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gefährliche Nahrungsmittelallergie Risiko

Dr. Lars Lange, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder-Pneumologe und Allergologe, St. Marien-Hospital, Bonn zu gefährlichen Nahrungsmittelallergien!

Risiko Nahrungsmittelallergie: Wann kann das gefährlich werden?

Eine Nahrungsmittelallergie ist, insbesondere bei Kindern, gar nicht so selten. Es gibt allerdings verschiedene Formen der Nahrungsmittelallergie, die auch unterschiedliche Ursachen haben, und nicht immer sind Nahrungsmittelallergien gefährlich. Wo aber liegen die Unterschiede und wann ist es tatsächlich nötig, bestimmte Nahrungsmittel streng zu meiden? MeinAllergiePortal sprach mit Oberarzt Dr. Lars Lange, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder-Pneumologe und Allergologe in der Fachabteilung für Kinder- und Jugendmedizin am St. Marien-Hospital in Bonn über das Thema: Risiko Nahrungsmittelallergie: Wann kann das gefährlich werden?

Herr Dr. Lange, wann ist eine Nahrungsmittelallergie „harmlos“ und wann gilt sie als gefährlich?

Prinzipiell kann man sagen, dass durch Pollen ausgelöste Nahrungsmittelallergien, d.h. Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel in aller Regel weniger gefährlich sind, das gilt besonders für Kinder und Jugendliche. Bei Kindern kommt es nur dann zu schwereren Kreuzreaktionen, wenn die ersten Anzeichen übergangen werden und der Allergenkontakt fortgesetzt wird. Ein Beispiel aus der Praxis: Einer meiner Patienten, ein kleiner Junge, spielte mit seinem  Bruder „Kirschkernweitspucken“. Schon beim Biss in die erste Kirsche bemerkte er ein Kribbeln im Mund, aber er konnte nicht aufgeben, weil er ja gegen seinen Bruder gewinnen wollte. So aß er immer weiter Kirschen und schließlich kam es zu einem schwereren oralen Allergiesyndrom und Luftnot.

Primäre Nahrungsmittelallergien, d.h. Allergien, die sich direkt gegen ein Nahrungsmittelallergen richten, und die bei kleinen Kindern auftreten, sind eher die gefährlicheren Allergien.

Sie betonen die Kinder, wie ist dies bei Erwachsenen zu sehen?

Bei Erwachsenen kann es sein, dass es auch aufgrund von Kreuzreaktionen zu schwereren allergischen Reaktionen kommt, allerdings selten. Eher spielen bei den Erwachsenen Verstärkungsfaktoren eine Rolle, wie z.B. Anstrengung. Wenn z.B. bei einer Frau eine Apfelallergie, Anstrengung, Stress und vielleicht noch die Menstruation zusammen kommen, kann bei einem Biss in einen Apfel die allergische Reaktion durchaus schwerer ausfallen, als dies vielleicht ohne all diese Faktoren in der Vergangenheit der Fall war.  

Im Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien ist oft von „Panallergenen“ die Rede, welche Rolle spielen sie?

Panallergene sind Eiweißstoffe, die in so gut wie allen Pflanzen vorkommen. Zwischen 10 und 40 Prozent der Pollenallergiker sind auch auf Panallergene sensibilisiert. Klinisch spielen die Panallergene in aller Regel keine große Rolle, das heißt, sie verursachen keine Allergiesymptome. Unter den Gräserpollenallergikern gibt es jedoch Menschen, die auf Profiline, die zu den Panallergenen gehören, reagieren und bei denen es bei Nahrungsmitteln wie Tomate, Melone oder Gurke zu Reaktionen kommt, meist geht dies über ein Kribbeln im Mund aber nicht hinaus.

Es gibt jedoch auch ganz neue Entwicklungen bei den Panallergenen. Vor kurzem wurde eine Studie mit Kindern zum Zusammenhang zwischen Panallergenen und dem Schweregrad der Allergiesymptome veröffentlicht. Diese Studie hat gezeigt, dass Kinder, die gegen viele Panallergene sensibilisiert sind, in diesem Fall z.B. Profiline oder Birkenpollen-kreuzreaktive Proteine, die sogenannten PR 10 Proteine, bei Allergenkontakt eine deutlich schwerere Symptomatik hatten, als Kinder, bei denen dies nicht der Fall war.1) Generell kann man also sagen, dass mit einer Sensibilisierung gegen mehrere Eiweißstoffe ein höheres Risiko einhergeht, schwerere Symptome zu entwickeln. Das bedeutet: Möglicherweise sind multiple Sensibilisierungen ein Indikator für den Schweregrad des oralen Allergiesyndroms. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die molekulare Allergiediagnostik.

