Aspartam: Ist das gefährlich für den Darm?
Wer Kalorien sparen will und Light-Produkte konsumiert hat oft auch schon „Aspartam“ auf den jeweiligen Zutatenlisten entdeckt. Aspartam kommt aber auch in vielen Fertigprodukten vor, die nicht als kalorienarm angepriesen werden. Angesichts zunehmender Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes haben sich Forscher deshalb die Frage gestellt, ob Aspartam eine mögliche Ursache sein könnte. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis, Universität Zürich und Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF) über die Ergebnisse seiner Studie und ob Aspartam gefährlich für den Darm sein könnte.

Autor: Sabine Jossé
Interviewpartner: Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis
Herr Prof. Akdis, was ist Aspartam?
Aspartam ist ein Süßstoff, der seit den 1980er Jahren häufig als Zuckerersatz eingesetzt wird. Es ist 200-mal süßer als Saccharose und gilt als kalorienarme Zucker-Alternative. Reines Aspartam wird deshalb in der Lebensmittelindustrie sehr gerne in allen Arten von Fertigprodukten, Süßigkeiten und Getränken verwendet. Zum einen erreichen Hersteller mit Aspartam den gleichen Süßegrad wie Zucker mit deutlich geringeren Mengen. Zum anderen läßt sich mit Aspartam der Kaloriengehalt der Produkte reduzieren, weshalb Aspartam gerne in Light-Produkten eingesetzt wird.
Wo ist Aspartam enthalten?
Zunächst ist reines Aspartam als Tafelsüße in Form von Tabletten, Pulver oder flüssig für den Hausgebrauch im Handel erhältlich. Die Lebensmittelindustrie setzt Aspartam aber auch in sehr vielen Produkten ein.
Aspartam ist enthalten in:
- Kakao- und Schokolade
- Süßigkeiten
- Kaugummi
- Milch, Joghurt, Quark etc. mit Aroma
- Eiscreme
- Obst und Gemüse als Konserve etc.
- Nahrungsergänzungsmitteln, auch für Säuglinge und Kleinkinder
- Getränken mit Aroma und Süßungsmitteln
- Alkohol (alkoholfrei und alkoholarm)
Woran erkennt man Aspartam auf der Zutatenliste?
Auf Zutatenlisten wird Aspartam oft mit E 951 bezeichnet. Eine Verbindung aus Aspartam und dem Süßstoff Acesulfam K würde man als Aspartam-Acesulfam-Salz (E 962) auf einer Zutatenliste finden. Aber: Produkte, die mit Aspartam gesüßt sind, müssen auf dem Etikett den Hinweis „enthält Phenylalanin“ tragen.
Woraus besteht Aspartam?
Aspartam wird künstlich hergestellt und besteht aus den Aminosäuren Phenylalanin und Asparaginsäure, die über eine Methylgruppe verbunden sind. Allerdings muss man auch berücksichtigen, wie Aspartam vom Körper verarbeitet wird.
Wie wird Aspartam im Körper verarbeitet?
Aspartam wird im menschlichen Magen-Darm-Trakt vollständig zu Methanol, Phenylalanin und Asparaginsäure abgebaut. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Aspartam als Tafelsüße, in industriell hergestellten Lebensmitteln oder in Getränken zu sich nimmt. Man sollte also auch berücksichtigen, wie sich diese Aspartam-Abbauprodukte auf den Körper auswirken.
Ist Aspartam ungesund oder gar schädlich?
Zu der Frage, ob Aspartam schädlich ist, haben am 14. Juli 2023 drei renommierte Institutionen Stellung bezogen und Aspartam sogar als „krebserregend“ bezeichnet:
1. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC)
2. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
3. Der Gemeinsame Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO)
Gemeinsam haben sie Aspartam als „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ eingestuft, insbesondere im Hinblick auf Leberzellkarzinome. Dies ist das erste Mal, dass ein halbunabhängiger Ausschuss der WHO einen künstlichen Süßstoff als gefährlich bewertet hat. Aspartam hat aber nicht nur möglicherweise krebserregende Eigenschaften.
Dazu sollte man wissen: Für die Lebensmittelindustrie gibt es Vorgaben zur Aspartam-Höchstmenge, also dazu, wieviel Aspartam maximal in Lebensmitteln enthalten sein darf.
Wieviel Aspartam darf in Lebensmitteln enthalten sein?
Wieviel Aspartam in Lebensmitteln enthalten sein darf unterscheidet sich, je nachdem, ob man sich an der EU oder an den USA orientiert.
Gemäß der Verordnung der EU-Kommission beträgt der maximal zulässige Gehalt an Aspartam für verschiedene Lebensmittel- und Getränkekategorien 6 mg/g (mg/ml). Allerdings zeigen die von Herstellern bereitgestellten Daten, dass Tafelsüßstoffe in Pulver-, Tabletten- oder flüssiger Form bis zu 500 mg/ml (mg/g) Aspartam enthalten können.
