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gefährliche Nahrungsmittelallergie Risiko

Dr. Lars Lange, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder-Pneumologe und Allergologe, St. Marien-Hospital, Bonn zu gefährlichen Nahrungsmittelallergien!

Risiko Nahrungsmittelallergie: Wann kann das gefährlich werden?

Wie lässt sich diagnostizieren, ob es sich um eine „harmlose“ oder um eine „gefährliche“ Nahrungsmittelallergie handelt?

Bei der Differenzierung, ob eine eher „harmlose“, pollenassoziierte, oder eine „gefährliche“, primäre Nahrungsmittelallergie vorliegt, sind die modernen Methoden der Allergiediagnostik , die die molekulare Allergiediagnostik bietet, sehr hilfreich.

Zum Hintergrund: Für die Herstellung eines herkömmlichen Allergenextraktes für die Diagnose wird das gesamte biologische Material eingesetzt, z.B. eine Frucht. Zum Beispiel würde für die Herstellung eines Allergenextraktes zur Diagnose einer Sensibilisierung auf Pfirsich, der gesamte Pfirsich zur Extraktherstellung eingesetzt. Mit einer klassischen Allergietestung wird dann untersucht, ob der Körper des Patienten gegen die Allergene des Pfirsichs Antikörper gebildet hat.

Allerdings enthält der Pfirsich sehr viele verschiedene Allergenkomponenten, mit unterschiedlichen Eigenschaften. Einige dieser Proteine findet man auch in Pollen, dies sind die „harmloseren“ Profiline, andere Pfirsich-Proteine, die „gefährlicheren“ findet man ausschließlich in dem Pfirsich. Die molekulare Allergiediagnostik ermöglicht es hier, anhand von Risikomarkern zwischen gefährlichen und eher weniger gefährlichen Allergenkomponenten zu unterschieden, die klassische Allergiediagnostik mit Allergenextrakten kann das nicht leisten.

Gerade bei den Nussallergien, insbesondere bei der Erdnussallergie, ist eine exakte Diagnostik von großer Wichtigkeit, denn hier gilt es, die primären Nahrungsmittelallergene, d.h. die Speicherproteine zu identifizieren, die lebensgefährliche Anaphylaxien auslösen können. Vor allem bei kleinen Kindern ist das von Bedeutung, denn zum einen verhindert eine exakte Diagnostik den unnötigen Verzicht auf Nahrungsmittel, die keine Gefahr darstellen und zum anderen ermöglicht sie entsprechende Vorsorge für den Ernstfall zu treffen.  

Eine neue Erkenntnis ist, dass es Zusammenhänge zwischen der Anzahl der Sensibilisierungen auf die Allergenkomponenten eines bestimmten Nahrungsmittels und Entwicklung, sowie Ausprägung der Nahrungsmittelallergie zu geben scheint.

Erdnuss Komponenten 170616 webQuelle: Thermo Fisher Scientific

 

Wie hängen die Anzahl der Sensibilisierungen, klinische Symptome und der Schweregrad der Nahrungsmittelallergie zusammen?

Eine aktuellen Studie konnte ermitteln: Je mehr Proteine eines Nahrungsmittels vom Körper erkannt werden, d.h. auf je mehr Proteine man bei dem speziellen Nahrungsmittel sensibilisiert ist, desto höher ist das Risiko, dass sich tatsächlich eine Allergie ausbildet. Außerdem steigt dadurch auch das Risiko, dass diese Allergie stärker ausgeprägt ist. Das bedeutet, eine Mehrfachsensibilisierung auf die Allergenkomponenten eines Nahrungsmittels könnte ein Biomarker sein, sowohl für die Wahrscheinlichkeit klinischer Symptome als auch für deren Schweregrad. Damit hätte man die Möglichkeit, Risikopatienten klar zu erkennen und entsprechend Vorsorge zu treffen.3)4) Die Möglichkeit, mehrere Allergene in einem Test zu bestimmen, bietet zurzeit nur die molekulare Allergiediagnostik mit dem ImmunoCAP® ISAC. Dieser Test ermöglicht die Bestimmung von 112 Komponenten aus 51 Allergenquellen anhand einer Blutprobe und zeigt ein breites Bild der Ausbildung des Sensibilisierungsmusters.

