Nahrungsmittelallergie Erdnussallergie

Prof. Dr. Susanne Lau, Oberärztin an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie u. Immunologie, Charité Universitätsmedizin, Berlin zu möglichen Ursachen für steigende Zahlen bei Nahrungsmittelallergien bzw. die Erdnussallergien!

Nahrungsmittelallergie - Erdnussallergie: Die Zahlen steigen

Welche Erkenntnisse zur Beikost-Einführung konnte man gewinnen?

Zunächst zu der Untersuchung im Vorfeld der LEAP-Studie: Dabei wurden beim Vergleich der jüdischen Kinder in Israel und der jüdischen Kinder in England Unterschiede in Bezug auf die Prävalenz der Erdnussallergie deutlich. Bei den Kindern in Israel kam es deutlich seltener zu einer Erdnussallergie, als bei den israelischen Kindern in UK. Der Unterschied: Die Kinder in Israel bekamen sehr früh einen erdnusshaltigen Snack namens Bamba, während bei den Kindern in England Erdnuss in der Beikost gemieden wurde, weil damals, wie gesagt, die Empfehlungen eher in Richtung „Meidung“ gingen.

Der Erdnuss-Konsum ist in England aber sehr verbreitet, das heißt das Erdnussallergen ist sehr präsent, auch im öffentlichen Raum. Man geht insofern davon aus, dass es in dieser Umgebung, trotz Meidens des Erdnussallergens im Speiseplan, dennoch unterschwellig zur Exposition kommt und dass dies eine Sensibilisierung eher fördert. Zudem vermutet man wie gesagt, dass bei Kindern mit Ekzemen die Sensibilisierung mit Nahrungsmittelallergenen über die Haut stattfindet. Im Gegensatz dazu waren die Kinder in Israel oral hochexponiert und konnten dadurch eher eine Toleranz entwickeln.

 

Welche Erkenntnisse zur Entstehung von Nahrungsmittelallergien brachte die LEAP-Studie?

In der LEAP-Studie hat man untersucht, ob die frühe Einführung von Erdnuss in Beikost bei Säuglingen die Entstehung einer Erdnussallergie verhindern kann. Dafür hat man Säuglinge mit Neurodermitis bzw. einer Hühnereisensibilisierung, die als Hochrisiko-Kinder für die Entwicklung einer Nahrungsmittelallergie gelten, im Alter von 4 bis 11 Monaten in die Studie eingeschlossen. Diese Kinder waren im ersten Lebensjahr entweder nicht gegen Erdnuss sensibilisiert oder nur sehr leicht und damit nicht klinisch relevant. Die eine Gruppe der Kinder erhielt wöchentlich 6 g Erdnuss, die andere Gruppe hat Erdnüsse streng gemieden. Dabei wussten die Eltern der Studienteilnehmer nicht, zu welcher Gruppe sie gehörten, die Zuteilung zu den Gruppen erfolgte aber randomisiert.

Nach fünf Jahren wurde die Studie „entblindet“ und man hat verglichen, wie viele Kinder in der jeweiligen Gruppe eine Erdnuss-Allergie entwickelt hatten. In der Gruppe, die regelmäßig Erdnuss verzehrt hatte, war die Prävalenz über 50 Prozent geringer, als in der Vermeidungsgruppe. Daraus schließt man, dass man bei Risikogruppen für Nahrungsmittelallergien, d.h. bei Kindern mit Ekzemen, oder bei Kindern, die bereits eine Nahrungsmittelallergie haben und die in einer Umgebung leben, in der das Erdnussallergen sehr präsent ist, Erdnüsse sehr früh in den Speiseplan einführen sollte.

Ergibt sich daraus die generelle Empfehlung, allergiegefährdeten Kindern möglichst früh Erdnussflips bzw. Snacks anzubieten?

So allgemein gilt die Empfehlung, Erdnüsse früh in den Speiseplan einzuführen, damit eine Erdnussallergie gar nicht erst entsteht, nicht. Sie gilt für Kinder mit Ekzem, die in einem Land leben, in dem Erdnüsse sehr häufig verzehrt werden und nur dann, wenn noch keine Allergie vorliegt aber eventuelll. eine stumme Sensibilisierung. Dazu gehört z.B. England und sicherlich auch Deutschland.

In Griechenland sind Erdnüsse jedoch nicht sehr verbreitet und dort stellt sich die Frage, inwieweit die Empfehlung der frühen Erdnusseinführung sinnvoll wäre. In einer Bevölkerung, in der Erdnüsse als Nahrungsmittel nur eine geringe Rolle spielen, sollte man sicher eher zurückhaltend damit sein, den Kindern Erdnüsse ganz besonders früh zu geben. Die Empfehlung gilt nur für Länder bzw. Familien mit hohem Erdnusskonsum oder hoher Allergieprävalenz.

Was tut sich in der Forschung?

Es wird sicher noch viele Interventionsstudien, auch zur Behandlung von Nahrungsmittelallergien bzw. der Erdnussallergien geben. Man versucht, bei den Nahrungsmittelallergikern Toleranz zu induzieren, entweder durch orale Therapeutika, die Erdnussprotein enthalten, oder durch eine epikutane Immuntherapie, d.h. Erdnussprotein-haltige Pflaster, die auf die Haut appliziert werden.

Bei den oralen Therapien werden höhere Dosierungen eingesetzt, als bei Pflastern. Dadurch besteht jedoch die Gefahr, dass die Patienten eine Eosinophile Gastroenteritis (EGE) entwickeln. Dann kommt es zwar bei Allergenkontakt nicht zu einer Anaphylaxie, aber womöglich leiden die Patienten dann unter einer Entzündung der Schleimhäute des Magen-Darmtraktes.

Bei den Erdnusspflastern ist die Dosierung des Erdnussproteins niedriger und die Gefahr einer EGE besteht nicht. Allerdings hat die aktuell abgeschlossene Studie an einem Erdnuss-Pflaster den primären Endpunkt, der von der FDA vorgegeben wurde, nicht erreicht. Der geforderte Therapieerfolg lag bei ≥ 15 Prozent, tatsächlich lag der Therapieerfolg bei 12 Prozent. Allerdings war dies auch ein sehr ambitioniertes Ziel und es werden sicherlich weitere Studien mit einer höheren Proteinmenge folgen. Dies könnte auch zu einer höheren Erfolgsquote führen.

Frau Prof. Lau, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.