Mastozytose Ursachen Therapie

Prof. Dr. med. Marcus Maurer, Oberarzt und stellvertretender Leiter des Allergie-Centrums-Charité und Direktor für Forschung an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité Universitätsmedizin in Berlin

Mastozytose: Ursachen und Behandlung

Bei der Behandlung von Allergien ist meist die Meidung der auslösenden Faktoren die erste Maßnahme. Welche Auslöser spielen bei der Mastozytose eine Rolle? Was empfehlen Sie Ihren Patienten?

pd frank siebenhaar charitee berlin zu mastozytose dr frank siebenhaar leiter der mastozytose sprechstunde des mastozytose centrums der charite in berlinDr. Siebenhaar: Es ist bekannt, dass viele verschiedene Faktoren bei Mastozytosepatienten zur Auslösung von Beschwerden führen können. Hierzu zählen physikalische Reize, die in der Haut zur Aktivierung von Mastzellen führen, z. B. Kälte, Wärme, Reibung, Sonnenlicht oder Druck. Auch Stress ist ein gut bekannter Auslöser von Mastozytose-Beschwerden. Das Auftreten von Beschwerden und die Relevanz von auslösenden Faktoren sind individuell sehr unterschiedlich. Nicht alle bekannten auslösenden Faktoren sind bei allen Mastozytosepatienten relevant. Im Gegenteil ist es so, dass viele Patienten keine Beschwerden haben oder dass deren Beschwerden nicht durch spezifische Auslöser hervorgerufen werden, sondern gewissermaßen spontan auftreten. Wenn Patienten sehen, dass bestimmte Faktoren mit dem Auftreten von Beschwerden assoziiert sind, dann ist das in der Regel auf einen oder wenige Faktoren beschränkt und wir raten unseren Patienten, diesen relevanten Faktor im täglichen Leben so weit wie möglich zu vermeiden.

Welche Medikamente bzw. Maßnahmen stehen aktuell zur Behandlung zur Verfügung?

Dr. Siebenhaar: Die Mastozytose ist nach wie vor nicht heilbar. Im Gegensatz dazu lässt sich bei den meisten Patienten das Auftreten von Beschwerden verhindern bzw. auftretende Beschwerden gut behandeln. Die häufigsten Beschwerden bei Mastozytosepatienten entstehen an der Haut sowie im Gastrointestinaltrakt und an den Atemwegen. Zum Schutz vor Hautbeschwerden bei Mastozytose kann mit Antihistaminika gearbeitet werden und bei vielen Patienten hat sich eine topische, das heißt eine Creme-Therapie mit Cromoglykat bewährt. Cromoglykat kann auch bei Darmbeschwerden eingesetzt werden. Für schwer verlaufende Mastozytoseformen stehen bisher nicht zugelassene aber sehr wirksame Medikamente zur Kontrolle von Beschwerden und Mastzellanzahl zur Verfügung.

Gibt es aktuell Forschungsprojekte bzgl. neuer Wirkstoffe oder neuer Einsatzgebiete von Wirkstoffen zur Behandlung der Mastozytose? Wenn ja, welche und ab wann stehen sie zur Verfügung?

Prof. Dr. Maurer: Derzeit werden zahlreiche verschiedene Medikamente auf Wirksamkeit bei Mastozytose geprüft. Wir selbst haben vor kurzem die erste doppelblind Placebo-kontrollierte Studie mit einem Antihistaminikum bei Mastozytose durchgeführt und zeigen können, dass die Lebensqualität von Patienten unter einer solchen Therapie erheblich verbessert ist. Darüber hinaus gibt es weitere Medikamente, vornehmlich solche, die in den Aktivierungsprozess von Mastzellen eingreifen, die sich in klinischer Prüfung befinden.

Herr Prof. Maurer, Herr Dr. Siebenhaar, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quelle:

*Leitlinien Dermatologie: Mastozytose, AWMF online, http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-058.html

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.