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laktosefreie Lebensmittel

Silke Schwartau, Abteilungsleiterin Ernährung und Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale Hamburg e. V.

Laktosefreie Lebensmittel: Für wen sind sie sinnvoll?

Für Menschen mit Laktoseintoleranz gibt es ein breites Angebot an Produkten, die nur geringe Mengen Laktose enthalten. Für die Betroffenen ist das ein Segen, denn sie müssen sich beim Verzehr von Milchprodukten kaum noch einschränken. Mittlerweile wird jedoch auch Kritik an milchzucker- bzw laktosefreien Lebensmitteln laut und die richtet sich u.a. gegen den Preis. Silke Schwartau, Abteilungsleiterin Ernährung und Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale Hamburg e. V. sprach mit MeinAllergiePortal über die Gründe für die Kritik und appelliert an den „mündigen Verbraucher“.

Frau Schwartau, dass die Kennzeichnung „laktosefrei“ auf immer mehr Lebensmitteln zu finden ist, stößt mittlerweile auch auf Kritik, warum?

Laktosefreie Lebensmittel sind ausgesprochen segensreich für Menschen, die eine Laktoseintoleranz haben. Laktoseintolerante sind glücklich über das steigende Angebot an laktosefreien Lebensmitteln, denn in der Vergangenheit gab es ein solches Angebot nicht. Wichtig ist, dass die Diagnose Laktoseintoleranz durch einen H2-Atemtest bestätigt  wurde.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale Hamburg sind jedoch die die Regalplätze, die laktosefreie Produkte einnehmen, mittlerweile sehr groß geworden. Deshalb fühlen sich auch viele gesunde Verbraucher von laktosefreien Produkten angesprochen. Manche Menschen, die Verdauungsprobleme haben, probieren diese Produkte einfach aus, ohne eine gesicherte Diagnose zu haben. Aus unserer Sicht ist die keine sinnvolle Entwicklung, denn Laktose ist für gesunde Menschen kein „schädlicher“ Stoff.

Für laktoseintolerante Verbraucher beurteilen Sie die Kennzeichnung „laktosefrei“ aber als hilfreich…

Durchaus, allerdings sollte diese Bezeichnung nicht auf Produkten verwendet werden, die per se laktosearm sind, z.B. bei gereiftem Käse oder Hartkäse. Wir hatten in letzter Zeit aber den Eindruck, dass der Begriff „laktosefrei“ von der Industrie zunehmend nur deshalb genutzt wird, um höhere Preise zu rechtfertigen. So wird aus unserer Sicht ein begrüßenswertes Produkt, das der Gesundheit von Menschen mit Laktoseintoleranz dient, zu einem Lifestyleprodukt.

Zurück zu den tatsächlich laktoseintoleranten Verbrauchern, was sollte man beim Einkauf beachten, um nicht versehentlich zu viel Milchzucker aufzunehmen?

Zunächst sollte man bei Laktosintoleranz wissen, dass die Hersteller in ihren Zutatenlisten nicht ausdrücklich auf „Laktose“ oder „Milchzucker“ hinweisen müssen, wenn andere Milchprodukte in der Liste enthalten sind. Sind z.B. Milch, Sahne, Süßmolkenpulver, Milcheiweiß oder Quark auf der Zutatenliste als Inhaltsstoffe angegeben geht der Gesetzgeber von einer gewissen Mündigkeit des Verbrauchers aus.

Aufpassen muss man bei vielen Fertigprodukten, denn hier wird Milchzucker häufig eingesetzt. Allerdings sind die eingesetzten Milchzuckermengen nicht immer so hoch, dass sie bei Milchzuckerunverträglichkeit Beschwerden verursachen können. Ein Blick auf die Zutatenliste kann bei Fertigprodukten Klarheit schaffen.  Je weiter vorne man Begriffe wie Laktose, Milchzucker, Milch, Milchprodukte, Sahne, Molke, Süßmolkenpulver, Milcheiweiß, Quark oder Milchpulver findet, umso höher ist der jeweilige Anteil. Findet man diese Begriffe am Ende der Zutatenliste, ist das Produkt meist auch für Menschen mit Milchzuckerunverträglichkeit verträglich.

Auch bei Joghurts muss man bei Milchzuckerunverträglichkeit vorsichtig sein. Viele glauben, dass Joghurts bei Milchzuckerunverträglichkeit unbedenklich sind, weil Milchsäurebakterien die Laktose abbauen Da jedoch viele Joghurts - und insbesondere Joghurts mit Fruchtgeschmack - erhitzt werden, kann dies zur Folge haben, dass die Milchsäurebakterien nicht mehr ausreichend wirksam sind. Sie bauen dann die Laktose nicht mehr im normalen Maße ab. Hinzu kommt, dass Joghurts oftmals mit Milchpulver angereichert werden, um die Trockenmasse zu erhöhen. Dadurch erhöht sich aber auch der Laktosegehalt. Am besten verträglich für Laktoseintolerante sind Naturjoghurts ohne Zusätze mit einer gewissen Säure.

