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Histaminintoleranz Schweiz SIGHI

Histaminintoleranz Schweiz (SIGHI)

Histaminintoleranz: Die SIGHI bietet Betroffenen Informationen und Hilfe!

Mit der Diagnose "Histaminintoleranz" beginnt für Betroffene häufig eine Zeit der intensiven Suche nach Informationen. Oft gestellte Fragen sind: Was bedeutet Histaminintoleranz? Welche Auswirkungen hat das auf meine Ernährung? Wie kann man sich mit anderen Histaminintoleranten austauschen? Die SIGHI, diese Abkürzung steht für die "Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz", setzt genau hier an und bietet Histaminintoleranten Informationen und Hilfe. MeinAllergiePortal sprach mit Heinz Lamprecht, einem der Gründer, über die SIGHI.

Herr Lamprecht, die Website der SIGHI ging am 11. November 2009  online - was hatte Sie damals zur Gründung der Gemeinschaft motiviert?

Der Bekanntheitsgrad dieses noch relativ neuen Krankheitsbildes "Histaminintoleranz" war damals - und ist auch heute noch - sehr klein. Die Betroffenen leiden unter einer sehr breiten Palette unspezifischer Symptome, die einer Allergie, einer Lebensmittelvergiftung oder einer Erkältung gleichen. Weil eine routinemäßige Allgemeinuntersuchung in solchen Fällen keinen auffälligen Befund liefert, werden die Betroffenen aus Unwissenheit entweder als "gesund" weggeschickt oder als eingebildete Kranke an die Psychiatrie verwiesen. Hilfe erhält man kaum irgendwo. Viele haben deshalb eine jahrzehntelange Ärzteodyssee hinter sich. So war es auch bei mir.

Erst vor ein paar Jahren bin ich dank jahrelangen Internetrecherchen, akribischen Ernährungsexperimenten, einigen Irrwegen und dem entscheidenden Tipp des Selbsthilfevereins "Krank durch Jod" schrittweise dahinter gekommen, was mich plagt. Die jahrzehntelangen Qualen und Entbehrungen wären gar nicht nötig gewesen, sondern hätten durch eine Ernährungsumstellung vermieden werden können, wenn einem das bloß mal jemand gesagt hätte. Diese Erkenntnis war natürlich ein sehr prägendes Erlebnis. Ich sagte mir: "Das darf nicht sein. Dieser Missstand im Gesundheitssystem muss behoben werden."

So war – gemeinsam mit der Leidensgenossin Barbara Vigfusson – der Entschluss gefasst, eine Infoplattform oder eine Patientenorganisation ins Leben zu rufen, um diese eigentlich recht häufige, aber noch kaum beachtete Unverträglichkeit bekannter zu machen. Sowohl Betroffene wie auch Fachpersonen sollten dadurch die Möglichkeit erhalten, den Zugang zu diesem Wissen leichter zu finden.

Was bieten Sie mit der "Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz"  ihren Mitgliedern?

Auf der Website www.histaminintoleranz.ch können die meisten und insbesondere die wichtigsten Informationen für den Umgang mit der Krankheit kostenlos abgerufen werden. Damit aber wenigstens ein paar Websitebesucher einen Anreiz sehen, Mitglied zu werden und dadurch die Finanzierung dieses Projekts zu ermöglichen, sind einige zusätzliche Hilfsmittel nur zahlenden Mitgliedern zugänglich. Derzeit sind dies insbesondere eine Rezeptsammlung, Gastrocards in verschiedenen Sprachen als Kurzanleitung für den Restaurantkoch, ein Medikamentenführer, eine Produkteverträglichkeitsdatenbank und vor allem unser Newsletter, um keine wichtigen Neuigkeiten zu diesem noch jungen und wenig erforschten Thema zu verpassen.

