Hühnerei Allergie

Dipl. oec. troph. Petra Funk-Wentzel, Praxis für Ernährungstherapie, Schwerpunkt Allergologie und Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Stuttgart

Allergie gegen Hühnerei: Allergene, Meidung, Ersatz

Eine Allergie gegen Hühnerei betrifft meist Kleinkinder - im Erwachsenenalter ist die Hühnerei Allergie eher selten. Zwar kann sich die Hühnerei Allergie bei Kindern im Laufe der Zeit auch wieder verlieren. Solange sie besteht, sind jedoch schwere allergische Symptome und im schlimmsten Fall ein allergischer Schock möglich. Die wichtigste Maßnahme ist es deshalb, das Allergen zu meiden. MeinAllergiePortal sprach mit Dipl. oec. troph. Petra Funk-Wentzel, Praxis für Ernährungstherapie, Schwerpunkt Allergologie und Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Stuttgart darüber, wie man Hühnerei meiden bzw. ersetzen kann.

 Wo sitzen die Allergene beim Hühnerei, im Eiklar oder im Eigelb?

Hühnerei kann sehr schwere allergische Reaktionen auslösen. Die Allergene können sowohl im Eiklar als auch im Eigelb vorkommen. Häufig gibt es nur Sensibilisierungen gegen die Proteine im Eiklar, jedoch ist es küchentechnisch schwierig diese Trennung so exakt zu vollziehen, dass der Verzicht auf das gesamte Hühnerei empfohlen wird.

Zunächst wird bei einem Bluttest bestimmt, ob gegen den Gesamtextrakt "Hühnereiweiß" eine Sensibilisierung vorliegt. In einzelnen Fällen können auch die Einzelkomponenten bestimmt werden, da dies Hinweise auf die schwere der möglichen Reaktion und die Toleranzentwicklung geben kann.

Ein sehr hitzestabiles und aggresives Einzelallergen ist das "Ovomucoid", das im Eiklar vorkommt. Liegt eine Sensibilisierung gegen Ovomucoid vor, so besteht ein Risiko für Reaktionen gegen Hühnerei in allen Zubereitungsformen - roh und erhitzt!

Andere Einzelkomponenten wie das "Ovoalbumin", welches im Eiklar und Eigelb vorkommt und auch das "Ovotransferrin" oder "Ovolysozym" verlieren dagegen beim Erhitzen ihre Allergenität. Sie sollten aber immer im Einzelfall mit den Allergologen klären, ob Ei in bestimmten Formen gegeben werden kann!

Sind diese Allergene auch in anderen Vogeleiern vorhanden, oder kann man mit einer Hühnerei Allergie, z.B. Wachteleier, essen? Und: erstreckt sich die Allergie auch auf Geflügelfleisch?

Der Verzehr von Eiern anderer Vögel kann zu Kreuzreaktionen führen und sollte mit dem Allergologen abgeklärt werden. Eine gleichzeitige Allergie auf Geflügelfleisch kommt sehr selten vor, dann handelt es sich um das Vogel-Ei-Syndrom.


Was genau bedeutet "Vogel-Ei-Syndrom"?

Dieses Allergiesyndrom wird durch das Einzelallergen "ɑlpha-Livetin" ausgelöst, welches nur im Eigelb vorkommt und Grundlage des "Vogel-Ei-Syndroms" ist, hier können beim Verzehr von verschiedenen Vogeleiern und bei Geflügelfleisch Symptome auftreten und auch asthmatische Beschwerden nach dem Kontakt mit Vögeln.

Zurück zur Hühnerei Allergie, diese gilt als eine bei Kindern häufig vorkommende Allergie. Heißt das, dass sie bei Erwachsenen nicht erstmals auftreten kann? In welchem Alter zeigt sie sich gewöhnlich?

Die Hühnereiallergie beginnt in der Regel im frühen Lebensalter - meist unter 2 Jahren. 1 bis 2 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder haben eine nachgewiesene Hühnereiallergie. Sehr selten können Hühnereiproteine auch beim Erwachsenen Reaktionen an der Haut oder im Magen-Darm-Trakt auslösen.

Woran erkennt man eine Hühnerei Allergie beim Kind? Wie unterscheiden sich die Symptome von harmlosen Beschwerden? Wie erfolgt die Diagnose bei einer Hühnerei Allergie?

Eine Hühnereiallergie kann wie andere Allergien auch verschiedene Symptome auslösen: Neurodermitis, Urtikaria, Darmbeschwerden, Asthma und Anaphylaxie. An den Symptomen ist zunächst nicht erkennbar, ob und welche Allergie ursächlich ist. Das kann dann erst durch den Diagnoseweg mit Anamnese, Blut- und Hauttests, und im idealen Fall einer Provokationstestung herausgefunden werden.


Wie sieht die Behandlung der Hühnerei Allergie aus? Was muss man meiden? Wodurch ersetzt man das Hühnerei im Speiseplan?

In der Regel wird das strikte Meiden von Hühnerei in jeder Form, d.h. pur, roh, gekocht, verarbeitet in Kuchen, Teigwaren, usw., empfohlen. Bei Fertigprodukten ist die Zutatenliste bei jedem Kauf auf entsprechende Angaben zu prüfen: Eiweißpulver, Volleipulver, Eiklar, Eigelb, Ovo-, Lysozym, Simplesse.  

