Berufsallergien

Prof. Dr. med. Hans Drexler, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg

Berufsallergien: Wo verstecken sich Allergene - welche Maßnahmen sind sinnvoll?

Welche Branchen bzw. Berufsgruppen sind am häufigsten von Allergien betroffen?

Der von allergischen Kontaktekzemen am häufigsten betroffene Beruf ist der Friseurberuf. Bei Frisören spielen allerdings auch Atemwegserkrankungen eine Rolle, teils allergiebedingt, wie z.B. bei Blondierungsmitteln, teils irritativ, wie sie durch einige der eingesetzten Hilfsmittel verursacht werden.

Gleich nach den Frisören kommt die Baubranche. Hier hat sich die Situation einerseits durch den Einsatz chromatfreier Zemente sehr gebessert – die Zahl der Neusensibilisierungen geht deutlich zurück. Andererseits kommen in den am Bau verwendeten Produkten immer häufiger Chemikalien zum Einsatz, z.B. die schon erwähnten Epoxidkleber, und diese enthalten sehr starke Allergene. Gefährdet sind hier allerdings nur die an der Produktion bzw. Anwendung beteiligten Personen. Verbraucher bzw. die Nutzer der fertigen Produkte sind nicht gefährdet, es sei denn sie nutzen Komponentenkleber aus dem Baumarkt als Heimwerker.

Ist die Tatsache, dass bestimmte Berufsgruppen von Allergien sehr häufig betroffen sind ein Hinweis auf die Potenz des jeweiligen Allergens?

Wenn eine Berufsgruppe häufig von Allergien betroffen ist, so wie die Bäcker von der Mehlstauballergie, dann heißt das durchaus nicht, dass Mehl ein potentes Allergen ist. Es sagt lediglich aus, dass eine relativ große Berufsgruppe mit dem Allergen in Berührung kommt. Labortierstaub ist ein wesentlich potenteres Allergen, aber es gibt einfach deutlich weniger Menschen, die in Laboren arbeiten, als Bäcker.

Auch Nickel fällt in diese Kategorie. Wenn ein schwaches Allergen wie Nickel so häufig eingesetzt wird, dass quasi die gesamte Bevölkerung damit vermehrt in Kontakt kommt, wird es häufig zu Nickel Allergien kommen. Das heißt dann aber nicht, dass Nickel ein starkes Allergen ist, sondern nur, dass es extrem stark verbreitet ist.

Ein Gegenbeispiel hierzu: Das meiner Kenntnis nach stärkste Inhalationsallergen sind Platinsalze. Diese Platinsalze verursachen bei über 50 Prozent aller Exponierten Allergien vom Soforttyp. Aber es gibt in Deutschland nur einen einzigen Betrieb, der mit Platinsalzen arbeitet und dieser kennt die Problematik und ergreift entsprechende Schutzmaßnahmen. Dementsprechend spielen Platinsalze als Allergen in Deutschland keine Rolle, obwohl es sich um ein sehr potentes Allergen handelt.

Man unterscheidet zwischen hochmolekularen Berufsallergenen und niedermolekularen Berufsallergenen. Was ist der Unterschied?

IgE-vermittelte Allergien vom Soforttyp können nur dann eine allergische Reaktion auslösen, wenn die Moleküle groß genug sind, zwei IgE-Antikörper auf die Oberfläche bestimmter Zellen zu überbrücken und das sind die großen natürlichen Eiweiße biologischen Ursprungs, wie z.B. Gräser Birkenpollen, Hausstaubmilben, Latex etc.. Diese hochmolekularen Allergene sind so groß, dass man sie auch elekronenmikroskopisch sehen kann und nicht nur molekular.

Niedermolekulare Verbindungen, sprich Allergene aus Chemikalien, sind so klein, dass sie an ein körpereigenes Eiweiß binden müssen, um dann zusammen mit diesem groß genug zu sein um die allergische Reaktion auslösen zu können. Das heißt, kleine Moleküle, also niedermolekulare Allergene, können eine Soforttypallergie nur dann auslösen, wenn sie reaktionsfreudig sind und mit menschlichen Eiweißen eine Bindung eingehen. Dazu sind nur relativ wenige chemische Substanzen im Stande, z.B. die sogenannten Isocyanate, die u.a. als Bausteine für Kunststoffschäume Verwendung finden. Kontaktallergene, die allergische Reaktionen an der Haut hervorrufen, sind alle niedermolekular.

Bei der Hauttestung kann man die Proteine verwenden und sieht im positiven Fall eine Quaddel innerhalb von 20 Minuten nach Kontakt. Die niedermolokularen Verbindungen zeigen nur dann eine Reaktion, wenn sie zuvor im Labor an ein menschliches Eiweiß (z.B. Albumin) gebunden wurden. Im Blut lassen sich für diese Allergene spezifische IgE-Antikörper nachweisen.

Auch bei den Kontaktallergenen findet in der Haut eine Bindung an menschliche Eiweiße statt, weil auch hier das Immunsystem auf sehr kleine Moleküle nicht reagieren würde. Die Fremdstoff-Eiweißverbindung  verursachen eine zelluläre Allergie, bei der Immunzellen die Hautzellen angreifen. Bei der Testung kann die niedermolekulare Verbindung auf die Haut aufgetragen werden. Dort erfolgt meist spontan die Bindung an Eiweiße und drei Tage nach Aufbringen der Substanz im Epikutantest zeigt sich im positiven Fall ein kleines Kontaktekzem. Eine Blutuntersuchung für den Praxisalltag steht bei der Allergie vom verzögerten Typ leider nicht zur Verfügung.

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