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Laktoseintoleranz Kind Symptome

Dr. med. Annette Brunert, Oberärztin, Pädiatrische Gastroenterologin, Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, zur Laktoseintoleranz beim Kind!

Laktoseintoleranz beim Kind: Symptome, Diagnose, Therapie!

Bei Erwachsenen ist die Laktoseintoleranz eine häufige nicht allergische Nahrungsmittelunverträglichkeit. Die Laktoseintoleranz kann jedoch auch bei Kindern auftreten. Wie kommt es zur Laktoseintoleranz beim Kind? Wie zeigen sich die Symptome, wenn ein Kind Laktose nicht verträgt? Wie erfolgt die Diagnose und wie sieht die Therapie aus? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Annette Brunert, Oberärztin, Pädiatrische Gastroenterologin, Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, über die Laktoseintoleranz beim Kind.

Frau Dr. Brunert, die Laktoseintoleranz gilt als Erwachsenenkrankheit, inwiefern können auch Kinder betroffen sein?

Bei Kindern mit rezidivierenden, d.h. wiederkehrenden, Bauchschmerzen, die älter als 10 Jahre sind, ist die Laktoseintoleranz die zweithäufigste Ursache. Bis zu 25 Prozent dieser Kinder haben eine Laktoseintoleranz oder auch eine Fruktosemalabsorption.

Man hört häufig, dass eine Laktoseintoleranz eigentlich „normal“ sei….

In der Tat ist die Abnahme der Laktaseaktivität, d.h. des Enzyms Laktase, das die Laktose in unserem Dünndarm abbaut, ein physiologischer, d.h. ein natürlicher, Prozess. Dieser Abbauprozess findet sich bei ca. 20 Prozent aller Deutschen, bei  bis zu 80 Prozent der Afroamerikaner  und bei fast 100 Prozent der Asiaten.
Auch bei Kindern nimmt die Laktaseaktivität nach dem Abstillen ab, das ist physiologisch, d.h. von Natur aus, so vorgesehen. Diese leichte Abnahme der Laktaseaktivität ist jedoch in der Regel nicht so gravierend, dass es beim Verzehr von Milchprodukten zu starken Beschwerden kommt. Häufig treten diese Beschwerden erst im Jugendalter und abhängig von der jeweiligen Dosis auf.

Auch im Kindesalter kann es gelegentlich zu Bauchbeschwerden kommen, die auf eine Laktoseunverträglichkeit zurückzuführen sind. Im Kindesalter ist jedoch eher die Fruktosemalabsorption vorherrschend.

Es gibt also deutliche regionale Unterschiede  in Bezug auf die abnehmende Laktaseaktivität bzw. das Auftreten der Laktoseintoleranz?

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Prävalenz der Laktoseintoleranz in Nordeuropa nicht in gleichem Maße zu finden ist, wie hierzulande. Dort sind zwischen 8 und 10 Prozent der Bevölkerung laktoseintolerant, d.h. deutlich weniger als in Deutschland. Man vermutet, dass dies auf die frühe Einführung der Milchwirtschaft in diesen Ländern zurückzuführen ist, die als Selektionsvorteil wirkte.


Wie kommt es bei der Laktoseintoleranz zu den typischen Symptomen?

Wenn die Laktose aufgrund des Laktasemangels unverdaut, d.h. ungespalten in tiefere Dünndarmabschnitte bzw. in den Dickdarm gelangt, entstehen dort durch Vergärung Gase, die die typischen Symptome hervorrufen. Bei Kindern kommt es dadurch, wie bei Erwachsenen auch, häufig zu Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfälle und Übelkeit. Daraus resultierend kann es zu Appetitlosigkeit, allgemeinem Unwohlsein, Mattigkeit und Gewichtsverlust kommen.

Im Unterschied zu den Erwachsenen können die Kinder vor dem 8. bis 10. Lebensjahr diese Beschwerden oft nicht genau lokalisieren. Das heißt, sie sind nicht in der Lage genau zu sagen, ob ihnen der Bauch eher oben oder unten, eher rechts oder links weh tut. Häufig lokalisieren sie dann die Beschwerden im Nabelbereich, und das macht es für den behandelnden Arzt schwierig, die Beschwerden genau einzuschätzen.

Zur Diagnose muss man deshalb die Beobachtungen der Eltern zu Rate ziehen, wobei die Wahrnehmungen der Eltern und der Kinder durchaus unterschiedlich sein können.  Z.B. haben die Eltern häufiger den Eindruck, dass die Kinder unter Bauchschmerzen leiden, als die Kinder selbst dies äußern. Oft sagen die Kinder nichts, aber die Eltern merken es ihnen an, dass sie Beschwerden haben. Es kommt bei rezidivierenden Bauchschmerzen jedoch auch vor, dass die Eltern Signale falsch deuten. Bei Kindern gilt es deshalb zu objektivieren, wie stark die Beschwerden sind und wie häufig sie tatsächlich auftreten. Dafür stehen entsprechende Untersuchungen zur Verfügung.

