Knieimplantat Metallunverträglichkeit Kontaktallergie

Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) zu Allergierisiken bei Knieimplantaten.

Knieimplantat - Metallunverträglichkeit - Kontaktallergie?

Woran merkt der Patient, dass er eine Kontaktallergie auf sein Knieimplantat hat?

Treten nach dem Einsatz eines Knieimplantats Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen im Knie auf, verschlechtert sich die Gehfähigkeit, könnte dies viele Ursachen haben. Häufige Gründe sind z.B. eine bakterielle Entzündung oder eine Fehlstellung bzw. Lockerung des Implantats. Auch auf einen gewissen Abrieb durch Verschleiß kann es zu, meist dumpfen, Schmerzen und Schwellungen am Knie kommen. Dies sollte also zunächst abgeklärt werden.

Seltener können Kniebeschwerden durch eine allergische Reaktion auf eines der Metalle in der Nickel-Chrom-Kobalt-Prothese hervorgerufen werden. Eine Metallallergie auf die Knieprothese entwickelt sich, wie gesagt, in den ersten drei Jahren nach Einsatz der Prothese. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es nach jahrelanger Beschwerdefreiheit plötzlich zu einer allergischen Reaktion kommt.

Besteht tatsächlich eine Metallallergie auf das Knieimplantat, beschränken sich die Beschwerden in der Regel allein auf das Knie. In extrem seltenen Fällen kann es auch an anderen Körperregionen zu Symptomen kommen. Möglich sind dann z.B. ein Ausschlag, Juckreiz oder Rötungen an der Haut, Schwellungen oder Kopfschmerzen.

Was genau löst die Metallallergie, d.h. die allergische Reaktion auf die Knieprothesen aus?

Bei Knieprothesen werden häufig Nickel-Chrom-Kobalt -Legierungen verwendet, weil diese ausgesprochen lange haltbar sind. Im Laufe der Zeit entsteht durch die ganz normale Bewegung des Knies ein feiner Metallabrieb, was bei Gelenkprothesen durchaus üblich und keineswegs problematisch für den Patienten ist. Problematisch wird der Metallabrieb erst dann, wenn das umliegende Gewebe mit allergischen Reaktionen auf eines der Metalle reagiert.

Welches Metall löst die Kontaktallergie auf das Knieimplantat aus, Nickel, Chrom oder Kobalt?

In der Vergangenheit ging man davon aus, dass  Nickel die Hauptursache für die Allergie auf die Knieprothese ist. Mit der Zeit gibt es aber immer mehr Anhaltspunkte dafür, dass nicht Nickel, sondern Chrom und Kobalt die Auslöser der allergischen Reaktionen sind. Eine Arbeitsgruppe in Hamburger konnte z.B. in typischen „Allergiegeweben“ einen extrem hohen Kobalt- und Chromgehalt nachweisen, aber keinen erhöhten Nickelgehalt.

Auch beim Knochenzement Polymethylmethacrylat (PMMA) können Patienten auf einen Bestandteil reagieren,  der allerdings flüchtig ist. 

Gibt es für Knieprothesen verträglichere Alternativen zu den Nickel-Chrom-Kobalt–Legierungen?

Alternativ zu den Nickel-Chrom-Kobalt -Legierungen kann man am Knie Titan-Implantate einsetzen, die deutlich seltener Allergien auslösen. Auch diese Modelle bestehen aus Nickel-Chrom-Kobalt –Legierungen, die jedoch mit einer Titan-Keramik- Beschichtung quasi „versiegelt“ ist. Es gibt auch Multi-Layer-Modelle, bei denen der Prothesenkern durch sieben verschiedene Schichten abgesichert ist.

Beide Modelle sind sehr hochwertig, so dass ein Abrieb der Schutzschichten weitgehend ausgeschlossen werden kann. Es gibt zwar keine langjährigen  Erfahrungen mit diesen relativ neuen Produkten, aber es gibt auch keine Hinweise auf eine schnellere Abnutzung. Allerdings: Völlig unmöglich  ist eine Kontaktallergie auch bei diesen Modellen nicht.  

Weiter sind Titan-Implantate und Multi-Layer-Modelle durchschnittlich 500 € teurer - als die Nickel-Chrom-Kobalt –Legierungen, die mit den Fallpauschalen für Knieimplantate abgedeckt sind. Es ist deshalb nicht möglich, für Knieprothesen standardmäßig Titanlegierungen zu nutzen – sie werden nur bei Patienten mit Allergien eingesetzt.  

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