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Lars Lange Kuhmilchallergie Kind Allergieprävention Darmflora

Dr. Lars Lange zum Thema: Kuhmilchallergie beim Kind: Allergieprävention über die Darmflora!

Kuhmilchallergie beim Kind: Allergieprävention über die Darmflora!

Wenn ein Kind eine Kuhmilchallergie hat, verliert sich diese oft wieder bis das Kind ins Schulalter kommt. In manchen Fällen ist dies aber nicht der Fall. Dann kann die Kuhmilchallergie der Beginn eines allergischen Marsches sein. Auf die Kuhmilchallergie können dann weitere allergische Erkrankungen, wie Neurodermitis, Asthma, Pollenallergien und andere Nahrungsmittelallergien folgen. Ein zentrales Ziel der Allergieforschung ist es, eine Möglichkeit zu finden, in das allergische Geschehen zu einem frühen Zeitpunkt einzugreifen. Dabei ist eine positive Beeinflussung der Darmflora des Kindes durch nützliche Bakterien eine maßgebliche Option. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Lars Lange, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder-Pneumologe und Allergologe und Oberarzt in der Fachabteilung für Kinder- und Jugendmedizin am St. Marien-Hospital in Bonn über die Möglichkeiten einer Allergieprävention über die Darmflora bei Kindern mit Kuhmilchallergie.

Herr Dr. Lange, welche Rolle spielt die Darmflora bei der Kuhmilchallergie?

Es gibt Daten, die darauf hinweisen, dass die Darmflora für die Immunregulation generell sehr wichtig ist. Das bedeutet, die Darmflora hat einen Einfluss auf die Ausbildung der Reaktion des Körpers auf bestimmte Stoffe, wie zum Beispiel die Kuhmilch. Bei Kindern mit einer Kuhmilchallergie findet man im Mittel häufig ein anderes Mikrobiom, als bei Kindern, die nicht von einer Allergie auf Kuhmilch betroffen sind. Es gibt hierzu aber noch viele offene Fragen.

Kann man denn sagen, inwiefern sich die Darmflora von Kindern mit Kuhmilchallergie von der Darmflora gesunder Kinder unterscheidet?

Die Darmflora besteht aus vielen tausend verschiedenen Bakterienarten in sehr unterschiedlicher Zusammensetzung. Um sich der Frage nach dem Unterschied zwischen einer gesunden und einer nicht gesunden Darmflora zu nähern, vergleicht man deshalb das Mikrobiom gesunder und erkrankter Kinder nicht in seiner Gesamtheit, sondern man vergleicht ausgesuchte Bakterienstämme.

Bei Kindern mit Kuhmilchallergie, aber auch generell bei allergischen Kindern findet man eine etwas andere Darmflora als bei gesunden Kindern. Ebenso findet man bei Kindern, die durch Kaiserschnitt zur Welt kamen, eine andere Darmflora vor, als bei vaginal entbundenen Kindern. Am besten untersucht ist dies bei Kindern mit Ekzemen, das heißt mit Neurodermitis. Bei vielen dieser Kinder findet man zum Beispiel weniger Bifidobakterien in der Darmflora. Andere Studien wiederum kamen zu dem Ergebnis, dass Kinder mit stärkeren Ekzemen einen höheren Anteil an Clostridien in der Darmflora aufweisen.

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Es gibt die unterschiedlichsten Hinweise zur Andersartigkeit des Mikrobioms gesunder und allergischer Kinder. Die Schwierigkeit besteht darin, dass man in den Studien immer nur einen Teil der Bakterien der Darmflora untersuchen kann. Man kann das mit einem Dschungel vergleichen, in dem man eine solche Vielzahl der unterschiedlichsten Pflanzen findet, dass man sie nur nach und nach bestimmen kann.

Im Zusammenhang mit einer abweichenden Darmflora hört man häufig den Begriff „Dysbiose“ – was genau ist damit gemeint?

Eine Dysbiose beschreibt eine Abweichung. Von einer Dysbiose spricht man im Rahmen von Studien bei Kindern dann, wenn die Zusammensetzung des Mikrobioms einer Gruppe von Kindern von dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe im Hinblick auf den untersuchten Bakterienstamm abweicht.

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Man weiß aber auch, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora im Laufe des Lebens verändert. In verschiedene Studien konnte gut gezeigt werden, dass diese Veränderung bei kleinen Kindern sogar innerhalb weniger Monate auftreten kann. Das bedeutet konkret, das Darmmikrobiom eines Kindes direkt nach der Geburt unterscheidet sich von dessen Darmmikrobiom im Alter von zwei, fünf oder zehn Monaten, oder auch nach sieben Jahren etc. erheblich. Die Darmflora kann also in unterschiedlichem Alter sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein.


Wie kommt es bei den Kindern, die durch einen Kaiserschnitt zur Welt kommen, zu einer abweichenden Bakterienbesiedlung?

