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Histaminintoleranz Hormone

Dr. Kai Wiemer zum Zusammenhang zwischen Histaminintoleranz und Hormonen!

Histaminintoleranz und Hormone: Pille, Schwangerschaft, Wechseljahre!

Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Symptomen bei Histaminintoleranz und Hormonen bzw. dem hormonellem Geschehen? Viele Frauen mit Histaminintoleranz stellen sich diese Frage. Hat die Pille einen Einfluss? Verschwinden tatsächlich die Histaminintoleranz-Symptome, wenn eine Frau schwanger wird? Und: Wirken sich auch die Wechseljahre auf die Symptomatik aus? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Kai Wiemer, Oberarzt der Inneren Medizin I, Gastroenterologie/Allg. Innere Medizin im St. Elisabeth Hospital in Herten.

Herr Dr. Wiemer gibt es einen Zusammenhang zwischen Histaminintoleranz und Hormonen?

Ja, Histaminintoleranz und Hormone stehen in einem Zusammenhang!

Zum einen ist das Histamin ein biogenes Amin, das hormonähnliche Wirkungen im Körper haben kann. Außerdem kann sich die Symptomatik der Histaminintoleranz bei Frauen, die die Pille nehmen und in der Schwangerschaft reduzieren.

Ist die Histaminintoleranz ein „Frauenproblem“?

Der Anteil von Frauen unter den mutmaßlich histaminintoleranten Patienten liegt deutlich über dem Männeranteil, bei 80 Prozent.

Wodurch reduzieren sich die Histaminintoleranz Symptome bei der Einnahme der Pille?

Es gibt Fallberichte, d.h. lediglich Erfahrungsberichte, keine wissenschaftlichen Studien, aus denen hervorgeht, dass es bei manchen Frauen mit Histaminintoleranz durch die Einnahme der Pille zu einer Reduktion der Symptome kommt. Eine Rolle scheint die Zusammensetzung des Hormonpräparates zu spielen, z.B. ob Progesteron oder Gestagen enthalten sind. Allerdings sind die Zusammenhänge zwischen der Histaminintoleranz und der Einnahme der Pille nicht immer eindeutig. Einheitliche Empfehlungen zur Pilleneinnahme für Histaminintolerante kann man deshalb daraus nicht ableiten.


Was hat bei Histaminintoleranz einen stärkeren symptomdämpfenden Effekt, Progesteron oder Gestagen?

Die Datenlage insgesamt zur Histaminintoleranz ist nicht sehr gut, aber in Fallberichten wird postuliert, dass Progesteronpräparate Zyklusschmerzen oder auch Migräne kontrollieren könnten. Beide Symptome können auch  der Histaminintoleranz auftreten.

Wie kommt es bei Frauen mit Histaminintoleranz in der Schwangerschaft zur Reduktion der Symptome?

Kommt es zur Befruchtung, beginnt der Körper relativ rasch, Schutzmechanismen für das werdende Leben aufzubauen. Diese Schutzmechanismen verhindern, dass das Immunsystem den Embryo als Fremdkörper einordnet. Dazu gehört auch der Schutz vor Histamineinfluss, der zu einem frühen Abort führen könnte.

In der Schwangerschaft produziert der weibliche Körper deshalb hohe Mengen an Diaminoxydase, dem Enzym, dass Histamin abbaut. Der Diaminoxidase-Level in Gebärmutter und Plazenta schwangerer Frauen kann bis zu 500fach höher sein, als dies normalerweise der Fall ist. So kann es passieren, dass histaminunverträgliche Frauen in der Schwangerschaft eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome erleben. Für die Frauen ist das sehr positiv, denn plötzlich können sie all die histaminreichen Speisen essen, die sie normalerweise nicht vertragen haben. Mit dem Ende der Schwangerschaft ist dieser Effekt allerdings wieder vorbei.
Histaminintoleranz ist ein sehr umstrittenes Krankheitsbild. Die Tatsache, dass histaminintolerante Frauen während der Schwangerschaft plötzlich wieder histaminreiche Speisen vertragen, ist aus meiner Sicht aber ein deutlicher Hinweis auf die Existenz der Erkrankung.   

