Tätowierung Tattoo Allergie Problemfarbe Rot

Dr. med. Klaus Hoffmann im Interview zum Thema: Tätowierung – Tattoo - Allergie - und der Problemfarbe Rot!

Tätowierung – Tattoo - Allergie: Problemfarbe Rot!

Tattoos sind ausgesprochen beliebt, aber nicht ohne Risiken. Unter anderen kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Das gilt für alle Tätowierfarben, aber besonders häufig ist die Farbe Rot betroffen. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Klaus Hoffmann, Leiter der Abteilung für ästhetisch operative Medizin und Zentrum für Lasermedizin (ZELM) an der an der Universitätshautklinik Bochum darüber, was man über die Wirkung von Tattofarben im Körper weiß, bzw. nicht weiß und über die Problemfarbe Rot.

Herr Dr. Hoffmann, was macht den Farbstoff Rot bei Tätowierungen allergen?

Zunächst einmal ist festzustellen, dass es „den Farbstoff Rot“ nicht gibt. Damit ist der Farbstoff Rot nicht definiert und somit kann man ihn auch nicht sicher fassen und diese Frage beantworten.

Es gibt Arbeiten in verschiedenen Arbeitsgruppen weltweit, die sich damit beschäftigen, überhaupt erst einmal die einzelnen Farbstoffe mit entsprechenden wissenschaftlichen Methoden zu analysieren, die sich in allergiebehafteten Tattoos befinden. Hier bleibt abzuwarten, was dies ergibt.

Richtig ist, dass es eine Verbotsliste gibt, die von der Europäischen Union aufgestellt wurde und die definiert, was nicht benutzt werden darf. Hier kommen z.B. keine Schwermetalle oder Ähnliches mehr infrage. Es gibt aber keine Positiv-Liste für einen Tattoo-Farbstoff.

 

Es gibt aber wohl Unterschiede zwischen der Tattoo-Farbe Rot und den anderen Farbstoffen….

Was man relativ sicher weiß ist, dass die Farbstoffe - und hier ist eben Rot aufgrund des chemischen Aufbaus am ehesten dazu geeignet-, sich an ein Eiweiß koppeln, um damit überhaupt als Hapten später als Allergie wirksam zu werden.

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Durch welche Symptome zeigt sich die Allergie aufgrund eines Tattoos?

Die dann folgenden Reaktionen sind mannigfaltig. Sie umfassen rein klinisch eine plaque-artige Verdickung, exzessive Hyperkeratosen – das sind übermäßige Verhornungen der Haut - das Ganze mit oder ohne Juckreiz. Histologisch sieht man in aller Regel eine heftige Entzündungsreaktion, die granulomatös sein kann, das heißt es kommt zu knötchenförmigen Gewebeneubildungen.

Es ist richtig, dass derartige Reaktionen besonders häufig auf die Farbe Rot auftreten.


In welchem zeitlichen Abstand zur Tätowierung zeigen sich Allergiesymptome?

Einen sicheren Zeitabstand gibt es ebenfalls nicht.

Es kommt hier immer auf die Menge des Farbmaterials an, das eingebracht wird. Ebenso spielt sowohl die Fähigkeit des einzelnen Organismus, den Farbstoff zu koppeln, eine Rolle, als dann auch die allergene Wirkung auf das Individuum. Feste Regeln gibt es, wie bei allen anderen Allergien, eher nicht.

Welche Therapieoptionen bestehen bei einer Allergie auf das Tattoo?

Die Therapieoption bei einer Allergie auf ein Tattoo besteht im Wesentlichen darin, dass zunächst versucht wird, die Allergie mittels Kortikoid, also mit Kortison, zurückzudrängen. In einigen wenigen Fällen geht dies.

Sollte dies nicht gelingen, ist in aller Regel eine Exzision notwendig. Das bedeutet, das tätowierte Gewebe muss chirurgisch entfernt werden Laserbehandlungen sind in aller Regel nicht erfolgversprechend.  

 

Entfernt man mit der Exzision des Tattoos tatsächlich alle Allergene oder könnten sich diese mittlerweile in andere Bereiche des Körpers ausgebreitet haben?

Ja, bei uns kam es noch nie zu einem Rezidiv, das heißt, zu einem Wiederauftreten der allergischen Symptome, wenn der betroffene Herd exzidiert, das heißt entfernt, wurde.

Lässt sich vor einer Tätowierung feststellen, ob einen Sensibilisierung gegen einen Farbstoff besteht?

Eine sichere Vorab-Testung gibt es nicht.

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Gibt es allergenarme bzw. empfehlenswerte Tatoofarben?

Es gibt auch keine sicher allergenarmen Tattoo-Farben.

Allerdings sind die Reinheitsgrade der verschiedenen Hersteller schon deutlich unterschiedlich. Eine gute Tattoo-Farbe zeichnet sich dadurch aus, dass ein Sicherheitsdatenblatt vorliegt. Dieses sollte der Tätowierer auch bei Auftreten von Allergien vorhalten. Es besteht allerdings nicht, wie bei anderen Medizinprodukten, eine Dokumentationspflicht.

Eine Fachveranstaltung, bei der sich Mediziner und Tattoo-Profis zu aktuellen Themen austauchen können ist die Cosmedica. Sie findet am 2. März 2019 im Hörsaalzentrum am St. Josef-Hospital, im Klinikum der Ruhr-Universität Bochum statt. Interessierte sind herzlich eingeladen!

Herr Dr. Hoffmann, herzlichen Dank für dieses Interview!

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