Mastozytose – Osteopenie – Osteoporose

Dr. Frank Siebenhaar, Leiter der Mastozytose-Sprechstunde des Mastozytose-Centrums der Charité in Berlin

Mastozytose – Osteopenie – Osteoporose: Risiken für die Knochen?

Führt eine Osteopenie immer zu einer Osteoporose?

Nicht jeder Patient mit Osteopenie entwickelt eine Osteoporose. Aber jeder Patient, der eine Osteoporose entwickelt, durchschreitet zuvor vorübergehend eine Phase der Osteopenie.

Eine Osteopenie sehen wir bei 50 bis 60 Prozent der erwachsenen Patienten – Kinder sind von begleitenden Knochenerkrankungen nicht betroffen. Das bedeutet, der Mineraliengehalt der Knochen ist bei diesen Patienten um einen gewissen Grad erniedrigt. Bei nur etwa 10 bis 20 Prozent der erwachsenen Patienten stellen wir eine manifeste Osteoporose fest.

Gibt es Zusammenhänge zwischen der Entwicklung von Knochenerkrankungen und dem Schweregrad der Mastozytose oder anderen Faktoren?  

Es sind eher die leichteren, nämlich die indolenten Formen der Mastozytose, die das Risiko einer Knochenerkrankung bergen und nicht die aggressiven Formen.

Innerhalb der Gruppe der indolent systemischen Mastozytosen oder der kutanen Mastozytosen gibt es keinerlei korrelierende Faktoren. Ob die Patienten eine Osteopenie oder eine Osteoporose entwickeln ist unabhängig vom Alter, der Höhe des Tryptasewertes im Blutes oder den Knochenmarkbefunden, die wir im Zuge der Diagnose der Mastozytose erheben.

Auch die Anzahl der Beschwerden oder das Vorhandensein mediatorassoziierter Beschwerden, wie z.B. Magen-Darm-Beschwerden, starke Hautbeschwerden oder Anaphylaxien spielen keine Rolle.

Wäre die Osteoporose – im Zusammenhang mit der Mastozytose - eine altersabhängige Erkrankung, müssten die Patienten in dieser Gruppe durchschnittlich älter sein, als diejenigen in der Gruppe der Osteopenie-Patienten, dies ist jedoch nicht der Fall.

Ebenso lässt sich nicht vorhersagen, welcher Patient eine Osteopenie oder eine Osteoporose entwickelt. Und auch eine Prognose in Bezug auf die Frage, ob sich eine vorhandene Osteopenie zur Osteoporose entwickelt oder ob es bei der Osteopenie bleibt, ohne dass sich diese verschlimmert, lässt sich heute mit den uns zur Verfügung stehenden Daten nicht sicher erstellen.

Welche Mechanismen stecken dahinter, dass eine Mastozytose in manchen Fällen von einer Osteopenie oder einer Osteoporose begleitet wird?

Es gibt Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Mastzellen Mediatoren produzieren, auf die die knochenabbauenden Zellen, die Osteoklasten, mit einer erhöhten Aktivierung reagieren.

Das bedeutet konkret: Je mehr Mastzellen man im Körper hat, desto mehr knochenabbauende Signale können produziert werden. Je mehr knochenabbauende Signale produziert werden, desto aktiver sind die knochenabbauenden Zellen und desto stärker wird der Mineraliengehalt der Knochen angegriffen.

Letztendlich kommt es hier zu einem Ungleichgewicht, denn wir haben sowohl knochenabbauende als auch knochenaufbauende Zellen, die im Normalfall dafür sorgen, dass der Mineralgehalt unserer Knochen konstant bleibt – der Kalziumhaushalt verschiebt sich lediglich innerhalb enger Grenzen.

Das Störfeuer der Mastzellen führt dazu, dass sich ein Ungleichgewicht zugunsten der knochenabbauenden Zellen entwickelt. Es wird also mehr an Knochenmasse abgebaut, als gleichzeitig wieder aufgebaut werden kann. Ab einem gewissen Punkt können die knochenaufbauenden Zellen dies nicht mehr kompensieren und es kommt zur Osteopenie bzw. schlimmstenfalls zur Osteoporose.

Diese Mechanismen sind noch hypothetisch, d.h. sie konnten noch nicht mit 100prozentiger Sicherheit nachgewiesen werden. Man konnte aber im Blut von Mastozytose-Patienten einige Signale nachweisen, von denen man weiß, dass sie von Mastzellen produziert werden können und dass sie die knochenabbauenden Zellen aktivieren. Man geht deshalb davon aus, dass dies den pathologischen Zusammenhang abbildet.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.