 

Könnte man den positiven Effekt hoher Mengen an Diaminoxidase in der Schwangerschaft durch entsprechende Enzympräparate „kopieren“?

Die üblichen Diaminoxidase-Präparate sind zum einen nicht so hoch dosiert. Zum anderen haben sie nicht bei allen Histaminintoleranz-Patienten eine symptomkontrollierende Wirkung. Die Patienten müssen das individuell ausprobieren.

Gibt es noch andere Hormone, die bei der Histaminintoleranz Auswirkungen auf die Symptome haben könnten?

Auch die klassischen Stresshormone, wie z.B. Adrenalin, Kortison oder Cortisol könnten bei der Histaminintoleranz eine Rolle spielen.

Zum Beispiel gibt es Fallberichte zu Kindern mit ADHS, die auf eine Beteiligung hormoneller Wirkungen an den ADHS-typischen Unruhezuständen hinweisen. Das Hormon Histamin kann möglicherweise Adrenalinausschüttungen im Körper erhöhen und Adrenalin kann aggressive Unruhezustände fördern. Es gibt Eltern, die von einer Verbesserung dieser Unruhezustände und des Aggressionsverhaltens ihrer Kinder unter einer histaminarmen Diät berichten. Allerdings ist dies nicht das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, sondern, wie gesagt, lediglich ein Fallbericht.


Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Hormonen Kortison und Cortisol und der Histaminintoleranz?

Kortison und Cortisol sind klassische Stresshormone, die von der Nebennierenrinde tageszeitabhängig ausgeschüttet werden. Zum Beispiel kommt es am Morgen zu einem deutlichen Kortisonhoch. Auch hier gibt es Hinweise darauf, dass es Patienten mit Unruhestörungen oder Panikzuständen unter einer Histamin-Auslassdiät deutlich besser geht.

Ein Problem besteht darin, dass viele Patienten mit allergischen Grunderkrankungen unter einer Kortison-Therapie stehen. Dadurch verwischen sich oft die Grenzen zwischen der physiologischen Kortison-Ausschüttung und der medikamentösen Kortison-Behandlung.

Welchen Einfluss haben die Wechseljahre auf Frauen mit Histaminintoleranz?

Es lässt sich nicht eindeutig sagen, welchen Einfluss die Wechseljahre auf Frauen mit Histaminintoleranz haben.

Viele Patienten stellen Symptome einer Histaminintoleranz fest, wenn sie sich der Zeit der Menopause nähern, d.h. ab etwa dem 50. Lebensjahr. Allerdings lässt sich häufig anamnestisch nur sehr schwer herausarbeiten, seit wann die Histaminintoleranz-Symptome aufgetreten sind, dieser Prozess ist oft schleichend.

In manchen Fällen, wenn gastrointestinale Probleme wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfälle schon seit langem bestehen, haben die Patienten bereits die Diagnose „Reizdarm-Syndrom“ erhalten, erfahren aber mit zunehmendem Alter eine Verstärkung ihrer Symptome. Wenn sie dann selbst recherchieren, entdecken sie, dass ihre Symptome zu einer Histaminintoleranz passen könnten, und kommen zum Gastroenterologen um dies abzuklären. Leider gibt es aber keinen eindeutigen Test zur Diagnose der Histaminintoleranz.

Hinzu kommen bei manchen Patienten überlappende Syndrome, z.B. die klassische chronische Urtikaria, eine Hauterkrankung, die mit Flush-Symptomatik, Quaddelbildung und Juckreiz einhergehen kann. Auch hier berichten Patienten, dass es unter einer histaminarmen Ernährung zur Verbesserung der Symptome kommt. Diese Symptome können aber auch bei der Histaminintoleranz auftreten.

Insgesamt scheint der hormonelle Wechsel in der Menopause dazu zu führen, dass es zu stärkeren Reaktionen auf Histamin kommen kann. Skeptiker argumentieren zwar häufig, dass diese Symptome allein auf das hormonelle Geschehen zurückzuführen sei. Es könnte jedoch auch sein, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt und dann profitieren die Patienten von einer histaminarmen Diät.

Herr Dr. Wiemer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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