Laktoseintoleranz Laktose Dosis

Prof. Dr. med. Martin Storr, Gastroenterologe am Gesundheitszentrum Starnberger See (MVZ) und 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e. V. zu Laktoseintoleranz und die Rolle der Dosis!

Laktoseintoleranz: Welche Rolle spielt die Laktose-Dosis?

Sie hatten erwähnt, dass es bei Laktoseintoleranten auch durch Fruktose zu Beschwerden kommen kann…

Wenn man als Laktoseintoleranter Laktose zu sich nimmt und zusätzlich noch reichlich Fruktose, können Summationseffekte auftreten. Das bedeutet, zu den durch die Laktose hervorgerufenen Beschwerden kommen, unabhängig davon, jene Beschwerden hinzu, die durch ein „zu viel“ an Fruktose ausgelöst wurden. Davon können diejenigen betroffen sein, die, zusätzlich zu ihrer Laktoseintoleranz an einer Fruktosemalabsorption leiden. Es können aber auch Menschen betroffen sein, die nicht an einer Fruktosemalabsorption leiden.

Was versteht man im Zusammenhang mit Laktoseintoleranz bzw. Fruktosemalabsorption unter Summationseffekten?

Man muss sich vorstellen, dass alles, was man im Laufe eines Tages zu sich nimmt wie in einer Art „Schüssel“ gesammelt wird. Wenn ein Laktoseintoleranter Laktose isst und dann auch noch eine große Menge Fruktose zu sich nimmt, läuft die „Schüssel“ irgendwann über. Die Beschwerden werden dann von der Gesamtheit der aufgenommenen Inhaltsstoffe ausgelöst, nicht vom zuletzt verzehrten Nahrungsmittel. Die einzelnen Auslöser müssen dennoch separat bewertet werden.

Dieser Summationseffekt ist auch verantwortlich dafür, dass manche laktoseintoleranten Patienten berichten, dass sie morgens Laktose gut vertragen und abends dann plötzlich nicht mehr. Sie haben dann einfach die für sie persönlich verträgliche Laktose-Dosis überschritten. Dieses Konzept der Summation von Beschwerde-auslösenden Lebensmitteln ist in der wissenschaftlich fundierten FODMAP-Diät umgesetzt, die darauf eingeht und beschwerdeauslösende Lebensmittel in der Gesamtheit reduziert und nicht einzelne Inhaltsstoffe separat reduziert.

Der Summationseffekt bezieht sich also auf die an einem Tag aufgenommenen Nahrungsmittel?

Nicht unbedingt. Es kann sogar passieren, dass man Beschwerden von Nahrungsmitteln bekommt, die man am Vortag, oder sogar noch früher, gegessen hat.

Cashews z.B., in einer Tüte sind ca. 125 g, verweilen fast eine Woche lang im Dickdarm. Die Cashews können so den Schwellenwert für belastende Lebensmittel für einen recht langen Zeitraum hoch halten. Generell geht man durchschnittlich davon aus, dass die Nahrung drei Tage im Darm verbleibt.

Nicht umsonst tun sich die Patienten sehr schwer damit, zu rekonstruieren, was sie wann gegessen haben. In der Regel wird überlegt, was man als letztes gegessen hat, obwohl dies ja nur „das Fass zum Überlaufen bringt“. Entscheidend ist, was man tagsüber, oder sogar die ganze Woche über gegessen hat, und damit sind wir beim Ernährungs-Symptom-Tagebuch, das man sinnvollerweise führen sollte, so wird es in Fachleitlinien empfohlen.

Viele Patienten sträuben sich gegen das Führen eines Ernährungs-Symptom-Tagebuchs…

Klar, es ist anstrengend, ein Ernährungs-Symptom-Tagebuch zu führen, aber anders ist es eben kaum möglich, einen Zusammenhang zwischen Ursachen und Beschwerden herzustellen. Man kann sich einfach nicht im Detail daran erinnern, was man vor drei oder vier Tagen gegessen hat.

Deshalb sollte man unbedingt ein Ernährungs-Symptom-Tagebuch führen, wenn man unklare Beschwerden hat oder wenn es darum geht, die individuell verträgliche Menge eines Nahrungsmittels herauszufinden. Alles andere bringt die Patienten oftmals nicht wirklich weiter.

Herr Prof. Storr, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

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