Berufsbedingtes allergisches Kontaktekzem

Prof. Dr. Franziska Ruëff von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Ludwig-Maximilians-Universität in München

Berufsbedingtes allergisches Kontaktekzem: Was tun?

Welche Möglichkeiten gibt es für Menschen, die ein beruflich bedingtes allergisches Ekzem haben? Ist ein Berufswechsel unabdingbar?

Wenn man einer versicherten Tätigkeit nachgeht, d.h. wenn der Arbeitsgeber- oder als Selbstständiger - man selbst in die gesetzliche Unfallversicherung eingezahlt hat, hat man einen gesetzlichen Anspruch auf eine Unterstützung durch die gesetzliche Unfallversicherung. Dieser gesetzliche Anspruch soll gewährleisten, dass die Betroffenen Hilfe erhalten, um ihrem Beruf möglichst weiter nachgehen zu können.

Oft sind Menschen ja in ihrem Wunschberuf tätig oder können nicht ohne weiteres wechseln, so dass sie darauf angewiesen sind, im Beruf zu verbleiben. Die ersten Maßnahmen zielen deshalb immer auf eine frühe Diagnostik ab.

Die Ursachen zu kennen ist sehr wichtig, um den Allergenkontakt zu unterbinden, z.B. durch den Wechsel auf andere Arbeitsmaterialien. Die zweite Maßnahme wäre es, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, z.B. durch das Tragen von Handschuhen. Kleine Änderungen können manchmal schon sehr hilfreich sein. Die dritte Maßnahme wäre die Verbesserung der Basisbehandlung bzw. Pflege und Therapie, um Ekzeme zur Abheilung zu bringen und die Haut besser zu schützen. Ist all dies nicht möglich oder führt nicht zum Erfolg, sollte man eine innerbetriebliche Umsetzung prüfen, d.h. Verbleib im Betrieb mit einer anderen Tätigkeit. Nur wenn dies auch nicht möglich ist, sollte man einen Berufswechsel bzw. eine Umschulung in Erwägung ziehen.

Wer unterstützt Patienten, die ein berufsbedingtes allergisches Ekzem haben?

Die gesetzlichen Unfallversicherungen bzw. die Berufsgenossenschaften sind gesetzlich verpflichtet, die Versicherten bei diesem Prozess zu unterstützen, mit dem Ziel, dass die Betroffenen im Beruf verbleiben können. Es gibt jedoch sehr unterschiedliche Handhabungen dieser Verpflichtung seitens der Berufsgenossenschaften – man muss schon sagen dass es Versicherungen gibt, deren Fokus überwiegend darauf liegt, Ansprüche abzuwehren. Ein sehr positives Beispiel ist die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienste und Wohlfahrtspflege – hier sind die Gesundheitsberufe wie Kranken- und Altenpflege, aber auch Kosmetik, Friseure etc. versichert. Diese Berufsgenossenschaft agiert sehr professionell und hat verstanden, dass sie nicht nur ihre Versicherten unterstützt, sondern auch Kosten spart, wenn sie alles dafür tut, dass die Betroffenen weiter arbeiten können – eine Umschulung oder Arbeitsunfähigkeit ist sehr viel teurer.

Auch Hautärzte sind gemäß eines Vertrages zwischen gesetzlichen Unfallversicherungen und Berufsverbänden gesetzlich dazu versichert, Patienten mit berufsbedingtem allergischen Ekzem zu beraten. Dermatologen, die sich mit der Zusammenarbeit mit Berufsgenossenschaften sehr gut auskennen, können hier sehr gut unterstützen. Allerdings kennt sich nicht jeder Dermatologe gut aus und verweist dann lieber auf entsprechende Kollegen.

Auf der Suche nach kompetenter Unterstützung sollten Patienten mit berufsbedingtem allergischen Ekzem auch nach speziellen "Berufsderma-Sprechstunden" an Kliniken bzw. Unikliniken Ausschau halten, denn dort werden Patienten kompetent beraten. Allerdings ist eine solche Beratung nur persönlich und nicht telefonisch möglich. Auch die Berufsgenossenschaften selbst kann man ansprechen – auf uns kommen häufig Patienten auf Empfehlung der gesetzlichen Unfallversicherungen zu.

