Laktoseintoleranz Laktose Dosis

Prof. Dr. med. Martin Storr, Gastroenterologe am Gesundheitszentrum Starnberger See (MVZ) und 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e. V. zu Laktoseintoleranz und die Rolle der Dosis!

Laktoseintoleranz: Welche Rolle spielt die Laktose-Dosis?

Wie kann man sich in eine Laktoseintoleranz „hineinessen“?

Wenn ein Laktosegesunder permanent große Mengen an Laktose zu sich nimmt, hat das auch Auswirkungen, aber meist fällt das den Betroffenen nicht so auf. Sie haben dann zwar einen weicheren Stuhl, messen dem aber keine Bedeutung bei.

Spielt es auch eine Rolle, durch welche Nahrungsmittel die Laktoseaufnahme erfolgt bzw. ob einem Lebensmittel Laktose zugesetzt wurde?

Prinzipiell spielt das keine Rolle, denn Laktose wird immer eigenständig enzymatisch gespalten.

Es kommt aber darauf an, ob die Laktose verstoffwechselt wurde. Beim Joghurt z.B., wird Laktose häufig zugesetzt, damit das Endprodukt etwas stichfester ist. Im Joghurt wird die Laktose jedoch größtenteils durch die Bakterien, die im Joghurt enthalten sind, fermentiert und ist im Endprodukt quasi nicht mehr oder nur noch wenig enthalten. Deshalb ist weniger entscheidend, ob Laktose zugesetzt wurde, sondern vielmehr wieviel Laktose im Endprodukt noch enthalten ist.

Beschwerden können jedoch, unabhängig von der Laktose, auch durch andere Kohlenhydrate, z.B. Fruktose, auftreten.

Wenn die Bakterien im Joghurt die zugesetzte Laktose verarbeiten, gilt das sicher auch für andere Sauermilchprodukte…

Alle Produkte, die lebende Bakterien enthalten, z.B. Dickmilch oder Kefir, enthalten weniger Laktose, denn die Bakterien stürzen sich regelrecht auf die Laktose. Das bedeutet auch: Je länger der Joghurtreift, desto länger können die Bakterien die Laktose verstoffwechseln und desto laktoseärmer wird er. Wenn man seinen Joghurt selbst herstellt und nicht 10 sondern 20 Stunden reifen lässt, erhält man ein schmackhafteres, säuerliches Produkt, dessen Laktosegehalt fast gegen 0 geht.

Dahingegen befindet sich ein Joghurt aus dem Supermarkt in der Kühlkette und enthält mehr Laktose. Auch dieser Joghurt enthält Bakterien, aber sie verarbeiten aufgrund der niedrigen Temperaturen weniger Laktose. Erst wenn man den Joghurt auf eine Temperatur bringt, die deutlich über der Raumtemperatur liegt, beginnen die Bakterien wieder zu arbeiten.

Ist ein selbst hergestellter Joghurt für Menschen mit Laktoseintoleranz verträglicher und damit empfehlenswert?

Nein, das bedeutet nicht, dass man Laktoseintoleranten empfehlen sollte, ihren Joghurt selbst herzustellen. Bei nachgewiesener Laktoseintoleranz sollte man einfach strikt auf alle laktosehaltigen Nahrungsmittel verzichten, einen anderen Rat gibt es hier nicht.

Anders ist es, wenn nur eine milde Unverträglichkeit gegenüber Laktose besteht, die medizinisch weniger relevant ist. Dann kann es durchaus empfehlenswert sein, sein Joghurt selbst herzustellen und es auch länger reifen zu lassen, also durchaus 20 bis 24 Stunden. Dann haben die Joghurtbakterien deutlich mehr Zeit, die Laktose zu verarbeiten und der Joghurt ist sehr laktosearm. Das dürfte bei eine milden Unverträglichkeit ausreichen, um eine Beschwerdefreiheit zu ermöglichen.

Woran liegt es eigentlich, dass viele Laktoseintolerante Sahne nicht vertragen obwohl sie nur wenig Laktose enthält?

Sowohl Sahne als auch Butter enthalten so gut wie keine Laktose. Dass viele Menschen Sahne nicht vertragen, liegt deshalb nicht an der Laktose, sondern am hohen Fettgehalt. Alle fettreichen Nahrungsmittel können zu Übelkeit und Durchfall führen, dies ist ein ganz normaler Mechanismus.

Auch wenn man ein Glas Öl trinkt, führt dies unweigerlich zu unangenehmen Symptomen. Das Öl passiert den Magen sehr rasch und kommt dann im Dünndarm an, hier signalisieren die Fette Sättigung und im Übermaß Übelkeit. Man nennt das die Ileum-Bremse (engl. ileal break). Öl trinkt man natürlich nicht, aber große Portionen Sahne sind auf oder im Kuchen oder in Saucen sehr häufig enthalten.

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