 

erdnuss risiko mein allergie portal web

 

Welchen Beitrag leistet die molekulare Allergiediagnostik konkret?

Durch die molekulare Allergiediagnostik wird es möglich, diese Zusammenhänge zu verifizieren, d.h. sie liefert den diagnostischen Nachweis für einen bestehenden Verdacht. Das wichtigste Instrument für einen Allergologen ist die Anamnese. Durch ein gründliches Gespräch mit dem Patienten bekommt man bereits viele Anhaltspunkte. Die molekulare Allergiediagnostik kann dann bestimmte Vermutungen bestätigen, oder eben auch nicht.

Welche Symptome können bei harmlosen Nahrungsmittelallergien auftreten und inwiefern unterscheiden sie sich bei Kindern und Erwachsenen?

Menschen mit einer pollenausgelösten Nahrungsmittelallergie bzw. Kreuzreaktion haben meist Symptome im oder am Mund, z.B. ein Kribbeln an Zunge und Gaumen, Rötungen am Mund oder vielleicht eine leichte Schwellung der Lippen. Es kann aber auch zu stärkeren Schwellungen am Mund und dadurch zu Luftnotsymptomen kommen. Dass es tatsächlich zu Erstickungen kommt, weil der Mund komplett zuschwillt, ist jedoch eine absolute Rarität.

Möglich sind bei einer Kreuzreaktion aber auch Symptome außerhalb des Mundes.  Für Erwachsene hat Frau Prof. Ballmer-Weber in einer Studie gezeigt, dass Menschen aufgrund einer Kreuzreaktion auch Reaktionen eine Urtikaria entwickeln können, d.h. Quaddeln am ganzen Körper. Auch eine Symptomatik mit Übelkeit, Erbrechen und Luftnot sind möglich.2) Solche systemische Reaktionen sind nicht häufig, aber sie sind möglich.


Gibt es auch externe Faktoren, die einen Einfluss auf die Ausprägung des oralen Allergiesyndroms bei Erwachsen haben?

Bei Erwachsenen können Medikamente die Schwere der Symptome beeinflussen, z.B. Aspirin und Säureblocker. Säureblocker werden bei Refluxbeschwerden eingesetzt und dadurch werden die Allergene, d.h. die Proteine aus der Nahrung, im Magen nicht so gut abgebaut. So kann es zu verstärkten Beschwerden kommen, wenn ein orales Allergiesymptom auftritt. Bei Menschen, die eine Pollenallergie bzw. eine Kreuzallergie haben und Säureblocker nehmen, besteht daher ein erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen.

Zu den  gefährlichen Nahrungsmittelallergien: Welche Symptome können hier auftreten und bei welchen Allergenen?

Bei den primären Nahrungsmittelallergien, die bei Kindern auftreten, kommt es vor allem durch die Erdnuss zu allergischen Reaktionen, bei sehr kleinen Kindern auch durch Milch oder Ei.

Auch Cashew ist ein wichtiges Allergen, das im Moment noch sehr stark unterschätzt wird, gerade bei kleinen Kindern treten immer häufiger Nahrungsmittelallergien auf Cashew auf. Bei Kindern im Vorschul- und Schulalter ist Cashew eines der häufigsten Nahrungsmittelanaphylaxien auslösende Allergene in Deutschland. Damit ist die Cashew-Allergie fast so häufig wie die Allergie auf die Haselnuss, obwohl das Haselnussallergen ebenfalls ein sehr wichtiges Allergen ist. Ein Grund dafür mag sein, dass der Cashewkonsum hierzulande rapide ansteigt. Auch die Tatsache, dass man sich heutzutage internationaler ernährt, Cashews ein beliebter Snack sind und die asiatische Küche, die Cashews häufig einsetzt, sehr beliebt ist, mag hierzu beitragen 

Bei den primären Nahrungsmittelallergien kann es schnell zu allergischen Schockreaktionen kommen, die auch das Herz-Kreislauf-System betreffen. Je nach Alter des Kindes fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Bei sehr kleinen Kindern kommt es häufig zu Übelkeit, Erbrechen, Hautsymptomen und Husten. Bei größeren Kindern und Erwachsenen zeigen sich die Symptome eher in Form von Luftnot, Kreislaufbeschwerden bis hin zum anaphylaktischen Schock, der dann auch bedrohlich ist.

