Schluckbeschwerden Allergie Eosinophile Ösophagitis

Prof. Dr. med. Alex Straumann zu Schluckbeschwerden durch Allergie und die Erkrankung Eosinophile Ösophagitis (EoE)!

Schluckbeschwerden durch Allergie? Eosinophile Ösophagitis?

Wie stellt man die Diagnose einer Eosinophilen Ösophagitis?

Die Diagnose einer EoE wird mittels präziser Anamnese und Endoskopie der Speiseröhre mit Entnahme von Gewebsproben (Biopsien) gestellt. Man sieht dann, ob das typische Muster der EoE vorhanden ist, oder ob ein anderer Grund vorliegt. Im Zuge der Endoskopie werden mehrere Biopsien entnommen, welche dann feingeweblich untersucht werden.   

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für die Eosinophile Ösophagitis?

Die Therapie-Prinzipien der EoE kann man in den folgenden drei D‘s  - „Diets, Drugs, Dilation“ - zusammenfassen.  

Zu den „Diäten“:

Kann man die auslösenden Speisen identifizieren, was leider momentan noch recht aufwändig ist, gelingt es durch Elimination der allergisierenden Nahrungsmittel die EoE in Remission zu bringen.

Bei der klassischen „6-Foods Elimination Diet“ werden die sechs Nahrungsmittel-Kategorien, welche am häufigsten Allergien auslösen, aus dem Speiseplan des Patienten gestrichen. Es handelt sich dabei um:

•    Milchprodukte

•    Weizen oder Gluten

•    Eierspeisen

•    Nüsse

•    Soja

•    Meeresfrüchte

Ein Patient kann dabei auf eines oder aber leider auch auf mehrere dieser Nahrungsmittel allergisch sein. Etwa 70 Prozent der Patienten, die diese Diät konsequent einhalten, sind nach sechs Wochen in Remission, d.h. die Krankheitssymptome und die Entzündung gehen zurück. Danach beginnt man Schritt für Schritt mit einem kontrollierten Kostaufbau, d.h. mit der Wiedereinführung  der Nahrungsmittelgruppen und beobachtet, ob es erneut zu Symptomen kommt. Diese Methode ist aufwändig und teuer, denn man muss nach jeder neuen Speiseeinführung mittels Anamnese und Endoskopie evaluieren, ob es zu einem Rückfall gekommen ist. Außerdem muss der Patient absolut kooperativ sein mit der Einhaltung der Diät und das ist weil mehrere Grundnahrungsmittel betroffen sind, ausgesprochen schwierig.

Alternativ zur klassischen „6-Food-Elimination-Diet“ mit dem „Step-Down“ Prinzip bevorzuge ich eine sogenannte „Step-Up“ Methode. Wir wissen nämlich aus Studien, dass Milchprodukte in etwa 40 Prozent der Fälle die Schluckbeschwerden verursachen. Deshalb beginne ich nicht mit einer Diät, die sämtliche potenziell allergenen Nahrungsmittel ausschließt, sondern mit dem häufigsten Allergen, den Milchprodukten.

Der Patient wird zuerst durch eine Diätberatung instruiert, wie er sich absolut frei von Milchprodukten ernähren kann und muss diese Diät idealerweise drei Monate strikt einhalten. Anschließend ziehen wir Bilanz, d.h. wir vergleichen „Aufwand und Ertrag“ und benötigen dazu auch eine Endoskopie. Hat sich die EoE verbessert, kann der Patient selbst entscheiden, ob er die milchfreie Diät weiterführen, oder ob er lieber ein Medikament nehmen möchte. Ob beim Versagen dieser sogenannten „1-Food-Elimination-Diet“ anschliessend noch ein zweites Nahrungsmittel getestet werden soll, kann der Patient selbst entscheiden.

Zu den „Drugs“ (Medikamenten):

Wie beim allergischen Asthma therapiert man die EoE mit rein örtlich wirksamen Kortisonpräparaten wie z.B. Fluticasone, Budesonide, Ciclesonide, Mometasone. Diese Medikamente werden dann aber nicht inhaliert, sondern geschluckt und entfalten ihre Wirkung rein lokal direkt auf der Speiseröhrenoberfläche. Sie haben deshalb keine Kortison-Nebenwirkungen was wichtig ist, denn die EoE muss über längere Zeit behandelt werden und das wäre mit den konventionellen Kortison-Präparaten wegen den Nebenwirkungen nicht zu verantworten. Mit diesen Medikamenten erreicht man bei etwa 70 Prozent der EoE-Patienten eine Remission, sprich Beschwerdefreiheit. In Bälde werden topische Kortison-Präparate in einer Art „Lutsch-Tablette“ zur Verfügung stehen, welche speziell zur Behandlung der EoE entwickelt wurden.

Zur „Dilatation“:

Unbehandelt führt eine eosinophile Entzündung zur Bildung von Narbengewebe mit Wandverdickung und Wandstarre der Speiseröhre, oftmals sogar zur massiven Entstellungen. Falls eine erhebliche Engstellung vorliegt und diese nicht in kurzer Zeit auf eine anti-entzündliche Therapie anspricht, kann eine Dilatation die Beschwerden massiv verbessern. Allerdings wird durch diesen mechanischen Eingriff die Entzündung nicht beeinflusst, sodass die Patienten trotzdem Medikamente oder Diäten benötigen.

Abschliessend möchte ich noch erwähnen, dass die Therapie der EoE recht komplex sein kann, oftmals interdisziplinär vorzugehen ist, und sich zudem die Therapiemöglichkeiten rasch erweitern. Aus diesen Gründen ist es oftmals zu empfehlen sich an ein spezielles Kompetenz-Zentrum zu wenden. Die folgende Website der EURopean society of Eosinophilic OeSophagitis EUREOS, kann dabei hilfreich sein: http://eureos.online/.

Herr Prof. Straumann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1) Schoepfer AM, Safroneeva E, Bussmann C, Kuchen T, Portmann S, Simon HU, Straumann A. Delay in diagnosis of Eosinophilic Esophagitis increases risk for stricture formation in a time-dependent manner. Gastroenterology 2013;145:1230-1236.

2) Ref. Straumann A, Conus S, Degen L, Frei C, Bussmann Ch, Beglinger Ch, Schoepfer A, Simon HU. Long-term Budesonide maintenance treatment is partially effective for patients with eosinophilic esophagitis. Clin Gastroenterol Hepatol 2011;9:400-409.

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