Bei den klassischen Allergietests hingegen, findet man nur die Sensibilisierungen, nach denen man dezidiert sucht. Natürlich ist es im Prinzip möglich, das relevante Allergen zu ermitteln, indem man es mit jedem Test einzeln anfordert. Die gesetzlichen Krankenkassen erlauben pro Quartal aber nur das Testen von 8 Allergenen (Extrakt oder Komponente) plus Gesamt-IgE. Allein mit dem Test auf die Allergenkomponente der Erdnuss sind jedoch bereits 4 bis 5 Allergene abgedeckt.

Hinzu kommt, dass es in der Praxis oft nicht allein um das Identifizieren von nur einem Allergen geht. In unserer Klinik stellt sich bei vielen meiner Patienten eher die Frage, ob die Allergiesymptome z.B. nur von Erdnuss, Haselnuss, Walnuss oder Cashew oder aber von mehreren dieser potenziellen Allergenquellen ausgelöst werden, und häufig besteht auch noch eine Pollenallergie. Man braucht also in solchen Fällen mehrere Quartale, um sich zu dem relevanten Allergen „vorzutasten“. Dies ist zum einen langwierig und zum anderen bleibt der Patient in dieser Zeit im Ungewissen und könnte auch gefährdet sein.

Die molekulare Allergiediagnostik wird erst seit ca. 8 Jahren routinemäßig eingesetzt, und die Allergologie ist ein sehr spannendes Forschungsgebiet, das sich ständig weiterentwickelt und in dem ständig neue Erkenntnisse gewonnen werden. Abhängig davon, was die Forschung in Zukunft erreicht und inwieweit sich diese ersten Ergebnisse in anderen Studien bestätigen, könnte es nötig werden, die Vorgehensweise bzw. die gesetzlichen Rahmenbedingungen anzupassen.

Könnte eine Sensibilisierung auf mehrere Allergene eines Nahrungsmittels auch ein Indikator für den Schwergrad einer anaphylaktischen Reaktion sein?

Möglicherweise könnte dies der Fall sein. Zum einen könnte die Höhe der Sensibilisierungswerte ein Indikator sein, allerdings nicht allein, denn es gibt auch Menschen mit hohen Sensibilisierungswerten gegen ein einzelnes Protein, die dennoch keine klinischen Symptome zeigen.

Zurzeit ist es noch nicht gängige Praxis, bei Allergietests die Gesamtheit der Allergene eines verdächtigen Nahrungsmittels abzudecken. Vielmehr untersucht man einzelne Speicherproteine, die in Verdacht stehen, die Allergiesymptome auszulösen. Vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse aus der erwähnten Studie kann es jedoch sinnvoll sein, bei der Allergiediagnose grundsätzlich mehrere Speicherproteine zu überprüfen, was aktuell nur mit einem speziellen Allergietest, dem ImmunoCAP® ISAC möglich ist. Leider steht dies im Widerspruch mit den gesetzlich festgelegten Grenzen bei der Allergiediagnostik.

Welche Aussagekraft hat denn letztendlich ein Allergietest?

Ein Allergietest auf das Allergen der Erdnuss hat eine hohe Sensitivität. Das heißt, ein Mensch, der positiv getestet wird, ist möglicherweise allergisch. Aber wer ein negatives Testergebnis hat, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht allergisch auf ein Erdnussprotein. Dies gilt insbesondere für Kinder, bei Erwachsenen gibt es einzelne Ausnahmen.

Eine Sensibilisierung bedeutet jedoch noch nicht, dass eine Allergie besteht. Z.B. sind 10 Prozent der deutschen Kinder auf Erdnuss sensibilisiert, aber nur ca. 0,2 bis 0,5 Prozent dieser Kinder entwickeln tatsächlich eine Allergie. Das bedeutet, nur eines von 20 Kindern mit einem positiven Erdnusstest ist tatsächlich allergisch auf Erdnüsse. Vor dem Hintergrund der erwähnten Studie, die einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Sensibilisierungen pro Nahrungsmittel und der zu erwartenden Klinik entdeckt hat, wäre es in Zukunft grundsätzlich wichtig zu wissen, auf wie viele Allergenkomponenten der Erdnuss Sensibilisierungen bestehen. Aber auch der Hinweis auf eine Sensibilisierung auf das Erdnussallergen mit der Allergenbezeichnung Ara h 2, ein Risikomarker, hilft bei der Differenzierung.

Festhalten möchte ich: Es handelt es sich bei einem Allergietest nie um einen Beweis, sondern lediglich um einen Indikator. Erst zusammen mit der Anamnese, gegebenenfalls gestützt durch eine Provokation, ergibt sich in der Allergologie ein aussagekräftiges Gesamtbild.

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