Schluckbeschwerden Allergie Eosinophile Ösophagitis

Prof. Dr. med. Alex Straumann zu Schluckbeschwerden durch Allergie und die Erkrankung Eosinophile Ösophagitis (EoE)!

Schluckbeschwerden durch Allergie? Eosinophile Ösophagitis?

Gibt es Risikofaktoren für Schluckbeschwerden bzw. eine eosinophile Ösophagitis?

Es gibt mehrere Faktoren, die das Risiko, an einer EoE zu erkranken, erhöhen. Grundsätzlich sind Männer von Schluckbeschwerden bzw. der eosinophilen Ösophagitis deutlich stärker betroffen als Frauen. 75 Prozent der EoE-Patienten sind Männer, nur 25 Prozent sind Frauen, das ist genetisch bedingt.

Ebenfalls ein höheres Risiko für Schluckbeschwerden findet man bei Menschen, die mit allergischen Krankheiten vorbelastet sind. Etwa 70 Prozent der EoE-Patienten haben bereits Allergien, wenn sie mit einer Eosinophilen Ösophagitis diagnostiziert werden. Bei Kindern bestehen häufig Nahrungsmittel-Allergien, bei Erwachsenen überwiegen die Atemwegs-Allergien, wie die allergische Rhinokonjunktivitis oder Asthma.

Es gibt auch eine erbliche Komponente bei der Eosinophilen Ösophagitis. Wenn eine Frau an EoE erkrankt ist, liegt das Risiko, dass eines ihrer Kinder ebenfalls eine EoE entwickelt, bei 40 Prozent – bei Männern ist es viel kleiner.

Weiter gibt es bei der EoE ein auffallendes Phänomen, das sich sowohl in Europa, als auch in den USA zeigt und wofür es noch keinerlei Erklärung gibt: Ein Großteil der EoE-Patienten ist sehr gut ausgebildet. Viele Patienten sind Akademiker, Studenten oder kommen aus Akademikerfamilien. Man kann sagen, dass von 10 Patienten mit eosinophiler Ösophagitis, 7 einen Hochschulabschluss haben bzw. in leitenden Positionen tätig sind.

Zur Altersverteilung: Die EoE kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten, aber die Spitze der Erkrankungen findet man bei Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren.

Zusammenfassend kann man sagen: Der typische EoE-Patient ist ein jüngerer Mann und oft Student an einer Hochschule. Er hat eine allergische Rhinokonjunktivitis, treibt Sport und ist prinzipiell leistungsfähig, hat aber Schluckbeschwerden.

Bis jetzt hat noch kein EoE-Patient ein Ösophagus-Karzinom entwickelt, allerdings beobachtet man die Erkrankung noch nicht lange genug, um definitiv Entwarnung geben zu können. Nach gestellter Diagnose und eingeleiteter Therapie sollte deshalb eine jährliche Kontrolle erfolgen.

 

Kennt man die Ursachen für die Erkrankung eosinophile Ösophagitis?

Lange wussten wir bei der EoE nicht, ob es sich um eine Autoimmunerkrankung  handelte, d.h. ob es einen internen Auslöser, eine gestörte Regulation des Immunsystems, wie z.B. bei der Polyarthritis oder bei Morbus Crohn, gab, oder ob externe Auslöser eine Rolle spielen, wie bei einer Allergie. Seit etwa zwei Jahren liegen uns ausreichend Daten vor, um sagen zu können, dass wir es hier mit einer Allergie zu tun haben. Die EoE ist eine ganz spezielle Form einer Nahrungsmittelallergie, eine nicht IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie.

Zur Ursache von Allergien, und alle Allergien nehmen zu, gibt es verschiedenen Hypothesen und eine davon ist die Hygienehypothese. Letztlich ist noch nicht bewiesen, welches die Ursachen für die Zunahme allergischer Erkrankungen sind, aber die Art und Weise der zunehmenden Verbreitung der EoE entspricht dem Verbreitungsweg der Allergien in den industrialisierten Ländern.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die folgende Beobachtung: Es wurden mehrere Fälle von Patienten beschrieben, die im Rahmen einer sublingualen Immuntherapie (SLIT) gegen Pollenallergien eine EoE entwickelt haben. Das Allergen kommt bei der sublingualen Immuntherapie in sehr intensiven Kontakt mit dem Ösophagus. Bei den meisten Patienten war die EoE allerdings reversibel.

Sie sagten, dass Schluckbeschwerden bzw. die Eosinophile Ösophagitis häufiger bei Allergikern auftreten, ist sie dennoch eine eigenständige allergische Erkrankung?

Ja, die Eosinophile Ösophagitis ist eine eigenständige allergische Erkrankung, die über andere Mechanismen abläuft als IgE-vermittelte Allergen.

Ein Beispiel: Beim oralen Allergiesyndrom, einer IgE-vermittelten Allergie, kann zum Beispiel der Kontakt  der Mundschleimhaut mit Baum-Nuss akut zu Symptomen wie dem Anschwellen der Mundschleimheut und einem Engegefühl in Mund und Rachen führen. Dabei handelt es sich um eine allergische Sofortreaktion von Typ I und im Blut des Patienten kann man spezifisches IgE auf Baum-Nüsse nachweisen. Ebenso ist eine Pollenallergie, bei der die Patienten auf den Pollenflug ihres Allergenes sofort mit Nießen, Nase laufen und Juckreiz reagieren eine typische IgE-vermittelte Allergie. Bei den IgE-vermittelten Allergien lassen sich die Auslöser oftmals mit den klassischen Allergie-Tests nachweisen.

Bei der EoE kommen andere Mechanismen zum Tragen, die wir noch nicht vollständig verstehen. Die Immunglobuline der Klasse IgE scheinen nicht von zentraler Bedeutung zu sein. Wir sehen aber, dass bei denEoE- Patienten die Immunglobuline der Klasse IgG4 in Serum und Gewebe, massiv erhöht sind, aber wir kennen die Bedeutung noch nicht genau. Man bezeichnet die EoE deshalb als IgG4-assoziierte Allergie.

Mit den klassischen IgE-Allergietestungen lässt sich die EoE nicht nachweisen und aus diesem Grund fehlt uns aktuell noch die Möglichkeit zu definieren, auf welches Nahrungsmittel die EoE-Patienten allergisch reagieren. Es ist noch sehr viel Forschungsarbeit nötig, um die Mechanismen der EoE besser zu verstehen, letztendlich würde man einen Test auf nahrungsspezifisches IgG4 benötigen.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.