Im Gegensatz zu den Kreuzreaktionen, ist die Heftigkeit der allergischen Reaktion bei den primären Nahrungsmittelallergien jedoch nicht immer mengenabhängig.

Heißt das, auch bei Kontakt mit geringen Allergenmengen kann es zu schweren Anaphylaxien kommen?

Prinzipiell kann man schon sagen, dass die Symptome umso heftiger ausfallen, je größer die aufgenommene Allergenmenge ist. Unter den „echten“ Nahrungsmittelallergikern gibt es jedoch auch Menschen, die bereits auf kleinste Allergenmengen schwer reagieren können.

Handelt es sich bei den allergischen Symptomen auf eine echte Nahrungsmittelallergie immer um eine Anaphylaxie oder könnte es auch „nur“ ein orales Allergiesyndrom sein?

Ob es sich um ein orales Allergiesyndrom oder um einen anaphylaktischen Schock handelt, ist für die Betroffenen, bzw. bei Kindern, für die Eltern nicht immer so leicht zu unterscheiden, insbesondere dann, wenn viele Allergien vorliegen oder wenn sowohl  primäre, als auch pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien vorliegen. Auch eine Anaphylaxie kann zunächst mit einem Kribbeln im Mund anfangen, das sehen wir häufig bei Kindern im Zuge einer oralen Provokation auf Nahrungsmittelallergene. Auch Übelkeit kann ein Warnsignal für eine sich anbahnende Anaphylaxie sein, und die Symptome können dann auch an anderen Körperregionen auftreten.

Das heißt, sobald die ersten leichteren Symptome auftreten, sollten die entsprechenden Medikamente verabreicht werden, Kortison und Antihistaminika, so wie dies in den Anaphylaxieschulungengeschult wird. Wichtig ist auch, die Betroffenen gut zu überwachen.


Wie lässt sich diagnostizieren, ob es sich um eine „harmlose“ oder um eine „gefährliche“ Nahrungsmittelallergie handelt?

Bei der Differenzierung, ob eine eher „harmlose“, pollenassoziierte, oder eine „gefährliche“, primäre Nahrungsmittelallergie vorliegt, sind die modernen Methoden der Allergiediagnostik , die die molekulare Allergiediagnostik bietet, sehr hilfreich.

Zum Hintergrund: Für die Herstellung eines herkömmlichen Allergenextraktes für die Diagnose wird das gesamte biologische Material eingesetzt, z.B. eine Frucht. Zum Beispiel würde für die Herstellung eines Allergenextraktes zur Diagnose einer Sensibilisierung auf Pfirsich, der gesamte Pfirsich zur Extraktherstellung eingesetzt. Mit einer klassischen Allergietestung wird dann untersucht, ob der Körper des Patienten gegen die Allergene des Pfirsichs Antikörper gebildet hat.

Allerdings enthält der Pfirsich sehr viele verschiedene Allergenkomponenten, mit unterschiedlichen Eigenschaften. Einige dieser Proteine findet man auch in Pollen, dies sind die „harmloseren“ Profiline, andere Pfirsich-Proteine, die „gefährlicheren“ findet man ausschließlich in dem Pfirsich. Die molekulare Allergiediagnostik ermöglicht es hier, anhand von Risikomarkern zwischen gefährlichen und eher weniger gefährlichen Allergenkomponenten zu unterschieden, die klassische Allergiediagnostik mit Allergenextrakten kann das nicht leisten.

