Konservierungsstoffe Hautpflegeprodukte

Dr. Wolfgang Röcher, Fachbereichsleiter Hautschutzmittel (FBH) beim Bundesverband Handschutz e.V. und Scientific Communications Manager bei der Deb-STOKO Europe GmbH zu Konservierungsstoffen in Hautpflegeprodukten!

Wozu braucht man Konservierungsstoffe in Hautpflegeprodukten?

Konservierungsstoffe in Hautpflegeprodukten werden immer wieder kontrovers diskutiert. und so mancher Verbraucher würde sich wünschen, man könnte auf sie verzichten. Allerdings würde damit auch die Haltbarkeit der Kosmetikprodukte sinken, und das ist für Viele auch nicht akzeptabel. Wie sehen die Hersteller von Hautpflegeprodukten das Thema „Konservierungsstoffe“? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Wolfgang Röcher, Fachbereichsleiter Hautschutzmittel (FBH) beim Bundesverband Handschutz e.V. und Scientific Communications Manager bei der Deb-STOKO Europe GmbH in Krefeld.

Herr Dr. Röcher, wozu braucht man Konservierungsstoffe in Hautpflegeprodukten?

Hersteller von Hautpflegeprodukten sind verpflichtet, ein mikrobiologisches Qualitätsmanagement zu etablieren, um die Sicherheit der Verbraucher zu gewährleisten.
Nach der Produktion haben kosmetische Mittel einen sehr geringen Keimgehalt an harmlosen Keimen bis zu maximal 1000 Keimen (103KBE) pro Gramm Produkt, denn eine vollständig sterile Produktion ist mit einem vertretbaren Aufwand nicht zu erreichen. Damit diese wenigen Keime sich nicht vermehren und vor allem, um zu verhindern, dass sich während der Benutzung ins Produkt gelangte pathogene Keime vermehren, werden in Mitteln zur Hautpflege Konservierungsmittel eingesetzt.

Die Wirksamkeit der in Hautpflegeprodukten eingesetzten Konservierungsmittel wird zudem kontrolliert. In einem so genannten Keimbelastungstest werden dem Produkt pathogene Keime zugegeben und deren Entwicklung verfolgt. Diese dürfen nicht wachsen und sollten bestenfalls abgetötet werden. Konservierungsmittel dienen also der Verbrauchersicherheit.

Was würde passieren, wenn man in Hautpflegeprodukten keine Konservierungsmittel einsetzen würde?

Die Pflegeprodukte für die Haut würden nach kurzer Zeit verkeimen. Dies würde sich durch unangenehmen Geruch oder durch das Zerfallen des Produktes in seine Bestandteile, d.h. die Trennung der öligen und wässrigen Phase, zeigen. Wenn das passiert, besteht die Gefahr von Hautinfektionen.

Welche Stoffe werden in Hautpflegeprodukten eingesetzt?

In Produkten zur Hautpflege dürfen nur die in der Kosmetikverordnung (KVO) genannten Stoffe in den jeweiligen Einsatzkonzentrationen eingesetzt werden (Anhang V der KVO). Diese Stoffe sind durch ein unabhängiges Beratergremium der EU bewertet worden (SCCS Scientific Committee on Consumer Safety). In den definierten Einsatzkonzentrationen wurden sie als sicher für den Einsatz in Kosmetika bewertet. Dabei wird z.B. zwischen "leave on"- (z.B. Cremes, die auf der Haut verbleiben) und "rinse off" (z.B. Reiniger)-Produkten unterschieden.

In Hautpflegeprodukten häufig eingesetzt werden z.B. Methyl-, Ethyl-, Butylparabene, Natriumbenzoat, Kaliumsorbat, Phenoxyethanol, Methylisothiazolinon, Methylisothiazolinon, Bronopol etc.

Was weiß man über die allergische Potenz dieser Stoffe?

Methylisothiazolinon MI ist z.B. ein sehr wirksames Konservierungsmittel mit breiter Wirkung. Aufgrund dieser starken biologischen Wirkung ist der Einsatz durch die Kosmetikverordnung sehr stark reglementiert. So darf MI nur in rinse off-Produkten eingesetzt werden und nur als Gemisch im Verhältnis 3:1 MCI/MI bzw. in einer Konzentration von 0,0015 Prozent im Endprodukt. MI allein darf nur in einer Konzentration von 0,01 Prozent eingesetzt werden.

Ich bin der Meinung, dass bei den kurzen Kontaktzeiten beim Waschen in Verbindung mit den niedrigen Konzentrationen keine Sensibilisierung hervorgerufen werden kann. Die Ursache der Sensibilisierungen liegt - so denke ich - in anderen MI/MCI haltigen nicht-kosmetischen Zubereitungen.

Heißt das, dass hier auch bei bestehenden Sensibilisierungen keine allergischen Reaktionen auftreten können?

Bei bestehender Sensibilisierung sollten natürlich Produkte gemieden werden, die die entsprechenden Allergene enthalten.

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