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Kuhmilchallergie Kind

Dr. med. Carsten Posovszky zum Thema: Kuhmilchallergie beim Kind - was tun, wenn sie bleibt?

Kuhmilchallergie beim Kind: Was tun, wenn sie bleibt?

Kann man den Kuhmilch-allergischen Kindern auch die bisherige Spezialnahrung weiterhin füttern?

Die bisherige Spezialnahrung, wie die Aminosäure-Formula, die keine Kuhmilcheiweiße enthält und als Eiweißquelle nur einzelne Aminosäuren beinhaltet, kann weiter verabreicht werden. Dies gilt auch für die extensiv hydrolysierte Formula, bei der das Eiweiß der Milch so stark aufgespalten ist, dass es nicht mehr allergen wirkt. Die Spezialnahrungen können auch als Milchersatz für die Zubereitung von Pudding und Soßen verwendet werden.

Eine altersadaptierte Spezialnahrung enthält mehr Energie in Form von Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten, als die Spezialnahrungen für Säuglinge. Außerdem ist bei der altersadaptierten Spezialnahrung der Mineralstoff- und Spurenelementgehalt höher, so ist z.B. der  Kalziumgehalt um 30 bis 50 Prozent höher, als bei therapeutischen Nahrungen für das 1. Lebensjahr.

Viele Kinder mit einer Kuhmilchallergie reagieren auch auf Soja allergisch. Sofern keine Sojaallergie vorliegt können nach dem ersten Lebensjahr auch Sojamilch und Sojaprodukte gefüttert werden.

Wie kann man sicherstellen, dass das Kind trotz Kuhmilchallergie gut mit Nährstoffen versorgt ist?

Wichtig ist, wie gesagt, dass die Eltern darauf achten, dass dem Kind trotz Verzicht auf Kuhmilch ausreichend Kalzium, Eiweiß und Vitamin D zugeführt wird. Gerade in Zeiten eines schnellen Wachstums müssen dem Kind ausreichend Nährstoffe zur Verfügung stehen.

Bei der individuellen Ernährungstherapie spielt deshalb bei uns ein 3-Tages-Ernährungsprotokoll eine wichtige Rolle. Mit Hilfe dieses Ernährungsprotokolls können die Ernährungsfachkräfte eine individuelle Beratung durchführen. Eltern und Patienten können sich bei Fragen des Alltagsmanagements auch an entsprechende Patientenorganisationen, wie den Deutschen Allergie- und Asthmabund „DAAB“ (www.daab.de) wenden.

Welche Alternativen zur Kuhmilch stehen zur Verfügung und wie sind sie zu bewerten?

Wie erwähnt, können grundsätzlich die therapeutischen kuhmilchfreien Spezialnahrungen im Kleinkindalter weiter verabreicht werden und auch eine altersadaptierte Spezialnahrung, die auf den Nähstoffbedarf von Kindern im Kleinkindalter abgestimmt ist, ist eine gute Option.

Nach dem vollendeten ersten Lebensjahr können aber zusätzlich kalziumreiche Mineralwasser mit mindestens 300 mg Ca/l, kalziumhaltige Gemüsesorten und mit Kalzium angereicherte Drinks angeboten werden.

Die Hafer-, Mandel-, und Reisdrinks sowie Kokosmilch aus dem Supermarkt erscheinen küchentechnisch als gute Alternativen. Allerdings sind nicht angereicherte Pflanzendrinks keine guten Eiweiß- und Kalziumlieferanten und eignen sich deshalb nicht als vollwertiger Kuhmilchersatz. Hafer- und Reisdrinks mit Kalzium kommen ebenfalls nur dann in Betracht, wenn die Kinder zusätzlich ausreichend lebenswichtige Nährstoffe über Fleisch, Getreide, Obst und Gemüse aufnehmen. Sojadrinks und Sojaprodukte mit Kalzium sind für nicht-Sojaallergiker eine Alternative.

Übrigens: Viele Eltern glauben, dass sie ihrem Kind mit Fruchtsäften und Smoothies, die mit Vitaminen und Kalzium angereichert sind, etwas Gutes tun. Aufgrund des hohen Fruktosegehaltes und der altersbedingten physiologischen Fruktosemalabsorption eignen sich mit Kalzium angereicherte Fruchtsäfte in dieser Altersgruppe aber nicht. Die Kinder bekommen davon häufig Bauchbeschwerden und Durchfälle.

Und noch ein Hinweis: Vitamin D ist grundsätzlich in unseren Breitengraden als Supplementation bei Säuglingen und Kleinkindern empfohlen.

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Zu Sojadrinks hört man auch kritische Stimmen, was weiß man über die potenzielle östrogenartige Wirkung von Soja?

Die Sicherheit Soja-basierter Säuglingsnahrungen wird immer wieder diskutiert, und man kommt hier zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Es finden sich bei Soja-ernährten Säuglingen erhöhte Werte von Phytoöstrogenen, das heißt pflanzlichen Hormonen, und Aluminium. Aufgrund dieser Östrogenwirkung werden sojabasierte Nahrungen im ersten Lebensjahr nicht empfohlen. Es finden sich jedoch bei Soja-ernährten Säuglingen keine Veränderungen im Spurenelementgehalt, Hämoglobinwert oder Wachstumsverhalten im Vergleich zu kuhmilchbasiert ernährten Kindern.

Weiter gibt es eine Studie an Frauen, die als Säuglinge zeitweise Soja-basierte Nahrungen erhielten. Der Studie zufolge leiden sie später häufiger an Menstruationsbeschwerden und nehmen zu 40 Prozent häufiger eine Antibabypille zur Kontrolle dieser Beschwerden. Dies wird auf die in der Sojamilch enthaltenen Phytoöstrogene zurückgeführt.

Außerdem sollte bedacht werden: Sojaeiweiß ist ein starkes Allergen und viele Kinder mit Kuhmilchallergie haben auch eine Sojaeiweißallergie. Insofern ist Soja für diese Kinder keine Alternative.

Herr Privatdozent Posovszky, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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