Und wie wird die Diagnose Laktoseintoleranz beim Kind gestellt?

Wie beim Erwachsenen stellt man die Diagnose Laktoseintoleranz beim Kind mit einem sogenannten H2-Atemtest. Fehlt das Enzym Laktase, entsteht beim Abbau der Laktose im Dickdarm Wasserstoff.  Wassersoff gelangt dann ins Blut und über den Gasaustausch in der Lunge in die Ausatemluft, wo es gemessen werden kann. In der Regel ist dies eine eindeutige Diagnose der Laktoseintoleranz.

Konkret wird der H2-Atemtest so durchgeführt. Zu Beginn des Tests wird die aktuelle Konzentration des Wasserstoffs in der Ausatemluft gemessen. Diese sollte nicht höher als 10 ppm liegen. Dann werden die Kinder belastet, indem – gewichtsadaptiert und innerhalb von ca. 10 bis 15 Minuten  - Laktose gegeben wird. Nach 15, 30, 60, 90 und 120 Minuten wird jeweils eine weitere Messung an der Ausatemluft vorgenommen um zu sehen, wann genau ein Anstieg des Wasserstoffgehaltes zu verzeichnen ist.

Ein sehr früher Anstieg weist darauf hin, dass eine Fehlbesiedlung des Dünndarmes mit bestimmten Bakterien vorliegt. Bei späteren Anstiegen, ab etwa 90 Minuten über 20 ppm, spricht man von einem auffälligen Atemtest und kann die Diagnose einer Laktoseintoleranz stellen.

Allerdings muss dieser positive H2-Atemtest immer auch mit Symptomen korrelieren. Liegt der Wasserstoffgehalt der Ausatemluft über 20 ppm, ohne dass das Kind auch tatsächlich Symptome hat, ist eine Laktoseintoleranz nicht anzunehmen. Beim H2-Atemtest werden sehr große Mengen Laktose verabreicht und wenn dies keine Beschwerden verursacht, ist es fraglich, ob dem Kind eine Elimination von Laktose aus der Nahrung helfen würde. In diesem Fall muss weiter nach der Ursache der Bauchschmerzen gesucht werden. Allerdings, es gibt auch die sogenannten „Non Producer“.

Inwiefern ist ein sehr früher Anstieg ein Hinweis auf eine Fehlbesiedlung des Dünndarms?

Ein sehr früher Anstieg weist darauf hin, dass bestimmte Bakterien bereits im Dünndarm auf die Laktose reagieren. Üblicherweise kommt es zu Beschwerden durch die Laktose erst dann, wenn sie den Dickdarm erreicht. In den oberen Darmabschnitten kommt es durch die Laktose normalerweise nicht zu Symptomen, denn hier befindet sich ja das laktoseabbauende Enzym Laktase. Haben sich in den oberen Dünndarmabschnitten jedoch  Bakterien angesiedelt, die da nicht hingehören, können diese bereits mit der Laktose reagieren und es kann zu Gasbildung kommen. Eine Stuhluntersuchung gibt hier Hinweise darauf, ob die Fehlbesiedlung so  relevant ist, dass man mit einem Antibiotikum therapieren müsste, oder das Substituieren „guter“ Darmbakterien ausreichen würde.

Die Fehlbesiedlung kann die Ursache einer sekundären Laktoseintoleranz sein, d.h. einer Laktoseintoleranz, die die Folge einer Grunderkrankungist. Zu diesen Krankheiten gehören neben der Fehlbsiedelung auch die Zöliakie, eine chronisch entzündlichen Darmerkrankung, oder einer Magen-Darminfektion. Die Sekundäre Laktoseintoleranz verschwindet, wenn man die Grunderkrankung therapiert. Deshalb sollte bei auffälligen H2-Atemtests immer abgeklärt werden, ob eine solche Grunderkrankung vorliegt.


Was ist im Zusammenhang mit dem H2-Atemtest mit „Non Producer“ gemeint?

Die sogenannten „Non Producer“ bilden keinen Wasserstoff im Darm, was dazu führen kann, dass ein H2-Atemtest fälschlicherweise negativ ausfällt. Dann könnte beim Kind eine Laktoseintoleranz bestehen, die mit dem H2-Atemtest schlicht nicht messbar ist.

