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Lars Lange Kuhmilchallergie Kind Allergieprävention Darmflora

Dr. Lars Lange zum Thema: Kuhmilchallergie beim Kind: Allergieprävention über die Darmflora!

Kuhmilchallergie beim Kind: Allergieprävention über die Darmflora!

Wie kommt es bei den Kindern, die durch einen Kaiserschnitt zur Welt kommen, zu einer abweichenden Bakterienbesiedlung?

Es gibt viele Einflüsse auf das Mikrobiom des Kindes bzw. auf die Zusammensetzung der Bakterien auf und in dem kindlichen Körper. Die Bildung dieses Mikrobioms beginnt bereits unmittelbar nach der Geburt, wobei auch schon im Bauch der Mutter (intrauterin) bereits Keime, die Teil des Mikrobioms sind, zum Kind gelangen.

Vaginal entbundene Kinder kommen durch die Vaginalflora der Mutter mit den entsprechenden Keimen in Kontakt und werden so an der Körperoberfläche und auch im Magen-Darm-Trakt mit den mütterlichen Keimen besiedelt. Typischerweise handelt es sich dabei um Keime wie zum Beispiel Laktobazillen und Bifidobakterien. Kinder, die durch einen Kaiserschnitt auf die Welt kommen, werden hingegen im Operationssaal und damit in einer sterilen Umgebung geboren, so dass eine Besiedlung mit den Keimen der Mutter beim Geburtsvorgang nicht stattfinden kann. Das Mikrobiom auf und im Körper von Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, unterscheidet sich deshalb von dem vaginal entbundener Kinder. Um dies auszugleichen gibt es Empfehlungen, die Kinder nach der Geburt mit dem Vaginalsekret der Mutter einzureiben. Dass hierdurch eine Beeinflussung möglich ist, konnte in einer Studie gezeigt werden. Ob dies auch den klinischen Verlauf veränderte, ist nicht untersucht worden.

Zurück zur Darmflora: Was weiß man zurzeit über die Interaktion zwischen den Bakterien der Darmflora und allergischen Erkrankungen, wie zum Beispiel der Kuhmilchallergie?

Es gibt Hinweise aus Studien, dass bestimmte Bakterien der Darmflora bestimmte Botenstoffe im Rahmen der Entzündung, beeinflussen und damit dem Immunsystem und der Entzündungsantwort eine bestimmte Richtung geben können. Hierzu werden zurzeit diverse Studien durchgeführt, auch zur Wirkung von Probiotika und Präbiotika, von denen wir uns weitere Hinweise erwarten.

Was weiß man zurzeit über die Wirkung von Probiotika und Präbiotika auf die Darmflora bzw. das Mikrobiom allergischer Kinder, zum Beispiel auch bei der Kuhmilchallergie?

Aktuell werden einige, darunter auch große Studien, zur Wirkung von Synbiotika auf das Mikrobiom allergischer und gesunder Kinder durchgeführt - mit dem Begriff Synbiotika, werden Probiotika, also die nützliche Bakterien und Präbiotika, die „Nahrung“ der Keime, zusammengefasst.

Im Rahmen einer gerade laufenden Studie zur IgE-vermittelten Kuhmilchallergie wird zum Beispiel das Probiotikum Bifidobakterium breve in Kombination mit Fructooligosachchariden (scFOS/lc FOS) verabreicht. scFOS und lc FOS sind Präbiotika, bestimmte Ballaststoffe, die bestimmte Bakterien in ihrem Wachstum sehr gut unterstützen. Ziel ist es, zu untersuchen, inwieweit die Ergänzung einer Nahrung um diese Synbiotika dazu führt, dass ein Kind die Kuhmilch wieder schneller toleriert.

Was empfehlen Sie Eltern, deren Kinder allergiegefährdet sind, oder bereits eine Kuhmilchallergie entwickelt haben?

Noch verstehen wir nicht alle Zusammenhänge zwischen Allergien und dem Mikrobiom bzw. der Darmflora und der Ergänzung der Nahrung um Synbiotika und der schnelleren Toleranzentwicklung. Prinzipiell ist die Wahrscheinlichkeit, dass Synbiotika einen Nutzen für allergiegefährdete Kinder haben, aber recht groß und dies kann sich auf vielen Feldern darstellen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Synbiotikagaben Koliken und funktionelle Darmbeschwerden beim Kind reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden fördern können. Zudem gibt es keinerlei Hinweise, dass eine Ergänzung der Nahrung um Synbiotika den Kindern in irgendeiner Weise schaden könnte. Auch wenn noch viele Fragen offen sind, ist es aus meiner Sicht sinnvoll, die Nahrung kuhmilchallergischer Kinder, sowohl bei IgE-vermittelter als auch bei nicht-IgE-vermittelter Kuhmilchallergie um Synbiotika zu ergänzen. Alle Bestandteile von Synbiotika sind auch natürliche Bestandteile der Muttermilch und kommen zudem im Darm vor. Es ist durchaus sinnvoll Synbiotika einzusetzen, um die Bakterienzusammensetzung allergiegefährdeter Kinde zu Gunsten der „guten Bakterien“ zu beeinflussen.

Herr Dr. Lange, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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