VAEM Bauchbeschwerden

Martin Reitberger, Vorstand des VAEM zur Arbeit des Vereins!

VAEM: Hilfe für Patienten mit ungeklärten Bauchbeschwerden!

Wie geht der VAEM konkret vor bei der Umsetzung seiner Ziele, wo liegen die Problemfelder und was soll erreicht werden?

In erster Linie informieren wir, sehen uns als Schnittstelle zwischen Ärzten und Patienten und unterstützen Betroffene persönlich und direkt.

Da Allergologie, insbesondere die der Nahrungsmittelallergien- und -unverträglichkeiten, nicht an allen Hochschulen Pflichtfach sind, gibt es hier in der Medizinerausbildung eine Lücke. Dies ist umso gravierender, als man Allergien und Unverträglichkeiten als die Erkrankung des 21. Jahrhunderts aufgrund eines deutlichen Zuwachses an Erkrankten bezeichnen könnte. Wir wissen z.B. aus unserem Datenregister, dass die Anzahl der Patienten mit der gesicherten Diagnose einer Nahrungsmittelallergie in den Endoskopieabteilungen um ca. das fünffache in den letzten beiden Jahrzehnten angestiegen ist. Hier brauchen wir nur auf die deutliche Zunahme der eosinophilen Ösophagitis zu schauen, aber ähnliche Entwicklungen gibt es auch bei den mikroskopischen Colitiden oder bei Patienten mit Mastzellakkumulation beim Reizdarm.

Es herrscht weitgehende Unkenntnis aber auch Uneinigkeit bei Ärzten, Krankenkassen und dem MDK über speziellen Diagnose- und Behandlungsverfahren. Wenig bewusst ist man sich auch oft  über die teils erheblichen physischen Belastungen und den daraus folgenden psychischen und psychosozialen Leidensdruck und die damit gegebenen Einbußen der Lebensqualität. Aus unserer Erfahrung wird nach wie vor die überwiegende Zahl dieser Patienten a priori als psychosomatisch eingestuft, damit fehldiagnostiziert und so der richtigen Diagnostik entzogen. Wir sehen wahrscheinlich derzeit nur eine kleine Spitze des immens großen Patientenkreises, der richtig diagnostiziert wird, während ein großer Teil an Personen unterdiagnostiziert oder nur unzureichend ärztlich versorgt ist.

Dazu werden einige der nun entscheidenden Diagnose- und Behandlungsmethoden gar nicht oder nicht kostendeckend vergütet. Im Bereich der GKV (Gesetzlichen Krankenversicherung) gibt es kaum spezielle Sprechstunden für dieses Krankheitsbild und wenn, dann mit extrem langen Wartezeiten und begrenzten Möglichkeiten der Allergiediagnostik. Eine adäquate Behandlung im Rahmen der GKV ist so kaum möglich.

Welche Forderungen stellt der VAEM konkret?

Der Verein fordert, dass die speziellen Verfahren von Versicherern anerkannt und ausreichend Mittel von der Politik zur Verfügung gestellt werden, um endlich konkrete Hilfe anbieten zu können.

Zudem ist auch ein hohes Maß an Selbstmanagement des Patienten erforderlich: Die Suche im Internet führt, auch für Ärzte, oftmals zu verwirrenden und teils falschen Informationen, es gibt zu wenige zertifizierte Webseiten. Als Gemeinschaft und Verein wollen wir daher aufmerksam machen, dass dieses Thema in der Politik und bei den Krankenkassen (noch) zu wenig beachtet wird und zu viele Patienten alleine gelassen werden.

Hier drängt der VAEM, dass der Gesetzgeber mehr Hilfe anbietet und mehr Finanzmittel für dieses komplexe Krankheitsbild bereitstellt. Auf unserer Ebene sind wir ständig auf der Suche nach Sponsoren, die tatsächlich am Fortgang der klinischen Allergieforschung am Menschen Interesse haben und nicht nur an der Vermarktung eines (ihres) Produktes interessiert sind. Unsere wissenschaftlichen Beiräte haben hierzu auch einige grundlagenorientierte Forschungsansätze, die wir verfolgen, z.B. die Diagnose des Leaky Gut Syndroms mit Endoskopie, Probiotikastudien bei Nahrungsmittelallergien, Hemmung von aktivierten Mastzellen etc..

 

Wie finanziert sich der VAEM aktuell?

Der Verein finanziert sich durch die Mitgliedsbeiträge und durch Spendengelder. Hier ist unser großes Ziel die Schaffung einer Arztstelle mit einem speziell ausgebildeten Mediziner. Zunächst ist eine Arztstelle in Bayern geplant. Weitere können deutschlandweit folgen. Dabei ist die bessere und integrative Patientenversorgung eines unserer großen Anliegen. Wir haben ein Spendenkonto und jeder hat auch die Möglichkeit durch eine Spendenhotline (Tel.Nr.: 09001 - 303031) zu spenden. Hier werden die Spenden unkompliziert über die Telefonrechnung abgewickelt. Mehr Informationen finden Sie unter: www.vaem.eu.

Um unsere Mission und Ziele nachhaltig verwirklichen zu können, haben wir ein kompetentes Vorstandsteam, das jederzeit für die Fragen und Belange unserer Mitglieder da ist. Diese setzen sich aus ehrenamtlichen Medizinern und Betroffenen zusammen. Interessierte können  uns ihre Fragen per E-Mail an info@vaem.eu zusenden. Unsere Hilfe ist, abgesehen vom Mitgliedsbeitrag, kostenfrei und neutral. Wir freuen uns aber über jede Spende, da jede Bearbeitung von speziellen Patientenanfragen sehr viel Zeit, Sachkompetenz und Eindenken in das spezifische Problem des Fragenden erfordert.

Bei spezifischen Forschungsfragen nehmen wir auch Projekte von anderen Institutionen und der Industrie entgegen und führen diese innerhalb unseres Vereins durch. Darüber können auch Forschungsgelder eingeworben werden, die Mitglieder sind an aktuellen Studien beteiligt und die Ergebnisse oft sehr schnell zu erhalten, z.B. Vitamin C Studie 2013, Dr. med. Hagel

Herr Reitberger, herzlichen Dank für dieses Interview!

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