Mindestens so wichtig scheint mir aber der indirekte Nutzen einer Mitgliedschaft: Je erfolgreicher wir uns vernetzen und den Bekanntheitsgrad der Histaminose erhöhen können, umso mehr Betroffene erfahren von der Ursache ihres Leidens. Je mehr Betroffene diese Diagnose erhalten, desto mehr Forschungsgelder werden für diesen Bereich bereitgestellt, um in Zukunft Diagnosemethoden und Therapiemöglichkeiten entwickeln zu können, und umso grösser wird bei steigender Nachfrage auch das Angebot an Produkten werden, die für uns verträglich sind.

Wie wurde die SIGHI-Website von den Histaminose-Betroffenen angenommen?

Schon von Beginn weg hatten unerwartet viele Betroffene die SIGHI-Website entdeckt und sich angemeldet. Die Rückmeldungen der Betroffenen sind fast ausnahmslos voll des Lobes, was mich immer motiviert hat, weiter zu machen. Im Jahr 2013 hatten schon mehrere hundert Personen einen Halbjahres- oder Jahresbeitrag bezahlt. Das sind vorwiegend Betroffene, aber auch über 200 medizinische Fachpersonen haben sich seit der Gründung bereits angemeldet. 75 Prozent der Mitglieder sind weiblich, was sehr gut mit der in der Literatur genannten Geschlechterverteilung dieser Krankheit (um 80 Prozent) übereinstimmt. Die Länderverteilung bzgl. der Mitglieder sieht wie folgt aus: 50 Prozent Deutschland, 40 Prozent Schweiz, 6 Prozent Österreich und 4 Prozent übrige Länder.


Es war eines Ihrer Ziele, das Krankheitsbild Histamin-Intoleranz in der Öffentlichkeit bekannter zu machen – ist dies aus Ihrer Sicht gelungen?

Unser Interesse beschränkt sich nicht nur auf die eng definierte Histamin-Intoleranz (Definition: DAO-Abbaustörung). Wir befassen uns viel allgemeiner mit jeglichen Mechanismen, die mutmaßlich oder bekanntermaßen zu einer Histaminose (Definition: Vom Idealbereich abweichender Histaminstatus) führen können.

Die Histamin-Thematik scheint mir mittlerweile schon deutlich besser etabliert als vor einigen Jahren. In Spitälern und Universitätskliniken oder in der Ernährungsberatung befasst man sich genauso ernsthaft damit wie bei alternativmedizinischen TherapeutInnen. Wie weit dies das Verdienst der SIGHI ist, lässt sich nicht sagen, aber unsere Website ist jedenfalls sehr gut besucht.

Trotzdem kommt es auch heute noch vor, dass in Zeitungen Artikel gedruckt werden, in denen die Existenz der Histamin-Intoleranz in Abrede gestellt wird.

Welche Fortschritte stellen Sie in Bezug auf das Thema Histamin-Intoleranz fest? Womit sind Sie noch nicht zufrieden? Wo sehen Sie die größten Hürden?

Durch meine Arbeit bei der SIGHI habe ich den Eindruck, dass folgende Hauptprobleme dem großen Durchbruch im Weg stehen:

  • Der genaue Mechanismus auf biologischer/biochemischer Ebene ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Mehrere körperliche Ursachen werden kontrovers diskutiert. Im Fokus stehen enzymatische Abbaustörungen und Mastzellaktivitätsstörungen. Möglicherweise handelt es sich nicht um einen, sondern um mehrere Mechanismen, die vielleicht einzeln, vielleicht auch erst in bestimmten Kombinationen oder unter Einfluss bestimmter Umwelteinflüsse zu Symptomen führen.

  • Ohne genaue Kenntnis der Krankheitsmechanismen tut man sich logischerweise auch noch schwer mit der Definition von Diagnosekriterien, mit der Entwicklung aussagekräftiger laboranalytischer Diagnosemethoden und mit der Interpretation von Laborwerten. Bisher kann man lediglich anamnestisch auf Grund der Schilderungen des Patienten, dem versuchsweisen Durchführen der Eliminationsdiät und dem differentialdiagnostischen Ausschluss anderer Erkrankungen eine Verdachtsdiagnose stellen.

