Laktoseintoleranz Kind Symptome

Dr. med. Annette Brunert, Oberärztin, Pädiatrische Gastroenterologin, Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, zur Laktoseintoleranz beim Kind!

Laktoseintoleranz beim Kind: Symptome, Diagnose, Therapie!

Was ist im Zusammenhang mit dem H2-Atemtest mit „Non Producer“ gemeint?

Die sogenannten „Non Producer“ bilden keinen Wasserstoff im Darm, was dazu führen kann, dass ein H2-Atemtest fälschlicherweise negativ ausfällt. Dann könnte beim Kind eine Laktoseintoleranz bestehen, die mit dem H2-Atemtest schlicht nicht messbar ist.

Ist aufgrund der Anamnese der Verdacht sehr dringend, dass die Laktose der Grund für die Bauchschmerzen des Kindes ist, kann man einen zweiten Test mit Lactulose durchführen.

Lactulose ist ein komplexes Kohlenhydrat, das im Körper in Fruktose und Galactose aufgespalten wird. Lactulose wird aber nicht resorbiert, d.h. sie gelangt immer in den Dickdarm und bildet dort H2. Zeigt ein Patient also auch nach der Gabe von Lactulose keinen Wasserstoff, handelt es sich um einen „Non Producer“, der H2-Atemtest mit Laktose war „falsch negativ“ und eine Eliminationsdiät mit Laktose wäre sinnvoll.

Alternativ zu allen Tests kann man natürlich auch eine Auslassdiät mit Laktose durchführen.  

Die Auslassdiät mit Laktose würde dann den H2-Atemtest ersetzen?

Ein zeitlich begrenzter Auslassversuch der Laktose unter ärztlicher Kontrolle wäre durchaus eine Möglichkeit abzuklären, ob eine Laktoseintoleranz besteht oder nicht. Dazu müsste die Familie zwei Wochen lang Laktose konsequent aus dem Speiseplan des Kindes streichen bzw. laktosefreie Produkte wählen. Dies bedarf allerdings einer ausführlichen Beratung der Familie, denn es gibt viele Produkte mit versteckter Laktose. Merkt man dann nach zwei Wochen eine deutliche Besserung der Symptome, kann man von einer Laktoseintoleranz ausgehen.

Der Nachteil dieser Methode ist, dass sie, im Gegensatz zu einer Testung, die Erkrankung nicht „schwarz auf weiß“ nachweist. Die Auslassdiät zum Nachweis einer Laktoseintoleranz ist aber eine gute Alternative, wenn kleinere Kinder noch nicht dazu in der Lage sind, die für den Test nötige Laktosemenge von 300 ml in dem dafür vorgesehenen Zeitrahmen zu trinken.

Welche Therapieoptionen gibt es bei nachgewiesener Laktoseintoleranz beim Kind?

Die Laktose weglassen ist immer die beste Option, wenn ein Kind eine Laktoseintoleranz hat. Nach auffälligen H2-Atemtests empfiehlt sich stets eine streng laktosefreie Diät über zwei bis drei Wochen. Bessern sich die Symptome unter dieser Diät, wäre der nächste Schritt, die individuelle Laktose-Toleranzschwelle des Kindes herauszufinden. Die individuelle Toleranzschwelle für Laktose ergibt sich nicht aus dem H2-Atemtest, bei dem ungewöhnlich hohe Laktose-Dosen von 2 bis 3 g Laktose pro kg Körpergewicht in Wasser gemischt gegeben werden.

Bei Kindern mit nicht angeborener Laktoseintoleranz kann man die gerade noch verträgliche Laktosemenge aber herausfinden, indem man dem Kind z.B. zunächst ein Viertel Glas Milch gibt oder ein Joghurt, um zu sehen, ob dies vertragen wird. Auch sollte versucht werden, die Milchprodukte zusammen mit einer Hauptmahlzeit anzubieten. Dadurch verlangsamt sich die Transitzeit durch den Darm, d.h. die Verweildauer der Laktose im Darm erhöht sich. So besteht die Möglichkeit, dass die Restaktivität der Laktase zum Abbau der Laktose ausreicht.

Möglicherweise bessern sich die Beschwerden der Laktoseintoleranz aber nur kurzzeitig. Dafür könnte z.B. der Placebo-Effekt der laktosefreien Diät verantwortlich sein, den man nicht unterschätzen sollte. In diesem Fall sollten weitere abklärende Untersuchungen folgen.

Noch ein Hinweis: Der Rat, die individuell verträgliche Laktosemenge auszutesten, gilt nicht für Kinder mit einem angeborenen Laktasemangel. Dies ist ein schweres, aber extrem seltenes Krankheitsbild, das sich bereits beim Neugeborenen manifestiert. Diese Kinder dürfen keinesfalls Laktose erhalten.

Wenn beim Versuch, die verträgliche Laktosemenge zu ermitteln, Symptome auftreten, gibt es Möglichkeiten, diese zu behandeln?

Grundsätzlich kann man dafür sorgen, dass die Darmflora optimal ausgebildet ist. Ob dies dann aber eventuelle Beschwerden lindert, ist individuell verschieden. Auch die Substitution der Laktase empfehlen wir eher nicht, weil es bei Kindern schwierig ist, die optimale Dosis zu berechnen.

Frau Dr. Brunert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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