Ist aufgrund der Anamnese der Verdacht sehr dringend, dass die Laktose der Grund für die Bauchschmerzen des Kindes ist, kann man einen zweiten Test mit Lactulose durchführen.

Lactulose ist ein komplexes Kohlenhydrat, das im Körper in Fruktose und Galactose aufgespalten wird. Lactulose wird aber nicht resorbiert, d.h. sie gelangt immer in den Dickdarm und bildet dort H2. Zeigt ein Patient also auch nach der Gabe von Lactulose keinen Wasserstoff, handelt es sich um einen „Non Producer“, der H2-Atemtest mit Laktose war „falsch negativ“ und eine Eliminationsdiät mit Laktose wäre sinnvoll.

Alternativ zu allen Tests kann man natürlich auch eine Auslassdiät mit Laktose durchführen.  

Die Auslassdiät mit Laktose würde dann den H2-Atemtest ersetzen?

Ein zeitlich begrenzter Auslassversuch der Laktose unter ärztlicher Kontrolle wäre durchaus eine Möglichkeit abzuklären, ob eine Laktoseintoleranz besteht oder nicht. Dazu müsste die Familie zwei Wochen lang Laktose konsequent aus dem Speiseplan des Kindes streichen bzw. laktosefreie Produkte wählen. Dies bedarf allerdings einer ausführlichen Beratung der Familie, denn es gibt viele Produkte mit versteckter Laktose. Merkt man dann nach zwei Wochen eine deutliche Besserung der Symptome, kann man von einer Laktoseintoleranz ausgehen.

Der Nachteil dieser Methode ist, dass sie, im Gegensatz zu einer Testung, die Erkrankung nicht „schwarz auf weiß“ nachweist. Die Auslassdiät zum Nachweis einer Laktoseintoleranz ist aber eine gute Alternative, wenn kleinere Kinder noch nicht dazu in der Lage sind, die für den Test nötige Laktosemenge von 300 ml in dem dafür vorgesehenen Zeitrahmen zu trinken.

Welche Therapieoptionen gibt es bei nachgewiesener Laktoseintoleranz beim Kind?

Die Laktose weglassen ist immer die beste Option, wenn ein Kind eine Laktoseintoleranz hat. Nach auffälligen H2-Atemtests empfiehlt sich stets eine streng laktosefreie Diät über zwei bis drei Wochen. Bessern sich die Symptome unter dieser Diät, wäre der nächste Schritt, die individuelle Laktose-Toleranzschwelle des Kindes herauszufinden. Die individuelle Toleranzschwelle für Laktose ergibt sich nicht aus dem H2-Atemtest, bei dem ungewöhnlich hohe Laktose-Dosen von 2 bis 3 g Laktose pro kg Körpergewicht in Wasser gemischt gegeben werden.

Bei Kindern mit nicht angeborener Laktoseintoleranz kann man die gerade noch verträgliche Laktosemenge aber herausfinden, indem man dem Kind z.B. zunächst ein Viertel Glas Milch gibt oder ein Joghurt, um zu sehen, ob dies vertragen wird. Auch sollte versucht werden, die Milchprodukte zusammen mit einer Hauptmahlzeit anzubieten. Dadurch verlangsamt sich die Transitzeit durch den Darm, d.h. die Verweildauer der Laktose im Darm erhöht sich. So besteht die Möglichkeit, dass die Restaktivität der Laktase zum Abbau der Laktose ausreicht.

Möglicherweise bessern sich die Beschwerden der Laktoseintoleranz aber nur kurzzeitig. Dafür könnte z.B. der Placebo-Effekt der laktosefreien Diät verantwortlich sein, den man nicht unterschätzen sollte. In diesem Fall sollten weitere abklärende Untersuchungen folgen.

Noch ein Hinweis: Der Rat, die individuell verträgliche Laktosemenge auszutesten, gilt nicht für Kinder mit einem angeborenen Laktasemangel. Dies ist ein schweres, aber extrem seltenes Krankheitsbild, das sich bereits beim Neugeborenen manifestiert. Diese Kinder dürfen keinesfalls Laktose erhalten.

Wenn beim Versuch, die verträgliche Laktosemenge zu ermitteln, Symptome auftreten, gibt es Möglichkeiten, diese zu behandeln?

Grundsätzlich kann man dafür sorgen, dass die Darmflora optimal ausgebildet ist. Ob dies dann aber eventuelle Beschwerden lindert, ist individuell verschieden. Auch die Substitution der Laktase empfehlen wir eher nicht, weil es bei Kindern schwierig ist, die optimale Dosis zu berechnen.

Frau Dr. Brunert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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