Allergie Tattoos Tätowierungen

Dr. rer. nat. Steffen Schubert, Informationsverbund Dermatologischer Kliniken - IVDK e.V. am Institut an der Universitätsmedizin Göttingen zu Allergien auf Tätowierungen!

Allergie durch Tattoos bzw. Tätowierungen: Ursachen, Symptome, Risiken

Gibt es auch allergenarme Möglichkeiten der Tätowierung?

Eine schwarze Tätowierfarbe mit dem Pigment „Carbon Black“ als Hauptbestandteil, hergestellt von einem transparenten, engagierten Hersteller ist wohl eher allergie-arm im Vergleich zu billigen, unreflektierten Herstellern mit schlechter Produktion oder Tinten, welche Azo-Pigmente enthalten.
Europäische Produkte sind im Allgemeinen Asiatischen oder auch Amerikanischen Produkten vorzuziehen. Das sind allerdings nur Tendenzen aufgrund von Meldungen an die FDA oder die EU (RAPEX), ich möchte an dieser Stelle jedoch keine diskriminierenden Äußerungen treffen, es gibt sicher überall Ausnahmen, positiv wie negativ. Der Tätowiermarkt ist einfach extrem undurchsichtig und darüberhinaus schlecht reguliert. Es werden z.B. viele Pigmente eingesetzt, für die keine Risikobewertung vorliegt und die eigentlich für andere Industrien (Auto, Boot, Drucker, Textilien, Plastik) hergestellt werden. Alle Hersteller haben mit Verunreinigungen zu kämpfen, da es aktuell keine Pigmente zu kaufen gibt, welche speziell für den Tätowiermarkt, also die Anwendung in menschlicher Haut, hergestellt werden.

Gibt es Risikofaktoren, die die Gefahr erhöhen, durch Tätowierungen Allergen zu entwickeln?

Eine bereits bestehende chronische (autoimmun) Krankheit wie Sarkoidose oder Psoriasis, könnten durch das Tattoo ausgelöst bzw. aktiviert werden.

Der Wundheilungsprozess kann eventuell durch ein bestehendes Ekzem behindert werden.

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf Tattoos verzichtet werden, da sich ca. ein Drittel der Tätowierfarbe im Körper verteilt, z.B. in Lymphknoten ablagert, und könnte auch das Kind erreichen.

Bereits bestehende Allergien, z.B. auf Metalle, Textilfarbstoffe, Konservierungsmittel etc. sollten auf jeden Fall vor dem Tätowieren thematisiert werden. Tinten mit Eisenoxid-Pigmenten z.B., oft für Permanent Make-up eingesetzt, enthalten immer Nickel, lösen zum Teil schwere Reaktionen aus, werden aber auch oft von Nickel-Allergikern vertragen.

Kann man vorab testen, ob man auf ein Tattoo allergisch reagieren wird?

Nein. Selbst bei negativem Test kann man durch die Tätowierfarbe sensibilisiert werden.

Was kann man tun, wenn die Allergie ausgebrochen ist? Lassen sich das Tattoo und die Allergene wieder vollständig entfernen?

Man sollte auf jeden Fall einen Dermatologen oder Allergologen konsultieren und nicht nur den Tätowierer. Der Tätowierer ist für 75 Prozent der Betroffenen Anlaufstelle Nr. 1 bei Komplikationen.

Es sollte unbedingt darauf verzichtet werden, das Tattoo mit allergischer Reaktion durch Laser zu entfernen, vor allem durch Q-switched nanosecond laser, da bei diesem Prozess oft eine hohe Dosis weiterer Allergene freigesetzt wird. Dadurch würde die Allergie verstärkt werden und eventuell bestehende, bisher unauffällige Tattoos könnten ebenso anfangen, Symptome zu produzieren.

Bei der klassischen allergischen Reaktion, d.h. ein Hautausschlag auf lösliche Bestandteile, kann man es mit einer Kortikoid-Therapie probieren und das Problem quasi „aussitzen“, bis die Allergene ausgeschieden wurden.

Bei schweren Reaktionen (lichenoide Reaktionen oder Hyperkeratosen), kommt man um die operative Entfernung nicht herum.
Bei tiefen Ulcera, d. h. zu tief fürs Herausschneiden, bleibt nur die langwierige Behandlung mit Immunsuppressiva, welche nicht unbedingt Erfolg verspricht und eine lange, schmerzhafte Leidenszeit für die Patienten bedeutet.

Herr Dr. Schubert, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

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