  • Da es nicht so leicht gelingt, klare Zusammenhänge aufzuzeigen, wird meiner Meinung nach das Konzept der Histamin-Unverträglichkeit von einigen Vertretern der evidenzbasierten Medizin noch sehr zurückhaltend, skeptisch oder sogar ablehnend kommuniziert. Die Komplexität des Stoffwechsels, besonders im Bereich Histamin/Mastzellmediatoren/Immunsystem, und die zahlreichen Auslöser, auf die dieses System reagiert, machen es methodisch sehr schwierig und aufwändig, ein funktionierendes Versuchsdesign finden und dann auch noch umsetzen zu können. Auch für den Betroffenen selbst ist eine Histaminose derart komplex, vielfältig und verwirrend, dass sie sich nur schwer fassen lässt. Hier ein paar Details zur Veranschaulichung:
    • Eine Histamin-Unverträglichkeit kommt selten allein, sondern meist in Begleitung anderer Unverträglichkeiten oder Allergien, was das Erkennen und Auseinanderhalten erschwert.

    • Werden die Histaminprobleme durch eine Mastzellerkrankung verursacht, dann hängt das Krankheitsbild davon ab, in welchen Organen oder Geweben die krankhaft veränderten Mastzellen vorhanden sind. Trotz vieler Ähnlichkeiten ist jeder Fall wieder anders, so dass man vielleicht eher von "Krankheitsbildern" im Plural sprechen müsste.

    • Oft gelingt es dem Betroffenen nicht, einzelnen Lebensmitteln anzumerken, dass sie unverträglich sind, denn nebst Sofortreaktionen sind auch zeitlich stark verzögerte Reaktionen oder chronische Verlaufsformen möglich. Die Zahl der möglichen Auslöser ist riesig und erstreckt sich nebst Lebensmitteln auch auf Zusatzstoffe, Medikamente, Stress, körperliche Anstrengung und andere Faktoren. Es ist nicht einfach, alle Auslöser gleichzeitig zu meiden. Auch gibt es keine scharfe Abgrenzung in "verträglich" und "unverträglich", sondern der Effekt ist dosisabhängig und von der Tagesform des Betroffenen abhängig. Diese Umstände erschweren die Durchführbarkeit und Reproduzierbarkeit von Provokationstests sehr.

    • Tückisch ist auch, dass einige unverträgliche Lebensmittel zunächst für eine Linderung sorgen können (z.B. Zitrusfrüchte wegen Vitamin C oder Alkohol wegen seiner betäubenden Wirkung). Erst Stunden später entfalten sie ihre unheilvolle Liberatorwirkung: Die unspezifische Freisetzung von körpereigenem Histamin erfolgt manchmal erst, nachdem man bereits die nächste Mahlzeit gegessen hat und fälschlicherweise diese im Verdacht hat. Dem Hirn gelingt es deshalb nicht, einen Zusammenhang zwischen diesen Auslösern und den Symptomen zu erkennen und ein Vermeidungsverhalten zu erlernen.

  • Auch scheint die Histaminose schlicht nicht ins Denkschema mancher Mediziner zu passen. Es kommt mir manchmal vor, wie wenn es dort einen blinden Fleck gäbe. Nach meinem Eindruck beschränkt sich das Medizinverständnis vieler Ärzte bei einer unspezifischen Symptomatik darauf, in einer Schnellabfertigung die einzelnen Symptome mit Medikamenten gegen diese Symptome zu bekämpfen, anstatt in zeitaufwändiger Detektivarbeit der gemeinsamen Ursache aller dieser Symptome auf den Grund zu gehen. Letzteres wäre aber wohl kosteneffizienter, denn die Symptombekämpfung führt zu keiner dauerhaften Besserung, ja sie trägt sogar noch zur Verschlechterung bei, da viele dieser Medikamente für uns unverträglich sind.

