Lebensmittelbetrug

Dr. Andreas Kliemant, Koordinator der deutschen OPSON-Operation beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin zu Lebensmittelbetrug! (Foto: BVL)

Lebensmittelbetrug – denn sie wissen nicht, was sie essen! - Welche Verantwortung kommt bei diesen Themen eigentlich dem Handel zu?

Welche Verantwortung kommt bei diesen Themen eigentlich dem Handel zu?

Neben dem Verbraucher sind die Hersteller wie auch der Handel die Geschädigten von Lebensmittelbetrug und haben ein starkes Interesse daran, gefälschte Lebensmittel bzw. gefälschte Rohwaren zur Herstellung von Lebensmitteln zu identifizieren. Nicht zufällig nehmen auch namhafte, weltweit operierende Hersteller und Wirtschaftsverbände an den OPSON-Operationen teil und investieren jährlich große Summen, um das Originalerzeugnis vor nachgemachten Produkten zu schützen. Dazu gehören die Qualitätskontrolle beim Herstellungsprozess und aufwendige, schwer zu fälschende Verpackungen genauso wie Systeme der Qualitätssicherung und Rückverfolgbarkeit. Für alle diese Maßnahmen gibt es in der EU entsprechende Rechtsgrundlagen.

Gerade bei Nuss-Erzeugnissen können Verunreinigungen für Nussallergiker verheerende Folgen haben. Wie können sich diese Personen und die Verbraucher generell vor verunreinigten Nahrungsmitteln schützen?

Grundsätzlich sollte der Verbraucher beim Händler seines Vertrauens einkaufen. Da Lebensmittelbetrug unabhängig vom Preisschild funktioniert, ist man weder durch den Griff zum teuren Produkt geschützt, noch bei einem preiswerten Erzeugnis besonders gefährdet. Allerdings sollte jedem bewusst sein, dass Qualität auch ihren Preis hat. Bei Markenerzeugnissen bzw. Produkten einer bestimmten Qualitätsklasse wie Nativem Olivenöl Extra, die zu Preisen deutlich unter dem marktüblichen Niveau angeboten werden, ist Vorsicht angezeigt.

Welche Konsequenzen werden aus Ihren Ermittlungen auf politischer Ebene oder juristisch gezogen?

Die Ermittlungsergebnisse aus den 61 an OPSON VI teilgenommenen Staaten geben einen Eindruck über die große Vielfalt und den wirtschaftlichen Schaden, den Lebensmittelbetrug weltweit anrichtet. Da nach Einschätzung von Europol der Einfluss der organisierten Kriminalität in den letzten Jahren zugenommen hat, verwundert es nicht, dass gefälschte Waren inklusive gefälschter Lebensmittel zu einer von neun der wichtigsten Kriminalitätskategorien gehören, deren Bekämpfung mit Priorität vorangetrieben wird. Da Lebensmittelbetrug eine Straftat sein kann, ist das Strafmaß in Deutschland im Strafgesetzbuch (StGB) festgelegt. Gemäß § 263 StGB sind Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen vorgesehen. Bei gewerbsmäßig organisiertem Betrug ist das Strafmaß verstärkt und kann mit Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft werden.

Wie ist abschließend Ihre Einschätzung: Wird die Panscherei bei Lebensmitteln weiter zunehmen oder wird sie eher zurückgehen?

Mit Blick auf das Motto „Gegessen wird immer“ bleiben Lebensmittel ein attraktives Ziel für Lebensmittelfälscher.

Herr Dr. Kliemant, herzlichen Dank für dieses Interview!

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