Duftstoffallergien Symptome Ursachen Risiken Therapie

Prof. Dr. med. Wolfgang Uter, Dermatologe an der Friedrich-Alexander Universität (FA) Erlangen und Präsident der European Society of Contact Dermatitis (ESCD) zu Duftstoffallergien!

Duftstoffallergien: Symptome, Ursachen, Risiken, Therapie?

Was sollte ein Patient tun, wenn er befürchtet, eine Duftstoffallergie zu haben?

Wenn ein Patient ein Ekzem entwickelt, erkennt er manchmal direkt, wodurch die allergische Hautreaktion ausgelöst wurde, wie gesagt z.B. bei Parfüm oder Deo. Diese Patienten sollten dann auf das besagte Kosmetikprodukt verzichten, die allergischen Hautreaktionen bilden sich zurück und ein Arztbesuch ist nicht nötig. Andererseits ist es gerade bei weit verbreiteten Duftstoffen möglich, dem mutmaßlichen Allergen in einem nächsten Produkt zu begegnen, so dass ein Allergietest doch sinnvoll sein kann.

Ist es nicht ersichtlich, wodurch es zu den Allergiesymptomen kam, aber der Patient vermutet eine Duftstoffallergie, sollte der Patient seinen Hausarzt aufsuchen, der ihn zum Dermatologen schicken sollte, oder aber der Patient geht direkt zum Dermatologen. Der Dermatologe würde dann beim Patienten einen Epikutantest durchführen und dafür sollte mindestens eine sogenannte Standardreihe mit einigen Duftstoffmixen zum Einsatz kommen.

Wie erfolgt die Diagnose einer Duftstoffallergie mit Hilfe der Dufstoffmixe?

In der sogenannten Standardreihe, die so heisst, weil sie grundsätzlich bei jedem epikutan getesteten Patienten eingesetzt werden soll, werden eine Reihe von Duftstoffallergenen an der Haut getestet und dafür stehen zwei Mischungen zur Verfügung, Duftstoffmix I mit acht Einzelstoffen und Duftstoffmix II mit sechs Einzelstoffen. Weiter testet man einen natürlichen Extrakt, den „Perubalsam“. Perubalsam wird von der Kosmetikindustrie nicht direkt in Form des getesteten Harzes eingesetzt, sondern als Destillate und Extrakte daraus. Unabhängig davon enthält Perubalsam eine Reihe von Stoffen, die auch anderweitig, z.B. als synthetische Stoffe, in Duftstoffen vorkommen.

Die deutsche Kontaktallergie Gruppe hat seit einigen Jahren auch drei wichtige ätherische Öle in die Standardreihe aufgenommen. Dabei handelt es sich um Sandelholz-Öl, Jasmin-Extrakt und Ylang Ylang-Öl, die als  natürliche Duftstoffe eingesetzt werden. Bei etwa je 1 Prozent der getesteten Patienten kommt es hierauf zu Reaktionen.   

Zusätzlich testet man noch den Duftstoff Hydroxyisohexyl 3-cyclohexene carboxaldehyde (HICC), weil Allergien gegen diese Substanz zumindest momentan noch besonders häufig sind.

Reagiert der Patient auf einen dieser Mixe positiv, ist ein erster Schritt getan. Geholfen ist dem Patienten dadurch aber noch nicht wirklich. Man kann zunächst lediglich sagen, dass der Patient mit einem der in den Mixen enthaltenen Allergene Kontakt hatte und eine Allergie darauf entwickelt hat, aber es ist unklar, um welchen Stoff, oder welche Stoffe, es sich handelt. Allerdings sollten anschließend die Mixe in die einzelnen Bestandteile aufgeschlüsselt werden. In vielen Fällen werden dann bei Duftstoffallergikern sogar Allergien auf mehrere Duftstoffe festgestellt. Allerdings wird eine solche Aufschlüsselungstestung in der Regel nur in spezialisierten Allergiezentren durchgeführt. Erst durch diese genaue Diagnostik kann festgestellt werden, welche Produkte, die der Patient benutzt hatte (und im Verdacht hatte, oder nicht) diesen Stoff enthalten haben, und damit die kontaktallergische Reaktion ausgelöst haben, und – besonders wichtig – welche Produkte der Patient künftig meiden muss, da sie den betreffenden Stoff enthalten.

Allerdings muss der Patient nicht zwangsläufig auf einen der genannten Tests für Duftstoffallergien reagieren, wenn er eine Duftstoffallergie hat. Er kann ja auch allergisch auf einen Duftstoff sein, der in den Mixen nicht abgedeckt ist. In diesem Fall bleibt die Testung negativ, obwohl der Patient ein duftstoffbezogenes Problem hat und dann ist die Frage, welches Duftstoffallergen der Auslöser sein könnte. Deshalb fordern wir die Erweiterung der Kennzeichnungspflicht auf weitere Duftstoffe jenseits der bisher deklarationspflichtigen 26 Stoffe, denn wir sind der Meinung, dass ein Patient anhand der Packung erkennen können sollte, ob ein Produkt den für ihn allergenen Stoff enthält oder nicht.

