Mastzellaktivierungserkrankungen MCAD

Neue Website zu systemischen Mastzellaktivierungserkrankungen (MCAD)

Neue Website zu systemischen Mastzellaktivierungs­erkrankungen (MCAD)

Wer eine Histaminintoleranz hat, kennt die Schweize­rische Interessen­gemein­schaft Histamin-Intoleranz (SIGHI). Nun haben sich die Betreiber von SIGHI entschlossen, zusätzlich eine weitere Seite zu systemischen Mastzell­aktivierungs­erkran­kungen anzubieten: die Seite www.mastzellaktivierung.info. MeinAllergiePortal sprach mit SIGHI-Gründer Heinz Lamprecht über die Hintergründe.

Herr Lamprecht, was hat Sie bewogen, www.mastzellaktivierung.info, eine Website zu systemischen Mastzellaktivierungs­erkrankungen, ins Leben zu rufen und was wollen Sie erreichen?

MCAD sind sehr häufig. Um die 10 Prozent der Bevölkerung sollen betroffen sein. Der Bekanntheitsgrad ist jedoch selbst in der Ärzteschaft noch sehr gering, der Kenntnisstand ungenügend und veraltet. Eine sehr häufige Form beginnt man erst jetzt zu entdecken und zu verstehen. MCAD sind schwer zu diagnostizieren und werden meist übersehen oder mit HIT oder anderen Krankheitsbildern verwechselt. Das wollen wir ändern. Doch alles schön langsam und der Reihe nach:

Nicht nur bei Histamin-Intoleranz (HIT, eine Histamin-Abbaustörung), sondern auch bei systemischen Mastzell­aktivie­rungs­erkran­kungen (MCAD, engl.: mast cell activation disease) kann es zu Reaktionen auf histaminreiche Lebensmittel kommen. Zusätzlich reagiert man auch auf viele andere Auslöser, die im Gegensatz zum Histamin eher zeitverzögert und chronisch wirken, teils aber auch zu Sofortreaktionen bis hin zum anaphylaktoiden Schock führen können.

Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die MCAD viel häufiger sind als HIT. Wegen des geringen Bekannt­heitsgrades der MCAD erhalten Histaminempfindliche jedoch oft fälschlich die Diagnose HIT (oder irgendwelche andere bzw. gar keine Diagnosen).

Bis vor kurzem kannte man bloss zwei Unter­formen von MCAD: Die sehr seltene systemische Mastozytose (SM) und die äusserst seltene Mastzellen­leukämie (MCL). In den Köpfen hält sich zudem immer noch die längst überholte Lehr­meinung, die SM sei eine Haut­erkran­kung (und damit von aussen sichtbar), obwohl beliebige Organe oder Organ­systeme betroffen sein können, auch ohne Hautbe­teiligung.

Die häufigste Form von MCAD, das systemische Mastzell­aktivierungs­syndrom (MCAS, engl.: mast cell activation syndrome) wurde jedoch bisher übersehen, weil es die derzeit geltenden Diagnose­kriterien für die SM nicht vollum­fänglich erfüllt. Meist lassen sich keine auffälligen Laborwerte finden. Insbesondere ist die Serumtryptase im Gegensatz zur SM meist nicht erhöht. Entsprechend oft werden diese Fälle übersehen, obwohl laut Schätzungen 5 bis 17 Prozent der Bevölkerung betroffen sein sollen.

Man muss deshalb davon ausgehen, dass ein erheblicher Teil der Patienten im Wartezimmer eigentlich wegen den Folgen einer MCAD den Arzt aufsucht. Nur fehlen den Ärzten noch das Wissen darüber sowie aussagekräftige Diagnosemethoden, um deren Beschwerden als Symptome oder Folgeerkrankungen einer unerkannten MCAD begreifen zu können. Wir möchten versuchen, dieses Phantom greifbar zu machen.

Auf der ehemaligen SIGHI-Website wurden die MCAD schon länger thematisiert, aber noch zu sehr mit dem Thema HIT vermischt. Beide sind schwer zu diagnostizieren und manchmal kaum auseinander­zuhalten. Die neue Website mastzellaktivierung.info entstand folglich mit den Zielen, die MCAD bekannter zu machen und der Vermischung der beiden Themen entgegen zu wirken. Dadurch steigt auch die Chance, dass in Zukunft möglichst viele der noch undiagnosti­zierten Betroffenen vom Arzt als solche erkannt werden und Hilfe erhalten, anstatt bloss sympto­matisch oder falsch behandelt zu werden oder als vermeintliche Psycho­somatiker oder eingebildete Kranke an die Psychiatrie verwiesen zu werden.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.