Auf jeden Fall muss der Patient sich gut informieren und selbst aktiv dazu beitragen, dass eine korrekte Diagnose schnell erfolgt, dass die Berufsgenossenschaft umgehend informiert wird, dass die entsprechenden Maßnahmen für einen Verbleib im Beruf schnell ergriffen werden und dass all diese Maßnahmen auch gut dokumentiert werden. Nur wenn nachgewiesen werden kann, dass all dies geschehen ist und die Berufsgenossenschaft auch informiert wurde, sind Leistungen möglich. Auf keinen Fall sollte man daher auf Grund eines Allergieverdachtes seine Arbeit aufgeben und dann erst die gesetzliche Unfallversicherung informieren, denn dann kann die Leistung verweigert werden.

Welche Kosten werden von den Berufsgenossenschaften übernommen?

Die Berufsgenossenschaften übernehmen die Kosten für die Behandlung und teilweise auch die Kosten für die Basistherapie. Auch der Arbeitsplatz wird von den Berufsgenossenschaften besucht um zu überprüfen, wie der Hautschutzplan umgesetzt wird. Auch die Anfahrtskosten für die Behandlung werden von den Berufsgenossenschaften übernommen.

Wenn alle Maßnahmen nicht zum Erfolg führen, was tut man dann als vom berufsbedingten Allergischen Ekzem Betroffener?

Es kommt vor, dass es trotz aller gerade besprochenen Maßnahmen immer wieder zu allergischen Ekzemen kommt, wenn man seinen Beruf ausübt. Insbesondere bei Luft-übertragenen Allergenen, wie z.B. Klebstoffen – ein Beispiel ist Kolofonium, das beim Fliesenlegen oder Verlegen von Teppichböden verwendet wird - oder Epoxidharzen, die im Malergewerbe oder in der Modellbautechnik genutzt werden. Hier kann es passieren, dass die Betroffenen selbst den Umgang mit dem Allergen zwar vermeiden können, aber in ihrem Umfeld immer wieder damit konfrontiert werden, z.B. auf Baustellen. In diesen Fällen bleibt nur ein Berufswechsel, denn bleibt der Allergenkontakt weiter bestehen, kann sich das Krankheitsbild erheblich verschlimmern und weitere Sensibilisierungen können hinzukommen. Wenn ein gesundes beschwerdefreies Arbeiten nicht möglich ist, muss man die Reißleine ziehen. Dies sollte dann auch zeitnah erfolgen. Insgesamt kommt es natürlich immer auf die individuellen Umstände an. Bei einem jungen Menschen, der im Friseurberuf tätig ist, ist eine schnelle Umschulung sinnvoll. Bei einem älteren Menschen würde man sicher versuchen, eine Tätigkeit im angestammten Beruf zu ermöglichen.

Gab es eigentlich bei den traditionellen Feuchtberufen, wie Fischer oder Bäcker auch schon immer allergische Kontaktallergien oder ist dies eher eine neue Entwicklung?

Ich glaube, dass solche Allergien früher auch schon bestanden haben, dass man diese Beschwerden aber eher ignoriert hat. Gerade Berufe wie Bäcker oder Fischer wurden ja häufig vom Vater auf den Sohn vererbt und man hat nicht in Frage gestellt, in diesem Beruf weiterzuarbeiten, auch wenn es zu Beschwerden kam. Allerdings hat die Anzahl von chemischen Stoffen, mit denen man tagtäglich in Berührung kommt, in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Mit Nickel und Kobalt, z.B., hatte man auch schon vor 100 Jahren Kontakt, aber sehr viele Stoffe, z.B. Paraphenylendiamin, haben erst in den letzten Jahrzehnten weite Verbreitung gefunden und erst dadurch entstand ein neues Allergiepotenzial. 

Frau Prof. Ruëff, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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