Handekzem Gesundheitsberufe

Dr. med. Richard Brans, Oberarzt am Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) an der Universität Osnabrück zu Handekzemen in Gesundheitsberufen!

Handekzem in Gesundheitsberufen: Symptome, Therapie, Schutz

Wie erfolgt die Diagnose von Handekzemen?

Handekzeme werden in der Regel anhand des klinischen Befundes und der Patientenangaben diagnostiziert. Die Entnahme einer Hautprobe ist in der Regel nicht erforderlich. Diese kann jedoch dazu dienen, andere Diagnosen auszuschließen.

Zur Klärung der Ursache des Handekzems sollte eine allergologische Diagnostik in Form eines sogenannten Epikutantests erfolgen. Hierbei werden Kontaktallergene in der Regel am Rücken in Testkammern für 24 oder 48 Stunden aufgetragen und im Anschluss die Testareale über mehrere Tage auf Reaktionen überprüft. Für die Testung können standardisierte Testallergene aber auch patienteneigene Substanzen, z. B. Berufsstoffe,  verwendet werden. Hierdurch können allergische Kontaktekzeme diagnostiziert oder ausgeschlossen werden.

Die Diagnose eines irritativen Kontaktekzems beruht in der Regel auf Informationen zu entsprechenden irritativen Hautbelastungen und dem Ausschluss einer relevanten Kontaktallergie.

Ein atopisches Handekzem wird unter anderem anhand weiterer typischer Hautsymptome, z. B. trockene Haut, Ekzeme an Ellenbeugen oder Kniekehlen, der Diagnose anderer in diesem Zusammenhang gehäuft auftretender Erkrankungen, z. B. Heuschnupfen, allergisches Asthma und der Familienanamnese gestellt. Charakteristisch ist auch der eigendynamische Erkrankungsverlauf.

Wann sind Handekzeme bei Gesundheitsberufen eine Berufskrankheit?

Handekzeme können durch irritative Hautbelastungen oder Kontakt zu Allergenen am Arbeitsplatz hervorgerufen oder verschlimmert werden. In diesem Fall sollte der zuständige Unfallversicherungsträger, in der Regel die Berufsgenossenschaft,  einbezogen werden.

Bei der Berufskrankheit handelt es sich um einen versicherungsrechtlich definierten Begriff. Handekzeme können zur Anerkennung einer derartigen Berufskrankheit (Nr. 5101 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung) führen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Hierzu zählt unter anderem, dass der Zusammenhang zwischen dem Handekzem und der versicherten Tätigkeit hinreichend wahrscheinlich ist, dass ein objektiver Zwang zur Aufgabe der Tätigkeit vorliegt und die Tätigkeit durch den Betroffenen auch entsprechend aufgegeben wurde.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für Handekzeme?

Die Behandlung von Handekzemen orientiert sich an den Symptomen. Neben einer pflegenden Basistherapie erfolgt häufig eine antientzündliche Lokaltherapie mit Glukokortikosteroiden. Alternativ können auch Calcineurininhibitoren, zugelassen für die atopische Dermatitis,  oder Schieferöl-haltige Präparate eingesetzt werden. Bei Bläschenbildung sind gerbstoff-haltige Handbäder geeignet. Verhornungen können mit Salicylsäure- oder harnstoffhaltigen Salben abgelöst werden.

Des Weiteren kann bei Handekzemen eine lokale Therapie mit UV-Strahlen hilfreich sein, z. B. die PUVA-Therapie.

Bei hartnäckigen und schweren Handekzemen kommt auch eine innerliche Behandlung mit z. B. dem Wirkstoff Alitretinoin in Frage. Zur Verhinderung von Rezidiven sollten Hautirritationen vermieden und der Kontakt zu relevanten Allergenen möglichst verhindert werden.

Was können von Handekzemen Betroffene in Gesundheitsberufen tun, um ihrem Beruf weiter ausüben zu können?

Bei Anhalt für ein beruflich bedingtes Handekzem sollte durch den behandelnden Hautarzt oder den Betriebsarzt eine Meldung an den zuständigen Unfallversicherungsträger erfolgen, damit durch diesen geeignete Abhilfemaßnahmen veranlasst werden.

Neben der hautärztlichen Behandlung gehört hierzu auch eine Verbesserung der Hautschutzmaßnahmen. Besonders wichtig sind die Auswahl und der konsequente Einsatz von geeigneter Schutzhandschuhen, Hautschutzpräparaten und Hautpflegeprodukten sowie möglichst hautschonenden Hautreinigungsprodukten.

In sogenannten Hautschutzseminaren werden die Betroffenen diesbezüglich gesundheitspädagogisch beraten und erhalten wichtige Informationen zur Anwendung dieser Produkte.
Seitens des Unfallversicherungsträgers können darüber hinaus auch Möglichkeiten zur Reduzierung der Hautbelastungen am Arbeitsplatz geprüft werden, z. B. durch den Austausch von Berufsstoffen, technische und/oder organisatorische Maßnahmen.

Sollten diese ambulanten Maßnahmen nicht ausreichen, wird den Betroffenen seitens der Unfallversicherungsträger die Teilnahme an einer stationären Rehabilitationsmaßnahme in einem auf beruflich bedingte Hauterkrankungen spezialisierten Zentrum angeboten. Es hat sich gezeigt, dass sich die Prognose beruflich bedingter Hauterkrankungen durch diese Maßnahmen deutlich verbessert und in vielen Fällen die drohende Berufsaufgabe verhindern werden kann. Wichtig ist jedoch auch die primäre Prävention von beruflich bedingten Handekzemen. Beschäftigte in hautbelastenden Berufen sollten über die Risiken informiert werden und konsequent geeignete Hautschutz- und Hautpflegemaßnahmen anwenden, um dadurch der Entstehung von beruflich bedingten Handekzemen vorzubeugen.

Herr Dr. Brans, herzlichen Dank für dieses Interview!

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