Gerade bei den Nussallergien, insbesondere bei der Erdnussallergie, ist eine exakte Diagnostik von großer Wichtigkeit, denn hier gilt es, die primären Nahrungsmittelallergene, d.h. die Speicherproteine zu identifizieren, die lebensgefährliche Anaphylaxien auslösen können. Vor allem bei kleinen Kindern ist das von Bedeutung, denn zum einen verhindert eine exakte Diagnostik den unnötigen Verzicht auf Nahrungsmittel, die keine Gefahr darstellen und zum anderen ermöglicht sie entsprechende Vorsorge für den Ernstfall zu treffen.  

Eine neue Erkenntnis ist, dass es Zusammenhänge zwischen der Anzahl der Sensibilisierungen auf die Allergenkomponenten eines bestimmten Nahrungsmittels und Entwicklung, sowie Ausprägung der Nahrungsmittelallergie zu geben scheint.

Erdnuss Komponenten 170616 webQuelle: Thermo Fisher Scientific

 

Wie hängen die Anzahl der Sensibilisierungen, klinische Symptome und der Schweregrad der Nahrungsmittelallergie zusammen?

Eine aktuellen Studie konnte ermitteln: Je mehr Proteine eines Nahrungsmittels vom Körper erkannt werden, d.h. auf je mehr Proteine man bei dem speziellen Nahrungsmittel sensibilisiert ist, desto höher ist das Risiko, dass sich tatsächlich eine Allergie ausbildet. Außerdem steigt dadurch auch das Risiko, dass diese Allergie stärker ausgeprägt ist. Das bedeutet, eine Mehrfachsensibilisierung auf die Allergenkomponenten eines Nahrungsmittels könnte ein Biomarker sein, sowohl für die Wahrscheinlichkeit klinischer Symptome als auch für deren Schweregrad. Damit hätte man die Möglichkeit, Risikopatienten klar zu erkennen und entsprechend Vorsorge zu treffen.3)4) Die Möglichkeit, mehrere Allergene in einem Test zu bestimmen, bietet zurzeit nur die molekulare Allergiediagnostik mit dem ImmunoCAP® ISAC. Dieser Test ermöglicht die Bestimmung von 112 Komponenten aus 51 Allergenquellen anhand einer Blutprobe und zeigt ein breites Bild der Ausbildung des Sensibilisierungsmusters.

Bei den klassischen Allergietests hingegen, findet man nur die Sensibilisierungen, nach denen man dezidiert sucht. Natürlich ist es im Prinzip möglich, das relevante Allergen zu ermitteln, indem man es mit jedem Test einzeln anfordert. Die gesetzlichen Krankenkassen erlauben pro Quartal aber nur das Testen von 8 Allergenen (Extrakt oder Komponente) plus Gesamt-IgE. Allein mit dem Test auf die Allergenkomponente der Erdnuss sind jedoch bereits 4 bis 5 Allergene abgedeckt.

Hinzu kommt, dass es in der Praxis oft nicht allein um das Identifizieren von nur einem Allergen geht. In unserer Klinik stellt sich bei vielen meiner Patienten eher die Frage, ob die Allergiesymptome z.B. nur von Erdnuss, Haselnuss, Walnuss oder Cashew oder aber von mehreren dieser potenziellen Allergenquellen ausgelöst werden, und häufig besteht auch noch eine Pollenallergie. Man braucht also in solchen Fällen mehrere Quartale, um sich zu dem relevanten Allergen „vorzutasten“. Dies ist zum einen langwierig und zum anderen bleibt der Patient in dieser Zeit im Ungewissen und könnte auch gefährdet sein.

Die molekulare Allergiediagnostik wird erst seit ca. 8 Jahren routinemäßig eingesetzt, und die Allergologie ist ein sehr spannendes Forschungsgebiet, das sich ständig weiterentwickelt und in dem ständig neue Erkenntnisse gewonnen werden. Abhängig davon, was die Forschung in Zukunft erreicht und inwieweit sich diese ersten Ergebnisse in anderen Studien bestätigen, könnte es nötig werden, die Vorgehensweise bzw. die gesetzlichen Rahmenbedingungen anzupassen.

Könnte eine Sensibilisierung auf mehrere Allergene eines Nahrungsmittels auch ein Indikator für den Schwergrad einer anaphylaktischen Reaktion sein?

