Berufsbedingtes allergisches Kontaktekzem

Prof. Dr. Franziska Ruëff von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Ludwig-Maximilians-Universität in München

Berufsbedingtes allergisches Kontaktekzem: Was tun?

Welche Allergene sind in den jeweiligen Berufsgruppen potenzielle Auslöser für das Kontaktekzem?

Vor allem spiegelt das Muster der Kontaktsensibilisierungen, wie man sie in bestimmten Berufen findet, das Vorkommen der Allergene in diesen Berufen wider. Für Maurer z.B. ist Kaliumdichromat, das in Mörtel enthalten ist, ein häufiges Allergen. Zwar hat man versucht auf Kaliumdichromat als Bestandteil des Mörtels zu verzichten, aber es kommt immer wieder zu Allergenkontakten, u.a. z.B. in Abbruchhäusern. Bei den Friseuren beispielsweise ist neben den Duftstoffen auch Nickel ein häufiges Allergen. Nickelionen können sich aus den Metall-Arbeitswerkzeugen herauslösen, z.B. den Scheren oder den Mischschalen für die Färbemittel. Es gibt auch Haarfärbe- bzw. Dauerwellenprodukte, die Allergene enthalten.

Gibt es Häufungen in Bezug auf das Auftreten des allergischen Kontaktekzems bei bestimmten Allergenen oder bestimmten Berufsgruppen und spielt die Kontaktdauer eine Rolle?

Es gibt typische Verläufe bei bestimmten berufsbedingten Kontaktallergien. So gibt es z.B. Allergene, mit denen man über Jahrzehnte Kontakt haben muss, um eine Sensibilisierung zu entwickeln, man spricht hier von niedrigpotenten Kontaktallergenen. Ein klassisches Beispiel ist der Maurer, der mit über 40 oder 50 Jahren erstmals ein allergisches Kontaktekzem bekommt. Für die Betroffenen ist das ein großes Problem, denn Umschulungsmaßnahmen werden in diesem Alter nicht mehr so gern durchgeführt, aber ein Verbleib im Beruf ist manchmal unmöglich.

Es gibt aber umgekehrt auch ausgesprochen aggressive Kontaktallergene, z.B. Acrylate, die im zahnmedizinischen Bereich, d.h. bei Zahntechnikern, Zahnarzthelferinnen und Zahnärzten eine Rolle spielen können. Für den Patienten, der mit zahnmedizinischen Produkten versorgt wird, besteht allerdings keine Gefahr, denn der Allergenkontakt ist hier viel geringer. Zudem weiß man um die Allergenität der Acrylate und trifft die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen – Zahnprothesen werden z.B. ausgekocht, um Spuren der Acrylate zu beseitigen. Aber es kommt auch vor, dass auch die damit versorgten Patienten auf die geringen Mengen an freigesetzten Acrylaten aus Zahnprothesen allergisch reagieren.

Übrigens kann ein erster Allergenkontakt über die Mundhöhle auch dazu beitragen, dann man eine Toleranz gegen diese Allergene entwickelt. So hat man z.B. festgestellt, dass Menschen, die in der Kindheit Zahnspangen getragen haben, als Erwachsenen seltener eine Nickel-Allergie entwickeln. Auch in Japan gibt es hierzu interessante Beobachtungen Die Blüten von Chrysanthemen werden dort als Salat gegessen. Erwachsene, die als Kinder häufig diese Blüten gegessen haben, entwickeln ebenfalls seltener eine Allergie gegen die Pflanze, wenn es zu einem Hautkontakt kommt. Offensichtlich kann es über die Mundhöhle zu einem Gewöhnungseffekt, bzw. zu einer natürlichen Toleranzentwicklung kommen.

Aber zurück zu den Allergenen: Es gibt einen Indikator für eine Farbstoffallergie, Paraphenylendiamin, das sehr weit eingesetzt wird und eine Allergenverwandtschaft mit zahlreichen Stoffen hat. Wenn Paraphenylendiamin hochkonzentriert und entsprechend lange mit der Haut in Kontakt kommt, kann sehr rasch eine Sensibilisierung erfolgen. Wir sehen leider nicht selten, daß bereits Kinder und Jugendliche aus dem Urlaub eine für die spätere Berufswahl einschränkende Allergie gegen diesen Stoff mitbringen, der zur Farbintensivierung von Henna-Tattoos eingesetzt wird, die ohne diesen Zusatz eigentlich nicht gefährlich wären.

Wie vermeidet man es, dass eine allergische Kontaktallergie überhaupt erst entsteht?

Wichtig ist in der Tat die primäre Prävention. Gerade hatten wir eine Patienten, die Veterinärmedizinerin ist und eine Allergie gegen tierische Sekrete entwickelt hat. Dabei stellte sich heraus, dass die Tierärzte, z.B. bei der Arbeit mit kalbenden Kühen, keine speziellen Schutzhandschuhe tragen. Hier fragt man sich schon, ob diese Sensibilisierung nicht durch geeignete Schutzmaßnahmen hätte verhindert werden können. Eine andere wichtige Maßnahme sind gesetzliche Sicherheitsvorschriften zum Verbot oder  der Reduktion besonders gefährlicher Allergene am Arbeitsplatz. Leider hat man da auf europäischer Ebene auch Chancen verpasst, z.B. Euro-Münzen ohne Nickel herzustellen.

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