Chemialien In Kinderkleidung uns Allergie

Barbara Mühlfeld, Kinderärztin in Bad Homburg und Pressesprecherin „Landesverband Hessen“ des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte

Allergien: Können Chemikalien in Kinderkleidung Allergien auslösen?

Sind Chemikalien, die Allergien auslösen können, kennzeichnungspflichtig bzw. wie erkennen die Eltern, welche Textilien Chemikalien enthalten?

Eine Einzelkennzeichnungspflicht, so wie z.B. bei Nahrungsmitteln, gibt es leider nicht. Etikettenhinweise wie "separat waschen" oder "knitterfrei", "schmutzabweisend", "antimikrobiell" können jedoch Hinweise geben. Dunkle Kleidung enthält häufig AZO-Farbstoffe, die besonders gerne Allergien auslösen.

Es gibt Label, die ökologisch hergestellte, verträgliche Kleidung kennzeichnen. Wie komplett "chemiefrei" die Kleider dann sind, ist aber von Label zu Label unterschiedlich. Die Eltern kommen nicht umhin, sich genau zu informieren – allerdings gibt es gerade im Internet und bei den entsprechenden Verbraucherorganisationen hierzu viele Möglichkeiten.

Was müsste sich aus Sicht des Berufsverbandes der Kinder und Jugendärzte ändern?

Zunächst müsste wesentlich mehr zu diesem Thema geforscht werden – das ist unsere wichtigste Forderung. Das Wissen um die potentielle Gesundheitsgefährdung ist insgesamt noch viel zu gering und wir brauchen dieses Wissen, um die von uns beobachteten Phänomene einordnen zu können.

Natürlich sollte gewährleistet werden, dass die Produktion von Kleidung allgemein, insbesondere aber von Kinderkleidung, ohne gesundheitsgefährdende Stoffe erfolgt – zum Schutze der Produzenten ebenso wie der Konsumenten! Hierzu gehört natürlich auch eine Deklarationspflicht der chemischen Substanzen, die im Herstellungsprozess zur Anwendung kommen. Vorstellbar wäre, dass sich aus der Herstellung chemikalienfreier Textilien für kleinere und mittlere Betriebe sogar ein Marktvorteil ergeben könnte.

Das Engagement der Verbraucher ist hier ebenso gefragt wie Anstrengungen der Hersteller, und natürlich brauchen wir neben einer Politik, die entsprechende Verordnungen erlässt und damit Verbraucherinteressen umsetzt und verantwortlich handelt, auch eine wirksame Kontrolle der Einhaltung dieser Vorgaben.

Vermutlich müsste sich vor allem aber auch die Haltung der Verbraucher ändern: Es muss vielleicht nicht alles nagelneu, todschick und dazu superbillig sein!

Frau Mühlfeld, herzlichen Dank für dieses Interview!

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