Handekzem Rauchen

PD Dr. Sonja Molin, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität München (LMU)

Chronisches Handekzem: Sind Raucher stärker gefährdet?

Kann man sagen, bei wie vielen Patienten mit Handekzem eine Sensibilisierung auf Nickel vorlag?

In unserer Untersuchung hatten 19,8 Prozent der Raucher auch eine Sensibilisierung auf Nickel.

Auch der Anteil von Patienten mit palmarer Hyperhidrose, d.h. Schweißhänden, war in Ihrer Untersuchung unter den Rauchern mit chronischem Handekzem deutlich erhöht. Kann man sagen, welche Erkrankung zuerst da war?

Leider kann man aktuell noch nicht sagen, was hier „Henne“ und was „Ei“ ist. Beide Phänomene haben aber mit der Hautbarriere zu tun. Man weiß, dass starkes Schwitzen an den Händen die Barrierefunktion der Haut an den Händen herabsetzt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Grund in einer Hyperhidrose an den Händen oder im Tragen von Gummihandschuhen liegt. Das Schwitzen stört die Barrierefunktion der Haut und es kommt leichter zur Entstehung von Ekzemen.

Gleichzeitig ist bekannt, dass das Nikotin selbst auch zu einer abnormen Schweißantwort führen kann. Der Hauptbotenstoff bei Schwitzen ist das Acetylcholin. Dieser Botenstoff bindet an Rezeptoren, an die auch das Nikotin binden kann. Dadurch wird allerdings eine abnorme Antwort ausgelöst, die zu vermehrtem Schwitzen führt. Dies wiederum kann zu einer gestörten Barrierefunktion und zum Eindringen von Kontaktallergenen führen und letztendlich zur Entstehung von Ekzemen. Auch Sekundärinfektionen mit z.B. Eiterkeimen können auftreten. Und: Rauchen begünstigt grundsätzlich eine Entzündung der Haut, ganz unabhängig von der Entstehung von Ekzemen!

In Ihrer Studie konnten Sie keine Unterschiede zwischen aktiven und ehemaligen Rauchern feststellen. Bedeutet das, dass eine durch das Rauchen verursachte Neigung zu Ekzemen lebenslang bestehen bleibt, unabhängig von der Anzahl der „rauchfreien“ Jahre?

Genau kann man das noch nicht sagen, aber es scheint durchaus einen längerfristigen Zusammenhang zu geben. Im klinischen Alltag der Hautklinik machen wir jedenfalls häufig die Erfahrung, dass ein Handekzem sich nicht sofort zurückbildet, nur weil der Patient aufhört zu rauchen. Möglicherweise benötigt die Haut einfach eine  gewisse Zeit, um sich zu erholen. Von einer lebenslangen Belastung würde ich aber nicht ausgehen.

Ist die Hautbarriere wieder funktionsfähig, wenn das Ekzem sich zurückgebildet hat?

Wenn das Ekzem nicht mehr da ist, funktioniert auch die Hautbarriere wieder. Eine Ausnahme sind Menschen mit einer atopischen Prädisposition. Diese Menschen neigen vererbungsbedingt dazu, mit Haut oder Schleimhäuten überempfindlich auf verschiedene Stoffe zu reagieren. Bei diesen Patienten ist die Hautbarriere dauerhaft beeinträchtigt und oft besteht eine Anlage zur Entwicklung von Neurodermitis.

Wird es eine Folgestudie geben? Falls ja, zu welchen Fragestellungen?

Wir werden auf jeden Fall die Fragestellung „Rauchen und Kontaktsensibilisierung“ genauer untersuchen. Geplant sind sowohl retrospektive als auch prospektive Auswertungen.

Frau Privatdozentin Molin, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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