Chemialien In Kinderkleidung uns Allergie

Barbara Mühlfeld, Kinderärztin in Bad Homburg und Pressesprecherin „Landesverband Hessen“ des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte

Allergien: Können Chemikalien in Kinderkleidung Allergien auslösen?

Welche Allergien können durch Chemikalien in Textilien ausgelöst werden?

Vor allem Kontaktallergien, Kontaktekzeme, aber auch Neurodermitis, Nesselsucht (Urticaria) – also in der Regel Hauterscheinungen - können durch Chemikalien in Textilien ausgelöst werden. Oft merken es die Mütter, dass ihr Kind auf bestimmte Kleidungsstücke mit einem Ausschlag reagiert. Die Kontaktallergien zeigen sich dann an den Stellen, die besonders eng mit Textilien in Berührung kommen, z.B. in den Hautfalten, oder an Stellen, die für eine Neurodermitis gerade nicht typisch sind.

Solche Allergien findet man im Kindesalter noch selten, obwohl die Kinderhaut viel empfindsamer ist. Aber, weil die Haut dann noch dünn und durchlässiger ist, fürchten wir eine Sensibilisierung und eine Anbahnung der allergischen Reaktionen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter. Z.B. sehen wir als Pädiater häufig, dass Kinder, die sehr frühzeitig Ohrringe bekommen, später, in der Pubertät, eine Nickelallergie oder eine Kobaltallergie entwickeln.

Die Neurodermitis ist doch eine relativ häufige Hauterkrankung im Kindesalter…

Eine Neurodermitis im Kleinkindalter ist nicht zwangsläufig allergiebedingt – dies ist nur bei 30 bis 40 Prozent der neurodermitischen Kinder der Fall und dann spielen Nahrungsmittelallergien und Allergien auf Hausstaubmilben eine zentrale Rolle. Bei etwa 60 bis 70 Prozent der Kinder mit Neurodermitis  findet man aber keine auslösende Allergie. Oft verschwindet bei Kindern die Neurodermitis auch im Laufe der Jahre, häufig bereits im Alter von vier bis fünf Jahren.

Abgesehen von Allergien: Welche anderen Erkrankungen können durch Chemikalien in Textilien ausgelöst werden?

Andere Erkrankungen sind eigentlich wesentlich gravierender: Hormonähnliche Wirkungen zahlreicher Chemikalien, wie z.B. Weichmacher etc., bewirken Unfruchtbarkeit und Krebserkrankungen, gelangen, wie bestimmte Tenside,  in die Umwelt und haben Einfluss auf die Nahrungskette oder führen, wie die antimikrobiellen Substanzen,  zu einer vermehrten Resistenz von Bakterien gegen den therapeutischen Antibiotikaeinsatz. Andere Substanzen sind Nervengifte und führen zu entsprechenden Schädigungen,  wieder andere schädigen Drüsen wie die Schilddrüse oder die Leber. Auch Schädigungen des Immunsystems werden vermutet.

Hinzu kommt, dass sich die Wirkung dieser Chemikalien häufig erst zeitverzögert zeigt. In Tierversuchen hat man jedoch nachweisen können, dass die in Textilien eingesetzten Chemikalien gesundheitsgefährdende Wirkungen haben können. Wir vermuten deshalb, dass sie bei den besprochenen Erkrankungen eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

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