Nickel Allergie Mund

Dr. Lina Gölz von der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Bonn fand heraus, dass Zahnspangen kaum Allergien auslösen, obwohl sie das Kontaktallergen Nickel enthalten. © Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Nickel-Allergie: Nickel verursacht im Mund selten Allergien!

Dendritischen Zellen - eine Schlüsselkomponente der frühen Immunabwehr

Eine Schlüsselkomponente der frühen Immunabwehr sind die dendritischen Zellen. Es war bereits bekannt, dass die dendritischen Zellen der Mundschleimhaut toleranter sind als die der Haut. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Mundschleimhaut ein Mikromilieu schafft, das diese tolerogenen Eigenschaften der oralen dendritischen Zellen begünstigen könnte“, erläutert Dr. Gölz. „Wir wollen diese interaktiven Prozesse nun genauer untersuchen.“

Eventuell lassen sich so neue molekulare Mechanismen identifizieren, die sich ganz allgemein zur Bekämpfung von Allergien nutzen lassen. So unterziehen sich beispielsweise Pollen-Allergiker oft einer langwierigen Immuntherapie. Dazu wird ihnen das Allergen in regelmäßigen Abständen unter die Haut gespritzt. Die körpereigene Abwehr soll sich so an die Pollen gewöhnen. Experten sprechen von Hyposensibilisierung. Als Alternative setzen die Ärzte seit knapp zwei Jahrzehnten immer häufiger auf die so genannte sublinguale Immuntherapie (SLIT). Bei dieser Form der Hyposensibilisierung tropft sich der Patient das Allergen unter die Zunge. Studien bescheinigen dieser Methode gute Erfolge. Die neue Studie verbessert möglicherweise das Verständnis der Prozesse, durch die es zu dieser Toleranzinduktion bei der SLIT kommt.

Zahnspangen gegen Nickelallergie?

Interessanterweise scheint auch eine kieferorthopädische Behandlung – etwa mit einer festen Zahnspange – die Entstehung einer Nickelallergie zu verhindern. Das konnte Dr. Gölz durch eine Analyse bereits veröffentlichter Studien zeigen. Dieser „protektive Effekt“ war vor allem bei Menschen zu beobachten, die sich erstmals ein Piercing setzen ließen, nachdem sie sich einer kieferorthopädischen Behandlung unterzogen hatten. „Schon die geringen Nickelmengen, die von den Spangen konstant in den Mundraum abgegeben werden, scheinen das Immunsystem zu desensibilisieren“, erklärt Dr. Gölz. „Eine Zahnspange wirkt somit gewissermaßen wie eine sublinguale Immuntherapie.“

Wer eine Zahnspange trägt, legt damit augenscheinlich also nicht nur die Basis für ein schönes Gebiss. „Ziel zukünftiger klinischer Studien wird sein, diesen Effekt an Patienten näher zu untersuchen“, sagt Dr. Gölz.

Publikation:

Lina Gölz, Elisa Vestewig, Moritz Blankart, Dominik Kraus, Thorsten Appel, Stilla Frede, Andreas Jäger: Differences in human gingival and dermal fibroblasts may contribute to oral-induced tolerance against nickel; DOI: 10.1016/j.jaci.2016.03.036

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