Momentan sind lose Waren wie Backwaren oder Eis von der Eisdiele noch große Gefahrenquellen, diese werden erst Ende 2014 auch gesetzlich zur Kennzeichnung verpflichtet. Selbst auf Nachfrage erhält man nicht immer eine korrekte Antwort: Eisdielenbesitzer vergessen schon mal selbst, dass sie für Fruchteis Eiklar verwenden.

Der Begriff Eiweiß oder Protein unter den "Nährstoffangaben" eines Produktes bezieht sich auf das Eiweiß aller Zutaten und ist nicht unbedingt ein Hinweis auf Hühnereigehalt. Es sollte immer die Zutatenliste geprüft werden – auch Allergikerhinweise sind nicht unbedingt hilfreich, denn dafür gibt es keine klaren Regelungen. Wie damit umzugehen ist sollte man auch in der individuellen Ernährungsberatung klären.

Die Herstellung von eifreien Produkten im eigenen Haushalt bietet Sicherheit, allerdings sollten nicht zeitgleich Eierspeisen zubereitet werden, denn schnell sind Rührlöffel oder Töpfe vertauscht! Verspeist ein Kind ein Rührei, sollte es nicht aus dem gleichen Glas wie der Allergiker trinken! Nach dem Verarbeiten von Eiern immer sorgfältig die Hände waschen.  

Ist eine detaillierte Diagnostik mit Einzelkomponenten und/oder eine Provokationstestung auf verbackenes bzw. gegartes Ei erfolgt, können die Empfehlungen auch individuell anders ausfallen – aber nur dann!

Als Ersatz für Hühnerei gibt es viele Alternativen. Zum Backen von Muffins, flachen Kuchen oder Pfannkuchen kann ein Ei durch 2 EL Kartoffelstärke oder Sojamehl mit 2 bis 3 EL Wasser ersetzt werden. Viele Teige sind auch traditionell ohne Ei herstellbar: Hefeteig, Strudelteig, Mürbeteig. Zur Lockerung von Hackfleisch kann Quark oder eine rohe Kartoffel verwendet werden.

Gibt es noch weitere Gefahrenquellen für Hühnerei? 

In Impfstoffen können auch Hühnereiallergene in sehr geringer Dosierung vorkommen und das Allergen Lysozym ist gelegentlich Bestandteil von Hals-Lutschtabletten. Auch in Ei-Shampoo kann Hühnerei-Eiweiß zugesetzt sein.

Manche für Kinder typische Allergien, wie z.B. die Kuhmilch Allergie, können sich auch wieder verlieren. Gilt das auch für die Hühnerei Allergie?

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kleinkind eine Toleranz gegen Hühnerei entwickelt ist sehr hoch: Etwa 70 Prozent aller Hühnereiallergiker reagieren im Schulalter beim Verzehr von Eiern nicht mehr mit Symptomen. Daher ist es sinnvoll, dass bei einer dauerhaften Auslassdiät die Allergie alle 1 bis 2 Jahre wieder überprüft wird: Haut-, Blut- und Provokationstestungen.


Gibt es Umstände, die die Zurückbildung der Hühnerei Allergie fördern oder hemmen?

Nach heutigem Kenntnisstand wird die Karenz – Hühnerei ganz vermeiden – für 1 bis 2 Jahre empfohlen. Das führt häufig zu einer Toleranzentwicklung. Die Überprüfung sollte aber nur unter ärztlicher Begleitung erfolgen!

Besteht eine Toleranz gegen verbackenes Ei, so fördert der regelmäßige Verzehr eventuell auch die Toleranzentwicklung gegen rohes Ei. Dazu gibt es aber noch wenige Studiendaten. Das sollte immer im Einzelfall von Ärzten und Ernährungsfachkräften für Allergologie beurteilt werden.

Besteht bei der Hühnerei Allergie die Gefahr, zusätzlich noch andere Allergien zu erwerben?

Viele Kinder reagieren nur auf ein bis zwei Lebensmittel allergisch. Nur wenige Kinder sind von vielen Allergien betroffen. Insbesondere Säuglinge mit einer schweren Neurodermitis entwickeln häufiger auf mehrere Nahrungsmittel eine Allergie. Die Sensibilisierung auf Hühnerei kann darauf hinweisen, dass im weiteren Leben weitere atopische Erkrankungen wie beispielsweise Asthma bronchiale auftreten.

Besteht bei Menschen mit einer Hühnerei Allergie die Gefahr einer Mangelernährung?

Sofern andere tierische Lebensmittel wie Milch und Käse, Fleisch oder Wurst verzehrt werden können, besteht keine Gefahr für eine Mangelernährung. Gibt es noch weitere Einschränkungen im Speiseplan, so sollte die individuelle Nährstoffversorgung in regelmäßigen Abständen mit einer allergologisch versierten Ernährungsfachkraft geprüft werden. Verzeichnisse findet man u.A. unter www.ak-dida.de oder www.daab.de!

Frau Funk-Wentzel, herzlichen Dank für das Interview!

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