Konservierungsstoffe Hautpflegeprodukte

Dr. Wolfgang Röcher, Fachbereichsleiter Hautschutzmittel (FBH) beim Bundesverband Handschutz e.V. und Scientific Communications Manager bei der Deb-STOKO Europe GmbH zu Konservierungsstoffen in Hautpflegeprodukten!

Wozu braucht man Konservierungsstoffe in Hautpflegeprodukten?

Und wie häufig sind Sensibiliserungen auf Konservierungsmittel?

In einer Auswertung von Epikutantests wurde untersucht, auf welche Stoffe Patienten Sensibilisierungen aufweisen, allerdings konnte man nicht sagen, woher die Sensibilisierungen stammten. [1]

Hier zeigte sich, dass mit 4,5 Prozent viele Reaktionen auf Methylisothiazolinon (MI) bzw. mit 4,1 Prozent auf Mischungen aus MI und Methylchloroisothiazolinon (MCI) zu verzeichnen waren. Diese Konservierungsmittel werden in vielen technischen Produkten, wie z.B. Farben, Haushaltsreinigern, Kühlschmierstoffen etc. eingesetzt und zwar in hohen Konzentrationen.

In kosmetischen Mitteln dürfen diese Stoffe nur in rinse off-Produkten, d.h. z.B. Reinigern, und in sehr geringen Konzentrationen eingesetzt werden. Ich halte eine MI/MCI-Sensibilisierung durch kosmetische Mittel für sehr unwahrscheinlich. Wenn jemand gegen MI/MCI sensibilisiert ist, sollten natürlich entsprechende kosmetische Mittel nicht eingesetzt werden.

Gehen Sie davon aus, dass die Sensibilisierung auf diese Konservierungsmittel über die technischen Produkte erfolgt? Wenn ja, müsste dann dort deren Verwendung eingeschränkt werden?

In Oberflächenreinigern werden z.B. Konservierungsstoffe schon deklariert. In Farben, Lacken oder anderen Zubereitungen aber nicht.

Welche Konservierungsstoffe sind in Produkten zur Hautpflege deklarationspflichtig?

Grundsätzlich sind alle in einem kosmetischen Produkt enthaltenen Stoffe deklarationspflichtig. Nur technisch unvermeidbare Verunreinigungen der Inhaltsstoffe müssen nicht deklariert werden.

Welche Substanzen gehören bei Hautpflegeprodukten zu den technisch unvermeidbaren Verunreinigungen, in welchen Mengen können sie auftreten und inwiefern können sie zu allergischen Reaktionen führen?

Es handelt sich nur um Spuren aus der Herstellung der Rohstoffe die erfahrungsgemäß keine allergologische Relevanz besitzen.

Es gibt zunehmend Hautpflegeprodukte, die das Label „frei von Konservierungsstoffen“ tragen, was bedeutet das?

„Frei von Konservierungsstoffen“ kann bei Kosmetikprodukten erstens bedeuten, dass keine Stoffe mit konservierender Wirkung eingesetzt werden. Wasserfreie Produkte oder Produkte in denen das Wasser gebunden wird, z.B. durch Sorbitol, das zu einem „Marmeladen-Effekt“ führt, brauchen nicht konserviert werden, da ohne Wasser kein mikrobielles Wachstum stattfinden kann.

Zweitens kann das bedeuten, dass keine "klassischen", d.h. in der Kosmetikverordnung aufgeführten bioziden Konservierungsmittel genutzt werden, sondern Stoffe mit einer primären Wirkung, wie z.B. Feuchthaltung, Lösemittel, Parfüm etc., und einer sekundären konservierenden Wirkung.

Da diese in der Kosmetikverordnung nicht als Konservierungsmittel erwähnt sind, wird das von Herstellern als "frei von Konservierungsmitteln" bzw. "frei von klassischen Konservierungsmitteln" bezeichnet. Nach der Empfehlung der EU-Arbeitsgruppe für Produktclaims [2] sollte "frei von Konservierungsmitteln" bedeuten, dass gar keine Stoffe mit einer konservierenden Wirkung enthalten sind.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.