Konservierungsstoffe Hautpflegeprodukte

Dr. Wolfgang Röcher, Fachbereichsleiter Hautschutzmittel (FBH) beim Bundesverband Handschutz e.V. und Scientific Communications Manager bei der Deb-STOKO Europe GmbH zu Konservierungsstoffen in Hautpflegeprodukten!

Wozu braucht man Konservierungsstoffe in Hautpflegeprodukten?

Im Zusammenhang mit Konservierungsmitteln in Produkten zur Hautpflege wurden in den letzten Jahren Parabene sehr kontrovers diskutiert …

Parabene sind eine große Gruppe von Konservierungsmitteln, die sogenannten Para-Hydroxybenzoesäureester, die man grob in kurzkettige, z.B. Methyl-, Ethyl- und Propyl-, Butylparaben, und langkettige Parabene, z.B. Isopropylparaben, einteilen kann.

Die kurzkettigen Parabene gehören laut Aussage von Experten zu den am besten verträglichen Konservierungsmitteln. Einige langkettigen Parabene wurden verboten. Dies aber nicht, weil die Gefährlichkeit nachgewiesen wurde, sondern weil dem SCCS nicht genügend Daten zur Bewertung vorlagen, z.B. Penetrationsdaten durch die menschliche Haut.

Und warum ist der Einsatz von Parabenen in Hautpflegeprodukten so umstritten?

Parabene werden aus zwei Gründen diskutiert:

1. wegen einer möglichen krebserzeugenden Wirkung und

2. aufgrund möglicher hormonähnlicher Wirkungen.

Zur krebserzeugenden Wirkung von Parabenen gibt es eine Studie von Darbre et al. [3], die aber nach Expertenmeinungen erhebliche Schwächen aufweist. Dazu hat z.B. das SCCS Stellung bezogen [4]. Der Zusammenhang "Parabene und Krebs" gilt als nicht belegt.

Im Tierversuch kann durch sehr hohe Dosen von einigen Parabenen eine hormonähnliche Wirkung erzielt werden. Ob das auf den Menschen übertragbar ist, ist unklar, aber aufgrund fehlender Daten hat das SCCS den Einsatz einiger langkettiger Parabene verboten.

Immer häufiger werden Hautpflegeprodukte jetzt in Vakuumlösungen angeboten, was ist davon zu halten?

Eine vakuumähnliche Lösung wird im beruflichen Bereich, z.B. durch die Ausgabe aus geschlossenen Spendersystemen erreicht. Hier hat das Produkt keinen Kontakt zur Umwelt, anders, als z.B. bei Nachfüllspendersystemen, da es sich in einer geschlossenen Flasche befindet und die Ausgabe durch ein luftdichtes Ventil erfolgt.

Man kann bei Arzneimitteln sehen, welchen Aufwand es bedeutet, sterile Produkte herzustellen. Die Sterilität auch bei der Entnahme aufrecht zu erhalten ist eine weitere Herausforderung. Das wäre alles technisch möglich, der Verbraucher würde aber den Preis dafür nicht bezahlen. Ich denke es wäre auch gar nicht notwendig, da wir mit den bestehenden Produkten und dem Risikomanagement für kosmetische Inhaltsstoffe ein gut funktionierendes System haben. Reaktionen auf kosmetische Mittel sind sehr selten, nach Daten des IKW gibt es eine Unverträglichkeitsreaktion auf 1 Million verkaufte Einheiten.

Worauf sollten Verbraucher achten generell achten, insbesondere bei bestehenden Hautallergien?

Man sollte durch einen Dermatologen bzw. Allergologen testen lassen, wogegen man sensibilisiert ist. Kennt man die Stoffe, lässt sich durch den Abgleich des Allergiepasses mit der INCI-Liste feststellen, ob das Produkt Inhaltsstoffe enthält, welche man nicht verträgt. Das ist ein seit Jahren etabliertes und bewährtes System, hier war die Kosmetik schon früher viel weiter als z.B. bei der Kennzeichnung bei Lebensmitteln.

Setzt man die Häufigkeit des Einsatzes kosmetischer Produkte ins Verhältnis zu bestätigten Unverträglichkeitsreaktionen, wird man erkennen, dass kosmetische Produkte sehr sicher sind. Der IKW (Industrieverband Körperpflege und Waschmittel) spricht aufgrund der Auswertung von Statistiken über Unverträglichkeitsreaktionen von einer Unverträglichkeitsreaktion auf eine Million verkaufter Verpackungen.

Daten zur Häufigkeit erhebt der IVDK (Informationsverbund Dermatologischer Kliniken). Die Daten dokumentieren das Ergebnis der Testungen in der "Epikutantestbevölkerung", d.h. bei Personen, die einem Epikutantest unterzogen wurden. Wie es in der Allgemeinbevölkerung aussieht, ist schwer zu sagen.

Und noch ein weiterer Punkt: "natürlich", "pflanzlich" oder "bio" bedeutet im Zusammenhang mit Allergien nicht, dass hier ein niedrigeres Allergiepotenzial vorliegt. Es gibt sehr viele überaus potente natürliche Allergene. Ein sehr reiner synthetischer Stoff kann aus allergologischer Sicht vorteilhafter sein als ein natürlicher Stoff.

Herr Dr. Röcher, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

Quellen:  

[1] AM Giménez-Arnau et al., Contact Allergy to Preservatives: ESSCA* Results With the Baseline Series, 2009-2012, 2016 J European Academy of Dermatology and Venereology, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/labs/articles/27896884/

[2] Technical document on cosmetic claims 3 July 2017file:///C:/Users/E156606/Downloads/technical_document_claims_en.pdf

[3] Darbre PD, Aljarrah A, Miller WR, Coldham NG, Sauer MJ, Pope GS, Concentrations of parabens in human breast tumours, J Appl Toxicol. 2004 Jan-Feb;24(1):5-13, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14745841

[4] SCIENTIFIC COMMITTEE ON CONSUMER PRODUCTS SCCP Extended Opinion on Parabens, underarm cosmetics and breast cancer. https://ec.europa.eu/health/ph_risk/committees/04_sccp/docs/sccp_o_00d.pdf

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