orale Provokation Nahrungsmittelallergie

Luzie Kremer, Ökotrophologin (B. Sc.) in der Praxis für Ernährungstherapie in Aachen zur Durchführung und Aussagekraft einer oralen Provokation bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergie!gt.

Orale Provokation: Wie wird sie durchgeführt? Was sagt sie aus?

Welche Informationen gewinnt man durch eine „negative“ orale Provokation und was ändert sich dadurch für das Kind?

Eine orale Provokation mit negativem Testausgang bedeutet, das Nahrungsmittel kann und soll nun in die Ernährung des Kindes eingeführt werden. Bei Grundnahrungsmitteln wie Kuhmilch oder Weizen ist dies einfach, bei Nüssen oder Soja müssen die Eltern auf die re-gelmäßigen Gaben in der Ernährung des Kindes achten.

Eine orale Provokation macht nur Sinn, wenn das Lebensmittel anschließend mehrmals wöchentlich gegessen oder getrunken wird, ansonsten kann bei längerer Meidung keine Sicherheit darüber gegeben werden, ob eine Toleranz nach der oralen Provokation gegenüber des Allergens erhalten bleibt.

In manchen Fällen kann es anfangs für das Kind beunruhigend sein, das bis dahin streng verbotene Nahrungsmittel nun plötzlich essen zu dürfen und sogar zu müssen. Hier ist auch seitens der Eltern die Kreativität bei der Zubereitung gefragt, bei der Ernährungstherapeuten wertvolle Tipps geben können.

Und welche Konsequenzen hat es, wenn eine orale Provokation „positiv“ ist?

Bei einem positiven Ausgang der Provokation kann leider nichts über die Schwellendosis des Allergens in geringen Mengen ausgesagt werden. Auch wenn das Kind erst nach der letzten großen Gabe reagiert hat, kann nicht sicher vorhergesagt werden, ob dies eine allergische Spätreaktion auf eine kleinere Portion zu Beginn der Provokation oder eine sofort einsetzende Reaktion auf die letzte Gabe war.

Bei der standardisierten 7-Stufen-Provokation kann über die Schwellendosis keine konkrete Aussage getroffen werden, am Ende der Provokation wird in der Regel eine klare Empfehlung entweder für die Einführung oder die weitere Meidung des Nahrungsmittels gegeben.

Hinsichtlich der Art der zu erwartenden allergischen Reaktion beim nächsten Diätfehler mit dem Nahrungsmittel kann auch mit der oralen Provokation keine Voraussage getätigt werden. Auch wenn der Patient oder die Patientin in der Klinik z.B. mit einer generalisierten Urtikaria reagiert hat, heißt das nicht, dass die allergische Reaktion beim nächsten Mal genauso ablaufen wird, also nur die Haut und nicht auch andere Organsysteme betroffen sein werden.

Eine allergische Reaktion gleicht oft nicht der nächsten. Hierbei können andere Verstärkungsfaktoren, wie z.B. ein Infekt oder eine körperliche Belastung, ebenfalls eine Rolle spielen.

 

Was kommt nach der oralen Provokation?

Nach der oralen Provokation erfolgt die intensive Besprechung und Nachbetreuung durch die behandelnden Allergologen und Ernährungstherapeuten. Auch hier spielt die enge Zusammenarbeit eine wesentliche Rolle.

Die Nachbetreuung umfasst Absprachen über die weitere Beratung der Eltern in der allergologischen Sprechstunde sowie der Aktualisierung der serologischen Allergiebefunde in geregelten großen Zeitabständen.

Eine Wiederholung der Provokation erfolgt je nach Nahrungsmittel und Alter des Kindes in unterschiedlichen Zeitabständen. Wichtig ist hierbei die Anamnese der Eltern. Falls ein Diätfehler mit kleinen Mengen ohne allergische Reaktion stattgefunden hat und/oder die Blutwerte des Allergens gesunken sind, kann dies ein guter Grund sein, das Nahrungsmittel noch einmal zu testen.

Auch können veränderte Lebenssituationen wie Kita, Einschulung oder der Gang zur weiterführenden Schule wichtige Zeitpunkte für eine Wiederholung der Provokation sein.

Frau Kremer, herzlichen Dank für dieses Interview!

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