Außerdem sollten die Betroffenen wissen, dass es meist gar nicht nötig ist, Milchzucker komplett wegzulassen. Jeder Laktoseintolerante hat eine für ihn individuell verträgliche Laktose-Höchstgrenze, die er nicht überschreiten sollte. Das bedeutet gerade nicht, dass selbst geringste Laktosemengen gemieden werden müssen.

Und wo kann man auch bei Laktoseintoleranz unbesorgt zugreifen?

Besteht tatsächlich eine Milchzuckerunverträglichkeit ist es wichtig zu wissen, welche Produkte natürlicherweise arm an Laktose sind. Wie gesagt kann man auch bei Laktoseintoleranz beruhigt „normalen“ Hartkäse oder Camembert kaufen, weil dieser kaum Milchzucker enthält. Ebenso ist Butter quasi frei von Milchzucker.
Für Verunsicherung beim Verbraucher sorgen oft Hinweise wie „kann Spuren von Milch enthalten“ oder „kann Spuren von Laktose enthalten“! Leider werden diese Hinweise von den Herstellern häufig aus rechtlichen Gründen eingesetzt, um im Falle einer unbeabsichtigten Kontamination „auf der sicheren Seite“ zu sein. Meist ist es jedoch so, dass gerade diese Produkte keine oder unbedenkliche Mengen an Milchzucker enthalten.

Bei Wurstwaren wurde früher sehr häufig Milcheiweiß oder Bestandteile der Milch eingesetzt, um den Eiweißgehalt der Produkte zu erhöhen. In unserem letzten Marktcheck haben wir aber gesehen, dass der Zusatz von Laktose mittlerweile nicht mehr üblich ist. Fleisch ist ja mittlerweile auch sehr billig geworden.
Und noch ein Hinweis: Auch geringe Laktosemengen in Medikamenten sind in der Regel kein Problem bei Laktoseintoleranz.


Sie bemängeln auch die Preise für laktosefreie Lebensmittel. Ist der höhere Preis nicht durch den höheren Aufwand beim Herstellungsprozess gerechtfertigt?

Ich vermag dies nicht zu beurteilen. Letztlich muss man jedoch berücksichtigen, dass laktosefreie Produkte einmal eine Marktnische waren, so dass der höhere Preis allein dadurch zustande kam. Mittlerweile produziert man laktosefreie Produkte jedoch in höheren Mengen, so dass uns wir aus Sicht der Verbraucherzentrale Hamburg die Frage stellen, ob der höhere Preis – in unserem Marktcheck von bis zu 383 Prozent - auch heutzutage noch gerechtfertigt ist. Aus unserer Sicht ist es nicht sinnvoll, wenn aus einem eigentlich erfreulichen Angebot für Menschen mit Laktoseintoleranz ein Lifestyleprodukt wird.

Wie erklären Sie sich denn den freiwilligen Verzicht auf Laktose bei Nicht-Laktoseintoleranten?

Vielleicht denken die meisten Verbraucher gar nicht so viel darüber nach, warum sie zu laktosefreien Produkten greifen. Sie assoziieren „laktosefrei“ mit anderen „frei von“-Claims, wie „frei von Schadstoffen“, „frei von Gentechnik“ etc. und halten dies dann für ein Qualitätsmerkmal. Hinzu kommen manchmal auch Aussagen von Prominenten, die angeben, dass sie sich besser fühlen und fitter sind, seitdem sie auf dieses oder jenes Verzichten. Es gibt immer wieder neue Trends, bei denen Lebensmittel entweder in den Himmel gehoben oder verteufelt werden! Deshalb raten wir dazu, bei Verdacht auf Lebensmittelallergien oder Intoleranzen einen Allergologen oder Internisten aufzusuchen und nicht einfach „auf Verdacht“ oder aufgrund sogenannter IgG-Tests auf Lebensmittel zu verzichten.

Frau Schwartau, herzlichen Dank für dieses Gespräch!


Weitere Informationen der Verbraucherzentrale Hamburg zum Thema laktosefreie Produkte:

Faltblatt: Laktosefrei, glutenfrei – auch eine Werbestrategie!

Infoblatt: Die 10 häufigsten Irrtümer bei Laktoseintoleranz

Laktosefreie Lebensmittel: 24 Produkte im Preisvergleich, Übersicht mit Bildern und Erläuterungen

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