Lebensmittelbetrug

Dr. Andreas Kliemant, Koordinator der deutschen OPSON-Operation beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin zu Lebensmittelbetrug! (Foto: BVL)

Lebensmittelbetrug – denn sie wissen nicht, was sie essen! - Gibt es beim Lebensmittelbetrug Schwerpunkte in Bezug auf die Herkunftsländer?

Gibt es beim Lebensmittelbetrug Schwerpunkte in Bezug auf die Herkunftsländer?

Schwerpunkte in Bezug auf die Herkunftsländer gibt es im Hinblick auf bestimmte Hauptproduktionsländer, wie Olivenölfälschungen aus Italien oder gefälschter Honig aus China zeigen. Das heißt nicht in jedem Fall, dass auch die Fälschung in diesen Staaten erfolgt.

Mit welchen Gewinnspannen operieren die Lebensmittelbetrüger und wieso lohnen sich solch lange Transportwege?

Lebensmittelbetrug ist häufig sehr komplex. Selbst scheinbar geringe Preisunterschiede bei den Rohwaren werden für Fälscher zu einem Gewinn, wenn das zu fälschende Erzeugnis beispielsweise nur zu Teilen durch preiswertere Rohwaren ersetzt wird. Die Gewinnspannen richten sich nach der umgesetzten Menge, die bei einem global gehandelten Lebensmittel eines großen Markenherstellers sehr groß sein kann. Gewinne im Centbereich pro Stück summieren sich dann schnell zu Millionengewinnen. Aber es gibt auch Fälle wie Fälschungen von nativem rotem Palmöl, wo die Gewinnspanne bei zehn Dollar pro gefälschtem Liter liegt, wobei der Warenwert der von den Fälschern verwendeten Rohwaren bei unter einem Dollar liegt. Die Kosten der Transportwege spielen in den allermeisten Fällen eine untergeordnete Rolle bzw. sind einfach mit einkalkuliert.

Heißt das, die Fälschung von Lebensmitteln hat mit der zunehmenden Massenproduktion bzw. durch den internationalen Handel an Attraktivität gewonnen?

Lebensmittel, die in großer Stückzahl produziert und weltweit gehandelt werden, sind wegen der zu erwartenden großen Gewinne besonders für die organisierte Kriminalität interessant. Wer in dieser Liga mitspielen will, ist nicht auf die schnelle Mark aus, sondern investiert langfristig in professionelle Herstellungstechnologie, Personal und Logistik. Hinter diesem Handeln steckt ausschließlich Profitgier, die Produktions- und Handelsstrukturen in unserer globalisierten Welt sind dafür nicht verantwortlich.

Kann man sagen, ob Lebensmittelbetrug zunimmt, bzw. gibt es im Hinblick auf Lebensmittelbetrug Unterschiede zu früher?

Betrug mit Lebensmitteln gibt es wahrscheinlich schon so lange, wie mit Lebensmitteln gehandelt wird. Das Phänomen Lebensmittelbetrug in unserer Zeit zeichnet sich dadurch aus, dass viele Fälschungen angefangen beim Inhalt über die Verpackung bis hin zum Etikett dem Original täuschend ähnlich hergestellt werden und somit schwer zu entdecken sind. Oft ist die veränderte Zusammensetzung nur durch aufwendige Analytik nachweisbar.

Hinzu kommen so dreiste Fälschungen wie mit Chlorophyll gefärbtes Rapsöl, welches als Olivenöl verkauft wird. Hier trifft Kriminalität auf Kreativität. Zwischen Fälschen und Aufgedeckt werden besteht ein Wettlauf. Denn die in den letzten Jahren zu beobachtende Zunahme an Lebensmittelfälschungen geht einher mit einer Zunahme der Maßnahmen zur Bekämpfung von Lebensmittelbetrug, wovon OPSON nur eine ist.

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