Es gibt viele Einflüsse auf das Mikrobiom des Kindes bzw. auf die Zusammensetzung der Bakterien auf und in dem kindlichen Körper. Die Bildung dieses Mikrobioms beginnt bereits unmittelbar nach der Geburt, wobei auch schon im Bauch der Mutter (intrauterin) bereits Keime, die Teil des Mikrobioms sind, zum Kind gelangen.

Vaginal entbundene Kinder kommen durch die Vaginalflora der Mutter mit den entsprechenden Keimen in Kontakt und werden so an der Körperoberfläche und auch im Magen-Darm-Trakt mit den mütterlichen Keimen besiedelt. Typischerweise handelt es sich dabei um Keime wie zum Beispiel Laktobazillen und Bifidobakterien. Kinder, die durch einen Kaiserschnitt auf die Welt kommen, werden hingegen im Operationssaal und damit in einer sterilen Umgebung geboren, so dass eine Besiedlung mit den Keimen der Mutter beim Geburtsvorgang nicht stattfinden kann. Das Mikrobiom auf und im Körper von Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, unterscheidet sich deshalb von dem vaginal entbundener Kinder. Um dies auszugleichen gibt es Empfehlungen, die Kinder nach der Geburt mit dem Vaginalsekret der Mutter einzureiben. Dass hierdurch eine Beeinflussung möglich ist, konnte in einer Studie gezeigt werden. Ob dies auch den klinischen Verlauf veränderte, ist nicht untersucht worden.

Zurück zur Darmflora: Was weiß man zurzeit über die Interaktion zwischen den Bakterien der Darmflora und allergischen Erkrankungen, wie zum Beispiel der Kuhmilchallergie?

Es gibt Hinweise aus Studien, dass bestimmte Bakterien der Darmflora bestimmte Botenstoffe im Rahmen der Entzündung, beeinflussen und damit dem Immunsystem und der Entzündungsantwort eine bestimmte Richtung geben können. Hierzu werden zurzeit diverse Studien durchgeführt, auch zur Wirkung von Probiotika und Präbiotika, von denen wir uns weitere Hinweise erwarten.

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Was weiß man zurzeit über die Wirkung von Probiotika und Präbiotika auf die Darmflora bzw. das Mikrobiom allergischer Kinder, zum Beispiel auch bei der Kuhmilchallergie?

Aktuell werden einige, darunter auch große Studien, zur Wirkung von Synbiotika auf das Mikrobiom allergischer und gesunder Kinder durchgeführt - mit dem Begriff Synbiotika, werden Probiotika, also die nützliche Bakterien und Präbiotika, die „Nahrung“ der Keime, zusammengefasst.

Im Rahmen einer gerade laufenden Studie zur IgE-vermittelten Kuhmilchallergie wird zum Beispiel das Probiotikum Bifidobakterium breve in Kombination mit Fructooligosachchariden (scFOS/lc FOS) verabreicht. scFOS und lc FOS sind Präbiotika, bestimmte Ballaststoffe, die bestimmte Bakterien in ihrem Wachstum sehr gut unterstützen. Ziel ist es, zu untersuchen, inwieweit die Ergänzung einer Nahrung um diese Synbiotika dazu führt, dass ein Kind die Kuhmilch wieder schneller toleriert.

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Was empfehlen Sie Eltern, deren Kinder allergiegefährdet sind, oder bereits eine Kuhmilchallergie entwickelt haben?

Noch verstehen wir nicht alle Zusammenhänge zwischen Allergien und dem Mikrobiom bzw. der Darmflora und der Ergänzung der Nahrung um Synbiotika und der schnelleren Toleranzentwicklung. Prinzipiell ist die Wahrscheinlichkeit, dass Synbiotika einen Nutzen für allergiegefährdete Kinder haben, aber recht groß und dies kann sich auf vielen Feldern darstellen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Synbiotikagaben Koliken und funktionelle Darmbeschwerden beim Kind reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden fördern können. Zudem gibt es keinerlei Hinweise, dass eine Ergänzung der Nahrung um Synbiotika den Kindern in irgendeiner Weise schaden könnte. Auch wenn noch viele Fragen offen sind, ist es aus meiner Sicht sinnvoll, die Nahrung kuhmilchallergischer Kinder, sowohl bei IgE-vermittelter als auch bei nicht-IgE-vermittelter Kuhmilchallergie um Synbiotika zu ergänzen. Alle Bestandteile von Synbiotika sind auch natürliche Bestandteile der Muttermilch und kommen zudem im Darm vor. Es ist durchaus sinnvoll Synbiotika einzusetzen, um die Bakterienzusammensetzung allergiegefährdeter Kinde zu Gunsten der „guten Bakterien“ zu beeinflussen.

Herr Dr. Lange, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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