Möglicherweise könnte dies der Fall sein. Zum einen könnte die Höhe der Sensibilisierungswerte ein Indikator sein, allerdings nicht allein, denn es gibt auch Menschen mit hohen Sensibilisierungswerten gegen ein einzelnes Protein, die dennoch keine klinischen Symptome zeigen.

Zurzeit ist es noch nicht gängige Praxis, bei Allergietests die Gesamtheit der Allergene eines verdächtigen Nahrungsmittels abzudecken. Vielmehr untersucht man einzelne Speicherproteine, die in Verdacht stehen, die Allergiesymptome auszulösen. Vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse aus der erwähnten Studie kann es jedoch sinnvoll sein, bei der Allergiediagnose grundsätzlich mehrere Speicherproteine zu überprüfen, was aktuell nur mit einem speziellen Allergietest, dem ImmunoCAP® ISAC möglich ist. Leider steht dies im Widerspruch mit den gesetzlich festgelegten Grenzen bei der Allergiediagnostik.

Welche Aussagekraft hat denn letztendlich ein Allergietest?

Ein Allergietest auf das Allergen der Erdnuss hat eine hohe Sensitivität. Das heißt, ein Mensch, der positiv getestet wird, ist möglicherweise allergisch. Aber wer ein negatives Testergebnis hat, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht allergisch auf ein Erdnussprotein. Dies gilt insbesondere für Kinder, bei Erwachsenen gibt es einzelne Ausnahmen.

Eine Sensibilisierung bedeutet jedoch noch nicht, dass eine Allergie besteht. Z.B. sind 10 Prozent der deutschen Kinder auf Erdnuss sensibilisiert, aber nur ca. 0,2 bis 0,5 Prozent dieser Kinder entwickeln tatsächlich eine Allergie. Das bedeutet, nur eines von 20 Kindern mit einem positiven Erdnusstest ist tatsächlich allergisch auf Erdnüsse. Vor dem Hintergrund der erwähnten Studie, die einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Sensibilisierungen pro Nahrungsmittel und der zu erwartenden Klinik entdeckt hat, wäre es in Zukunft grundsätzlich wichtig zu wissen, auf wie viele Allergenkomponenten der Erdnuss Sensibilisierungen bestehen. Aber auch der Hinweis auf eine Sensibilisierung auf das Erdnussallergen mit der Allergenbezeichnung Ara h 2, ein Risikomarker, hilft bei der Differenzierung.

Festhalten möchte ich: Es handelt es sich bei einem Allergietest nie um einen Beweis, sondern lediglich um einen Indikator. Erst zusammen mit der Anamnese, gegebenenfalls gestützt durch eine Provokation, ergibt sich in der Allergologie ein aussagekräftiges Gesamtbild.


Ein positiver Allergietest allein ist also noch keine verlässliche Diagnose?

Fast 50 Prozent der Patienten, die mit Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie in meine Praxis kommen, sind verunsichert, weil sie bereits positive Allergietests erhalten haben, ohne dass sie Symptome gezeigt hätten. Ein Allergietest sollte daher nur dann durchgeführt werden, wenn ein konkreter Verdacht besteht, d.h. wenn Symptome aufgetreten sind, die auf eine Allergie hinweisen – alles andere ist für die Patienten sehr verwirrend.

Ein Beispiel: Ein Birkenpollenallergiker, der gegen Panallergene, z.B. Profiline, sensibilisiert ist, kann im Allergietest auf alle möglichen Nahrungsmittel positiv testen, ohne jemals Symptome entwickelt zu haben. Für diesen Menschen ist es also nicht sinnvoll, sämtliche Nahrungsmittel zu meiden, die jene Profiline enthalten. Oder: Wenn ein Birkenpollenallergiker bei Äpfeln tatsächlich Symptome hat, wird im Allergietest häufig auch nach Allergenen geschaut, die bei Birkenpollenallergikern ebenfalls Symptome auslösen können. Das Ergebnis des Tests ist dann oft, dass auch Sensibilisierungen auf Kirsche, Pfirsich, Haselnuss und diverse andere kreuzreaktive Allergene festgestellt werden. Auch dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Nahrungsmittel fortan vom Speiseplan gestrichen werden sollten. Gestrichen werden sollte nur, was nicht vertragen wird, sprich, was Allergiesymptome hervorruft.     