In den USA hält die Food and Drug Administration (FDA) Aspartam bei Einhaltung der „Guten Herstellungspraxis (GMP)“ als Süßungsmittel und Geschmacksverstärker in Lebensmitteln für unbedenklich. Daher legt die FDA keine generelle Beschränkung für die Verwendung von Aspartam in Lebensmitteln fest. Allein für Backwaren gibt es in den USA eine Beschränkung für den Einsatz von Aspartam. Laut FDA darf der Aspartamgehalt in Backwaren oder Backmischungen 0,5 Prozent des Gesamtgewichts des Produkts nicht überschreiten, weder in der backfertigen Form noch in Backmischungen.
Wie wurde ermittelt, wieviel Aspartam man höchstens täglich essen darf?
Die akzeptable tägliche Aufnahmemenge für Aspartam wurde, basierend auf Tierstudien, auf 40 mg/kg Körpergewicht festgelegt.
Sie haben untersucht, wie sich Aspartam auf den Darm auswirkt, wie sind Sie dabei vorgegangen?
Wir haben die Frage, wie sich Aspartam auf den Darm auswirkt, unter anderem an sogenannten Darmoganoiden in einem sehr komplexen Verfahren untersucht. Darmorganoide sind humane Zellmodelle für gastrointestinale Epithelzellen. Dafür wurden Dosierungen zwischen 1 und 5 mg/ml eingesetzt, was dem in der EU vorgeschriebenen maximalen Aspartamgehalt entspricht. Allerdings: Für den täglichen Gebrauch von Tafelsüßstoffen gibt es, wie gesagt, keine maximal zulässige Menge. Das bedeutet, man nimmt als Verbraucher durch das Süßen von Getränken wie Kaffee, Tee, Backwaren, etc. deutlich höhere Dosen zu sich.
Wie gefährlich ist Aspartam für die Gesundheit, welche Nebenwirkungen sind möglich?
Unsere Studien zu Aspartam haben unter anderem gezeigt:
- Aspartam schädigt gastrointestinale Zellen: Bei einer Dosierung von 0,625 bis 10 mg/ml wirkt Aspartam zytotoxisch bzw. zellschädigend.
- Aspartam schädigt die Epithelbarriere: Die Tight Junctions werden geschwächt, es entsteht ein Leaky Gut.
- Aspartam löst Entzündungen aus: Es werden proinflammatorischer Zytokine in gastrointestinalen Epithelzellen freigesetzt.
- Aspartam verursacht Schrumpfung und Lumenverlust, das heißt dass Aspartam Gewebe schädigen, Zellen abtöten und Gefäße verengen kann.
- Aspartam unterdrückt DNA-Reparaturmechanismen.
Was bedeuten die Ergebnisse Ihrer Studie für den Umgang mit Aspartam?
Insgesamt deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass Aspartam in üblicherweise konsumierten Mengen durchaus schädlich ist. Insbesondere in kalorienarmen Light-Produkten oder Zero-Calorie-Produkten ist oft Aspartam enthalten. Wenn man sich bevorzugt von solchen Produkten ernährt, können hohe Dosen an Aspartam zusammenkommen. Wie wir zeigen konnten, führen aber bereits sehr niedrige Aspartam-Dosierungen in gastrointestinalen Epithelzellen zu zellulärem Stress, Entzündungen und Schäden an der Epithelbarriere. Diese Ergebnisse unterstreichen die biologische Relevanz unserer Studie und geben Anlass zur Sorge, dass die tägliche Aufnahme von Aspartam über die Nahrung bisher unterschätzte Risiken für die Darmgesundheit bergen könnte. Damit könnte Aspartam bisher unterschätzte Risiken für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) und die allgemeine Barrierefunktion des Körpers darstellen.
Herr Prof. Akdis, herzlichen Dank für dieses Interview!

Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis ist Direktor des Schweizerischen Instituts für Allergie- und
Asthmaforschung (SIAF) in Davos und Ordentlicher Professor der Medizinischen Fakultät an der Universität Zürich. Prof. Akdis‘ Forschungstätigkeiten konzentrieren sich auf die Mechanismen der Immunantwort beim
Menschen, auf die Regulation und die Rolle von Gewebezellen und der epithelialen Barrierefunktion bei
Entzündungen und in der Immuntoleranz bei Asthma und Allergien sowie auf die Entwicklung neuer Impfstoffe und Behandlungsmöglichkeiten. Er ist der Vater der Epithelialen Barriere Hypothese bei chronischen Entzündungskrankheiten, welche über 1 Milliarde Menschen betrifft. Er ist Autor hochkarätiger Publikationen und Sprecher bei internationelen Fachkongressen. Erreichbar ist er hier: https://www.siaf.uzh.ch/director.html
Quelle:
Yagiz Pat, Duygu Yazici, Can Zeyneloglu, Huseyn Babayev, Sena Ardicli, Asuncion Garci-Sanchez, Xiangting Bu, Anja Heider, Oliva Giannelli Viscardi, Lihong Chang, Sheri Simmons, Anthony Almada, Christine Avena, Tye Jensen, Raja Dhir, Ismail Ogulur, Cezmi A. Akdis, Cellular Stress, Inflammation and Barrier Damage in Gut Epithelial Cells Caused by Aspartame, Food Allergy and Gastrointestinal Disease, Received: 12 January 2025, Revised: 1 September 2025, Accepted: 8 September 2025 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/all.70095
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