Welche Therapien sind bei Duftstoffallergien möglich?

Das Meiden des Allergens ist bei Duftstoffallergien, wie bei anderen Allergien, das A und O, und deshalb ist es auch so wichtig, das auslösende Allergen genau zu kennen. Meist klingen die Hautsymptome von alleine wieder ab, wenn das Allergen gemieden wird, aber in manchen Fällen kann es sinnvoll sein, für ca. eine Woche eine Kortisoncreme einzusetzen – dermatologische Behandlung wird empfohlen!

Dann kommt es darauf an, Rückfälle zu vermeiden, indem man dem Patienten möglichst eine schriftliche Information zu den für ihn allergenen Stoffen mitgibt. Je genauer der Patient weiß, was er meiden soll, desto besser.

Wie gehen Sie vor, wenn der Test negativ ausfiel, aber dennoch der Verdacht auf eine Duftstoffallergie besteht?

In diesem Fall beginnt die Detektivarbeit, denn muss man im Rahmen des Möglichen weitertesten. Eventuell kann man dann den Patienten bitten, über drei Wochen hinweg ein konkretes Produkt, das er in Verdacht hat, mehrmals täglich auf die gleiche Stelle, z.B. auf der Innenseite des Unterarms, anzuwenden. Das heißt, man versucht, eine klinische Reaktion zu reproduzieren und wenn ein Ekzem entsteht, hat man einen klaren Hinweis auf eine allergische Unverträglichkeit (wenn es sich um ein Kosmetik-Produkt handelt, das für den Verbleib auf der Haut bestimmt ist).

Im nächsten Schritt könnte man den Hersteller des Produktes anschreiben und um die einzelnen Komponenten für einen erneuten Epikutantest bitten. Bei „normalen“ Kosmetikbestandteilen sind die Hersteller hier durchaus kooperativ. Bei einem Parfüm mit 100 Einzelkomponenten stößt diese Kooperationsbereitschaft allerdings verständlicherweise an ihre Grenzen, zumal eine Vielzahl dieser Komponenten ihrerseits wieder aus Mischungen bestehen. Es gibt spezialisierte Kollegen, die versuchen, einzelne Komponenten mit hochauflösender analytischer Chemie zu isolieren und dann zu testen, aber der Aufwand ist enorm und in der täglichen Praxis nicht leistbar.

Was müsste der Gesetzgeber tun, um Menschen mit Duftstoffallergien zu helfen?

Eine weitreichendere Deklarationspflicht, als dies aktuell der Fall ist, wäre wünschenswert. Damit wäre es zunächst einmal möglich, bestehende Duftstoffallergien besser zu diagnostizieren.    

Im zweiten SCCS-Gutachten für die EU-Kommission aus dem Jahr 2012, an dem auch ich mitgewirkt habe, wurde eine Deklarationspflicht für 126 Duftstoffallergene vorgeschlagen.

Diese Liste ist nicht vollständig, aber damit decken wir zumindest „die Spitze des Eisbergs“ nach aktuellem Kenntnisstand ab. Aktuell gilt lediglich für die 26 Allergene, die im ersten SCCS-Gutachten von 1999 vorgeschlagen wurden, eine Deklarationspflicht.

Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass es für alle anderen Kosmetik-Bestandteile außer den Duftstoffen sowieso eine Pflicht gibt, diese zu deklarieren. Duftstoffe waren zunächst ausgenommen worden, da eine Deklaration der Industrie zu „schwierig“ erschien. Da es sich aber um eine bedeutende Allergengruppe handelt, ist es natürlich wichtig, dass wir auch hier eine möglichst umfassende Deklaration haben.

Ein (lösbares) Problem ist allerdings, dass wir für viele der 100 weiteren wichtigen Duftstoffallergene die Testlösungen für die Epikutantests noch nicht zur Verfügung haben – für andere, wie die drei ätherischen Öle, die die Deutsche Kontaktallergie Gruppe seit einigen Jahren testet, allerdings durchaus.

Eine weitreichendere, am besten vollständige, Deklarationspflicht für Duftstoffe auf den Verpackungen, wie für alle anderen Bestandteile, könnte dazu beitragen, allergene Duftstoffe schneller zu identifizieren und man könnte sie deutlich schneller aus dem Verkehr ziehen. Schließlich ist seit 2009 die EU Cosmetics Regulation in Kraft getreten und diese besagt, dass Kosmetikprodukte nicht schaden dürfen, genau wie ihre Vorgängerin, die „Cosmetics Directive“, die noch jeweils in nationales Recht umgesetzt werden musste. Es sollte dem so informierten Verbraucher ermöglicht werden, Produkte zu wählen, die verlässlich frei von Duftstoffen und auch von anderen Inhaltsstoffen sind, die er nicht in seinen Produkten haben möchte.

Herr Prof. Uter, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20946456

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