Woran liegt es, dass Allergietests durchgeführt werden, obwohl die Anamnese dies eigentlich nicht hergibt?

Die Allergologie ist ein zeitintensives Fachgebiet. Der Arzt muss sich viel Zeit nehmen, mit dem Patienten ausführlich reden und  genau abklären, was vertragen wurde, was nicht vertragen wurde und in welchem Zusammenhang.

Bei Kindern kommt noch hinzu, dass viele Allergien im Laufe der Zeit wieder verschwinden. Es ist deshalb wichtig, in der Anamnese zu ermitteln, wann genau die letzte Reaktion stattgefunden hat. Kam es bei einem Kind in den letzten ein bis zwei Jahren nicht mehr zu Symptomen auf Nahrungsmittel, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Kind tolerant geworden ist. Darüber hinaus sind auch Begleitsymptome wichtig, wenn es um Nahrungsmittelallergien geht, z.B. sollte immer abgeklärt werden, inwiefern z.B. auch ein Heuschnupfen oder Asthma bestehen, denn all das können Risikofaktoren sein.

Grundsätzlich ist in den Arztpraxen nicht immer die nötige Zeit vorhanden. Die Anzahl der Patienten, die täglich in die Praxis kommen, ist bei vielen Ärzten sehr hoch, so dass für den einzelnen Patienten oft nicht genug Zeit bleibt. Hier könnte die Zusammenarbeit mit allergologisch gut geschulten Ernährungskräften hilfreich sein, sowohl für den Arzt, als auch für den Patienten. Die Ernährungskräfte könnten z.B. die Vorgeschichte des Patienten erheben und mit dem Arzt auf Augenhöhe zusammenarbeiten und Vorschläge für die weitere Vorgehensweise, z.B. für Testungen, entwickeln.  

Welche Konsequenzen könnte es haben, wenn ein Allergietest nicht präzise genug ist?

Eine unpräzise Abklärung einer Allergie verändert die Lebensqualität des Patienten. Wenn ein Arzt einer Mutter ein zufälliges Testergebnis ihres Kindes, wie z.B. eine Sensibilisierung auf Erdnuss, beiläufig mitteilt, löst er damit etwas aus. Die Mutter wird versuchen, sich zu informieren und findet über Google Informationen, z.B. zu Todesfällen aufgrund von Erdnussallergien oder schweren allergischen Reaktionen, ausgelöst durch einen Kuss. Das alles kann sehr beängstigend sein, und die Mutter wird von diesem Zeitpunkt an in ständiger Angst um ihr Kind leben, was die Lebensqualität grundlegend und existentiell beeinträchtigt.

Deshalb darf es niemals passieren, dass Patienten von einem Arzt den Rat erhalten, ein Nahrungsmittel prophylaktisch zu meiden, nur aufgrund der Tatsache, dass eine Sensibilisierung besteht. Ein solcher Rat kann sogar dazu führen, dass eine Allergie überhaupt erst entsteht. Gerade bei Kindern besteht häufig trotz der Sensibilisierung eine Toleranz. Wenn das betreffende Nahrungsmittel dann gemieden wird, kann diese Toleranz verschwinden und eine Allergie kann entstehen. Man sieht es in der Praxis nicht selten, dass eine Allergie durch die Karenz erst hervorgerufen wird. Die wichtigste Frage des Arztes ist also: Was wurde in den letzten Wochen gegessen und vertragen und all dies darf nicht getestet werden.

Und: Patienten die positiv auf bestimmte Nahrungsmittel getestet wurden, keine Symptome haben und jetzt verunsichert sind, sollten eine qualifizierte Ernährungsberatung aufzusuchen oder sich an ein spezialisiertes Allergiezentrum zu wenden.

Man forscht zurzeit an Therapiemöglichkeiten für Patienten mit Nahrungsmittelallergien, welche Möglichkeiten gibt es aktuell?

Zurzeit gibt es noch keine Therapie für Menschen mit Nahrungsmittelallergien. Es wird jedoch intensiv geforscht, z.B. zur oralen Immuntherapie bei Erdnussallergie und das bereits in einer weltweiten Phase III-Studie zu einem konkreten Medikament. Sollten die Ergebnisse der Studie positiv sein, wird diese Therapieoption zukünftig zu Verfügung stehen. Auch ein weiteres Unternehmen forscht an einer Therapie der Erdnussallergie.

