Allergene in Kosmetikprodukten

Prof. Dr. med. Axel Schnuch, Leiter des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK) an der Universität Göttingen

Kontaktallergie: Wo verstecken sich die Allergene in Kosmetikprodukten?

Zurück zu den Konservierungsstoffen. Gibt es außer Methylisothiazolinon  noch weitere Allergene, die bei Kosmetika eine Rolle spielen?

Ja, hier gibt es noch das Iodopropinylbutyl carbamate und die Formaldehyd-Abspalter, die eine nicht so große Rolle spielen.

Formaldehyd selbst ist ein stärkeres Allergen und wird in Kosmetika nicht mehr eingesetzt, obwohl nach unseren Erkenntnissen Formaldehyd in niedrigen Konzentrationen kein Gesundheitsrisiko darstellt, aber durch die sogenannten Formaldehyd-Abspalter kann Formaldehyd dennoch in Kosmetika vorkommen.

Formaldehyd-Abspalter sind Moleküle, die in Kosmetika als Konservierungsstoffe eingesetzt werden. Sie können im Kosmetikprodukt selbst Formaldehyd freisetzen, das wiederum Sensibilisierungen auslösen kann. Formaldehyd-Abspalter können aber auch selbst Sensibilisierungen auslösen.

Weiter gibt es noch Konservierungsstoffe, die nur sehr selten zu Allergien führen, z.B. Benzylalkohol. Vor allem Phenoxyethanol führt extrem selten zu Allergien und wird sehr häufig eingesetzt. Allerdings ist Phenoxyethanol als Konservierungsstoff auch nicht sehr wirksam und muss daher mit anderen Stoffen kombiniert werden, z.B. mit Formaldehyd-Abspaltern. Und dann gibt es noch die Parabene, die ebenfalls selten Allergien hervorrufen und völlig zu Unrecht in Verruf gebracht wurden.

Warum werden Parabene von einigen Kosmetikherstellern nicht mehr zur Konservierung von Kosmetika eingesetzt?

Es gab Hinweise darauf, dass bestimmte Parabene eine endokrine Wirkung, d.h. eine hormonell beeinflussende Wirkung haben könnten, was auch in der Presse auf großes Echo hervorrief.

Allerdings wurde diese Behauptung bisher durch Studien nicht valide belegt. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung hat dazu im Jahr 2011 ausführlich Stellung genommen und den Einsatz bestimmter Parabene bis zu gewissen Höchstgrenzen für unbedenklich erklärt. Dennoch verzichtet ein Teil der Kosmetikindustrie  auf die Parabene und das Marketing nutzt die Kennzeichnung "parabenfrei", was beim  Verbraucher den Eindruck erweckt, es handele sich um ein Qualitätsmerkmal.

Was die Verbraucher meist nicht wissen ist, dass an Stelle der Parabene vermehrt Methylisothiazolinon eingesetzt wird. Dies ist, wie bereits besprochen, ein sehr starkes Allergen und der vermehrte Einsatz hat zu einem rapiden Anstieg der Kontaktallergien geführt. Gerade im Hinblick auf Allergien wären Parabene die bessere Lösung zur Konservierung von Hautpflegeprodukten, denn Parabene führen nur in äußerst seltenen Fällen zu Sensibilisierungen – aber dieser "Zug" lässt sich wohl nicht mehr aufhalten!

Wie sieht es bei Duftstoffen in Kosmetikprodukten aus – welche Stoffe können zu Sensibilisierungen führen?

Es gibt sehr viele Duftstoffe, die bei Kosmetikprodukten eingesetzt werden. Unter diesen vielen Duftstoffen sind einige ganz besonders problematisch - dazu gehören insbesondere z.B. Hydroxyisohexyl 3-cyclohexene carboxaldehyde (HICC), Atranol  und Chloratranol und diese Duftstoffe sollen auch demnächst EU-weit verboten werden.

Durch unser  Überwachungssystem des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK) haben wir sehr früh gemerkt, dass es sich bei Hydroxyisohexyl 3-cyclohexene carboxaldehyde (HICC), und bei Eichenmoos, das Atranol und Chloratranol enthält, um sehr potente Allergene handelt. Auch die  IFRA, das ist die International  Fragrance Association in Brüssel, hat sich jahrelang bemüht, durch wiederholte Empfehlungen die Konzentration dieser Stoffe in den Kosmetikprodukten abzusenken - schließlich ist die Menge in Bezug auf das Sensibilisierungsrisiko von Allergenen ein ganz entscheidender Faktor. Allerdings haben die Empfehlungen der IFRA keinen bindenden Charakter und es ist auch nicht klar, inwieweit sich die Kosmetikindustrie an die Empfehlungen der IFRA gehalten hat. Auch in den Jahren, in denen die IFRA sich für eine Absenkung der Konzentration ausgesprochen hat, stiegen die entsprechenden Sensibilisierungsraten kontinuierlich an bzw blieben konstant auf hohem Niveau. 

Weitere, im Hinblick auf Sensibilisierungen problematische Duftstoffe sind Isoeugenol, hierfür hat die EU gerade die erlaubte Konzentration begrenzt, Hydroxycitronellal und Zimtaldehyd.

Es gibt auch eine Reihe von Duftstoffen, bei denen es zwar zu Sensibilisierungen kommen kann, was aber nicht so häufig der Fall ist und viele Stoffe bereiten im Hinblick auf Allergien überhaupt keine Probleme. Deshalb haben wir aus Sicht des IVDK auch große Bedenken bezüglich der Liste der 126 "Established Allergens", die das Scientific Commitee for Consumer Savety (SCCS), das die EU Kommission berät, im Jahre 2012 herausgebracht hat.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.