Mastozytose – Osteopenie – Osteoporose

Dr. Frank Siebenhaar, Leiter der Mastozytose-Sprechstunde des Mastozytose-Centrums der Charité in Berlin

Mastozytose – Osteopenie – Osteoporose: Risiken für die Knochen?

Treten die Knochenerkrankungen bei Mastozytose an bestimmten Knochen besonders häufig auf?

Am stärksten gefährdet ist immer die Wirbelsäule. Das liegt daran, dass die Wirbelkörper zu den am stärksten belasteten Knochen unseres Körpers gehören. Dementsprechend erkennt man die Osteoporose bei einer Untersuchung der Wirbelsäule meist deutlicher, als z.B. bei einer Untersuchung des Oberschenkelknochens – die Abnahme des Mineralgehalts tritt an den Wirbelkörpernhäufig deutlicher zutage als im Oberschenkelknochen.

Die typische Fraktur eines Patienten mit Osteoporose ist deshalb die Wirbelkörperdeckenfraktur. Man muss sich die Wirbelkörper vorstellen wie einen Turm aus kleinen Bauklötzchen, die gegenseitig einen hohen Druck aufeinander ausüben. Lässt der Widerstand eines dieser "Bauklötzchen" aufgrund einer geringeren Knochendichte nach, kann dies zu einer Zertrümmerung des Wirbelkörpers führen. Bei einem Röhrenknochen wie dem Oberschenkelknochen ist dies nicht so leicht möglich.

Wie wird die Knochendichte ermittelt?

Es gibt zwei gängige Verfahren zur Bestimmung der Knochendichte. Zum einen gibt es die DEXA-Methode (Englisch für: Dual-Energy X-ray Absorptiometry), die am häufigsten verwendet wird. Hier werden konventionelle Röntgenverfahren, aber mit zwei Röntgenquellen, eingesetzt. Durch den Strahlengang dieser Untersuchung kann man sehr genau den Mineraliengehalt bzw. den Kalziumgehalt der Knochen ermitteln. Eine Untersuchung der Knochendichte am Wirbelkörper ist deshalb deutlich sensitiver als am Oberschenkelknochen. Deshalb ist bei Patienten, bei denen ein massiver Verdacht auf eine Osteoporose besteht, eine Untersuchung der Wirbelkörper sinnvoll – hier bestehen die größten Risiken.

Alternativ hierzu gibt es das Verfahren der quantitativen CT, d.h. eine Computertomographie. 

Wie sieht die Therapie bei der die Mastozytose begleitenden Knochenerkrankung aus, jeweils bei Osteopenie und Osteoporose? Und: Lässt sich das Fortschreiten der Osteoporose so aufhalten?

Die Therapie der Knochenerkrankung bei der Mastozytose hängt von der Ausprägung der Erkrankung ab. Die Osteopenie, die wir, wie gesagt, bei den meisten Patienten finden, ist überwachungsbedürftig jedoch nicht in allen Fällen therapiebedürftig, zumindest so lange sie noch nicht in eine Osteoporose übergegangen ist.

Leichte Formen der Osteoporose kann man leicht durch die Gabe von Kalzium und Vitamin D behandeln. Vitamin D ist eines der wichtigsten Signale zur Einlagerung von Kalzium in den Knochen.   

Bei den meisten Mastozytose-Patienten reicht dies aus, um die Erkrankung zu stabilisieren. Mit der Behandlung will man erreichen, dass der Mineraliengehalt der Knochen wieder ansteigt und keine erhöhte Frakturgefahr mehr besteht – man kann eine leichte Osteoporose also rückgängig machen.

Bei schwerer betroffenen Patienten reicht diese Behandlung nicht aus. Hier kommen Medikamente zum Einsatz, die meist zur Gruppe der sogenannten Biphosphonate gehören, einer Medikamentengruppe, die durch einen bestimmten Mechanismus dem vermehrten Knochenabbau entgegenwirken.

Ausschlaggebend für die Art der Behandlung ist die individuelle Situation des Patienten und Ziel der Behandlung ist, die Knochen so weit zu stabilisieren, dass die Frakturgefahr gebannt ist.

Kann ein Patient mit Mastozytose der Osteoporose und anderen Knochenproblemen vorbeugen, indem er sich sehr kalziumreich ernährt und möglichst viel in die Sonne geht, um Vitamin D zu produzieren?

In westlichen Ländern herrscht in der Regel eine ausgewogene Ernährung vor. Eine noch kalziumreichere Ernährung wäre deshalb allein nicht sinnvoll.

Anders sieht es beim Vitamin D aus. In nördlichen Gefilden herrscht grundsätzlich ein leichtes Defizit an Vitamin D, insbesondere im Winter. Für gesunde Menschen stellt dies jedoch klinisch kein großes Problem dar. Für Menschen mit Osteoporose ist der Vitamin D Mangel jedoch ein zusätzlicher Negativfaktor, den es auszugleichen gilt. Einen Mangel an Vitamin D mit Sonnenbädern und Solariumsbesuchen auszugleichen, ist jedoch nicht empfehlenswert. Zum einen bergen die Sonnenstrahlen andere, bekannte Risiken für die Haut und zum anderen würde man die benötigten Mengen an Vitamin D bei einer bestehenden Osteoporose so nicht erreichen.

Es ist auch nicht sinnvoll präventiv Kalzium und Vitamin D zuzuführen, ohne dass eine Osteoporose besteht, denn der Knochen nimmt nur die benötigte Kalziummenge auf und baut überschüssiges Kalzium über die Nieren ab. Es gibt Hinweise darauf, dass Menschen, die über einen gewissen Zeitraum übermäßig Kalzium zuführen, auf Dauer ein erhöhtes Risiko für Nierenerkrankungen, wie z.B. Nierensteine, Funktionsstörungen, Kalziumoxalate etc. haben. Der erste Schritt sollte deshalb immer eine Untersuchung der Knochendichte sein.

Herr Dr. Siebenhaar, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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