Außerdem wird zurzeit weltweit an einer epikutanen Immuntherapie, d.h. eine Pflaster-Immuntherapie zur Behandlung der Erdnussallergie geforscht, an der auch wir teilnehmen. Hierfür werden den Studienteilnehmern täglich Pflaster, die Erdnussproteine enthalten, am Rücken angebracht. In Vorstudien konnte man nachweisen, dass sich das Immunsystem durch das Pflaster an das Erdnussprotein gewöhnt und die Toleranzschwelle steigt, proportional zur Dauer der Therapie. In die Studie wurden dementsprechend hochallergene Kinder eingeschlossen, die bereits auf Spuren des Erdnussallergens reagieren. Der Abschluss der Studie ist für Ende 2017 geplant, und wenn die Ergebnisse positiv sind, könnte ab 2018 bzw. 2019 eine Therapie zur Verfügung stehen.  

Welche Rolle spielt die molekulare Allergiediagnostik bei bestehenden und neuen allergenspezifischen Immuntherapien?

Man hat gesehen, dass Kinder mit niedrigeren IgE-Werten, d.h. schwächeren Sensibilisierungen eine höhere Chance haben, dass die allergenspezifische Immuntherapie erfolgreich ist. Einen Marker, d.h. eine weitergehende Differenzierung, kennt man jedoch noch nicht. Ebenfalls ist bekannt, dass die Hyposensibilisierung bei kleinen Kindern, die noch nicht so lange erkrankt sind, deutlich besser wirkt, als bei Erwachsenen. Die molekulare Allergiediagnostik hat insofern einen Einfluss, als sie dazu beitragen kann, klinisch relevante Sensibilisierungen exakter zu diagnostizieren und so eine frühere und damit erfolgreichere allergenspezifische Immuntherapie zu ermöglichen.  

Herr Dr. Lange, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Quellen:

1)    Mastrorilli C, Tripodi S, Caffarelli C, Perna S, Di Rienzo-Businco A, Sfika I, Asero R, Dondi A, Bianchi A, Povesi Dascola C, Ricci G, Cipriani F, Maiello N, Miraglia Del Giudice M, Frediani T, Frediani S, Macrì F, Pistoletti C, Dello Iacono I, Patria MF, Varin E, Peroni D, Comberiati P, Chini L, Moschese V, Lucarelli S, Bernardini R, Pingitore G, Pelosi U, Olcese R, Moretti M, Cirisano A, Faggian D, Travaglini A, Plebani M, Verga MC, Calvani M, Giordani P, Matricardi PM; Italian Pediatric Allergy Network (I-PAN), Endotypes of pollen-food syndrome in children with seasonal allergic rhinoconjunctivitis: a molecular classification, Allergy. 2016 Aug;71(8):1181-91. doi: 10.1111/all.12888. Epub 2016 May 6

2)    Ballmer-Weber BK. Kutane Symptome nach Genuss pollenassoziierter Nahrungsmittel. Der Hautarzt 57(2):108-115

3)    Asarnoj A, Hamsten C, Lupinek C, Melén E, Andersson N, Anto JM, Bousquet J, Valenta R, van Hage M, Wickman M; MeDALL Consortium. Prediction of peanut allergy in adolescence by early childhood storage protein-specific IgE signatures: The BAMSE population-based birth cohort. J Allergy Clin Immunol. 2017 doi: 10.1016/j.jaci.2016.12.973

4)    Posa D, Perna S, Resch Y, Lupinek C, Panetta V, Hofmaier S, Rohrbach A, Hatzler L, Grabenhenrich L, Tsilochristou O, Chen KW, Bauer CP, Hoffman U, Forster J, Zepp F, Schuster A, Wahn U, Keil T, Lau S, Vrtala S, Valenta R, Matricardi PM. Evolution and predictive value of IgE responses toward a comprehensive panel of house dust mite allergens during the first 2 decades of life. J Allergy Clin Immunol. 2017 Feb;139(2):541-549.e8. doi: 10.1016/j.jaci.2016.08.014

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