mit zusätzlichen Vitaminen und Mineralstoffen substituieren müsste. Beim Nahrungsaufbau ist es jedoch nicht das Ziel, schon mit Vitamin- und Mineralstoffpräparaten zu arbeiten.

Hinzu kommt, dass nicht sicher ist, inwiefern diese Präparate vom Körper genauso aufgenommen werden wie die natürlichen Vitamine und Mineralstoffe.

Darüber hinaus gibt es bei der veganen Ernährung von Säuglingen ein Mengenproblem. Die bei veganer Ernährung erlaubten Nahrungsmittel enthalten die benötigten Nährstoffe oft nicht in ausreichender Menge. Der Säugling müsste deshalb große Mengen verzehren, um auf die benötigte Nährstoffversorgung zu kommen, ist jedoch gar nicht in der Lage, so große Mengen zu essen. Ein weiteres Problem ist, dass die potenziellen Ersatznahrungsmittel, z.B. Hülsenfrüchte, von Säuglingen nicht gut verdaut werden können, weil der Verdauungsapparat noch nicht weit genug entwickelt ist. Hülsenfrüchte können vom Verdauungssystem eines fünf Monate alten Säuglings noch nicht entsprechend aufgeschlüsselt werden und können zu Beschwerden führen.

In der LEAP-Studie hat man entdeckt, dass Kinder, die sehr früh Erdnüsse zu essen bekamen, seltener an Erdnussallergie erkrankten. Hat dies einen Einfluss auf die aktuellen Empfehlungen?

In Deutschland wird dies noch diskutiert. Die LEAP-Studie bezieht sich auf den englischsprachigen Raum, UK und USA. Man diskutiert deshalb darüber, inwiefern die Erkenntnisse aus dieser Studie auf hiesige Verhältnisse übertragbar sind. Die Zahl der Erdnussallergiker steigt auch hier, aber wir liegen nicht auf dem gleichen Niveau wie im angelsächsischen Raum – die Erdnuss ist bei uns noch nicht das häufigste Allergen.

Aktuell empfiehlt man in Deutschland, die Kinder entsprechend dem familiären Rahmen zu ernähren. Das bedeutet, in Familien, in denen Nüsse Teil des Speiseplans sind, sollen auch die Kinder im Zuge der Beikost nusshaltige Speisen angeboten bekommen.

Welche Nahrungsmittel sollten bei der Einführung der Beikost auf keinen Fall gegeben werden?

Bestimmte Nahrungsmittel sollten bei der Beikost-Einführung zum Beispiel aus hygienischen Gründen nicht gefüttert werden, weil sie mit einem gewissen Bakterien-Risiko verbunden sind. Dazu gehören z.B. rohes Fleisch, roher Fisch, rohes Ei und Honig.

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