Allergene in Kosmetikprodukten

Prof. Dr. med. Axel Schnuch, Leiter des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK) an der Universität Göttingen

Kontaktallergie: Wo verstecken sich die Allergene in Kosmetikprodukten?

Was halten Sie bei der Liste der "Established Allergens" des SCCS für problematisch?

Mit den entscheidenden Aussagen des SCCS zu den 6 problematischen Duftstoffen bin ich grundsätzlich einverstanden – hier gibt es keinen Dissens zwischen dem SCCS und der Sicht des IVDK.

In Bezug auf die Allergenität der weiteren 120 als "Established Allergens" bezeichneten Duftstoffe haben wir jedoch erhebliche Zweifel an der Richtigkeit dieser Darstellung, was wir auch in einer entsprechenden Stellungnahme zum Ausdruck gebracht haben. Weder gibt es für alle aufgeführten Stoffe wissenschaftliche Belege für eine Allergenität, noch ist es in der Praxis für die Kosmetikindustrie handhabbar, auf all diese Stoffe zu verzichten. Deshalb scheint mir das SCCS hier "über das Ziel hinausgeschossen" zu sein. Aus IVDK-Sicht problematisch in Bezug auf Allergien sind die folgenden Stoffe, auf die man verzichten sollte:

•    Eichenmoos

•    Baummoos

•    Lyral

•    Isoeugenol

•    Cinnamal

Andere Duftstoffe bergen geringere Gesundheitsrisiken. Und es gibt eben auch solche, die völlige harmlos sind. Diese sollten auch die Grundlage für die Entwicklungsarbeit der Parfümeure sein.

Sind Hautpflegeprodukte mit pflanzlichen Inhaltsstoffen verträglicher im Hinblick auf Allergien?

Nein, überhaupt nicht! Es macht keinen Unterschied, ob man z.B. natürliches Ylang-Ylang, das z.B. Isoeugenol enthält  oder die "künstliche" Entsprechung Isoeugenol als Duftstoff einsetzt. Unsere Datensätze zeigen deutlich, dass die allergischen Reaktionen auf ätherische Öle relativ hoch sind.  

Was empfehlen Sie Menschen mit zu Allergien neigender Haut bei der Auswahl von Hautpflegeprodukten?

Wenn eine Allergie gegen einen Duftstoff oder Konservierungsstoff besteht, sollte dies im Allergiepass verzeichnet sein. Beim Kauf von Kosmetikprodukten muss man dann das "Kleingedruckte" auf der Verpackung, die sogenannte INCI-Deklaration, sehr genau lesen und darauf achten, dass dieser Stoff im Produkt nicht enthalten ist.

Herr Prof. Schnuch, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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