  • Nach meinem Eindruck hatten die  meisten heute praktizierenden Ärzte  zu ihren Studienzeiten im Hörsaal noch nichts von Histamin-Unverträglichkeit oder von Mastozytose gehört. Im Internet kommen neue Erkenntnisse schneller an als im Lehrbuch. Wenn Ärzte erstmals von Patienten, die sich im Internet schlau gemacht haben, von dieser Krankheit hören, sind sie natürlich erst einmal sehr skeptisch und halten das für eine Internethypochondrie. Auch heute noch vermitteln mir die zahlreiche Zuschriften Betroffener den Eindruck, dass der Kenntnisstand in der Ärzteschaft weiterhin mangelhaft sein muss. Das Interesse wird auch klein bleiben, solange die Erkrankung umstritten und eine zuverlässige laboranalytische Diagnose nicht möglich ist.

Auch wenn noch nicht gesichert ist, welche der vorgeschlagenen Mechanismen die Histaminose verursachen: Wir Betroffenen haben keinen Zweifel daran, dass das Phänomen existiert, weil wir es täglich am eigenen Leib erfahren können. Dabei müssen wir Qualen durchleiden, die unmöglich eingebildet sein können, wie uns manchmal unterstellt wird. Dieser Erkrankung muss unbedingt schon jetzt die nötige Beachtung zuteilwerden, denn es gibt bereits eine funktionierende Therapie, die den Betroffenen viel Leid erspart und deren Lebensqualität massiv verbessern kann. Diese Therapie auszuprobieren ist deshalb bei Verdachtsfällen unbedingt einen Versuch wert, auch wenn heute eine einfache und zuverlässige Diagnose nicht möglich ist.


Welche Austauschmöglichkeiten bietet die SIGHI ihren Mitgliedern und welche Themen bewegen die Betroffenen aus Ihrer Sicht?

Wir sammeln die Zuschriften unserer Leser, werten sie aus und lassen die redaktionell aufbereiteten Informationen geordnet in die SIGHI-Website einfließen. Zusätzlich findet man auf der Website eine Linksammlung zu Internetforen. Auch führen wir eine Liste von Selbsthilfegruppen und sind dabei behilflich, neue Gruppen ins Leben zu rufen. Die Hauptthemen sind seit jeher die gleichen:

  • Verträglichkeit von Nahrungsmitteln, Nahrungsergänzung, Medikamenten, Kosmetika etc.
  • Wo findet man einen Arzt, der sich damit auskennt?
  • Fragen zur Diagnostik und zur Interpretation von Testresultaten.
  • Fragen zu Therapiemöglichkeiten, insbesondere zu alternativmedizinischen Methoden. Viele Betroffene haben wegen ihrer Medikamentenunverträglichkeit und jahrelanger ärztlicher Fehlbehandlungen eine große Abneigung gegen die evidenzbasierte Medizin entwickelt. Diese Betroffenen sträuben sich jetzt fataler Weise gegen Arzneimittel, obwohl dies nebst der Eliminationsdiät die wirksamste Therapie wäre, wenn man die richtigen Präparate wählen würde.
  • Rat für besondere Situationen wie z.B. Zahnarztbesuch, Reisen, Restaurantbesuch
  • Zusammenhänge mit anderen Erkrankungen, Besprechungen komplexer und unklarer Einzelfälle
  • Hilferufe von überforderten neu diagnostizierten Betroffenen, denen die Diagnose ohne taugliche Instruktionen mitgeteilt wurde und die jetzt erst mal am Berg stehen und nicht mehr weiter wissen.
  • In Foren haben einzelne auch das Bedürfnis, sich lediglich von der Seele zu schreiben, wie schlecht es ihnen heute wieder geht. Sie suchen eher nach Anteilnahme und Mitleid von Leidensgenossinnen als nach hilfreichen Ratschlägen, nach dem Motto "Geteiltes Leid ist halbes Leid".
  • Es tut aber auch sehr gut, zu sehen, dass hunderte andere Betroffene mit den gleichen Problemen kämpfen und die gleichen Erfahrungen machen. In einer Zeit, wo man immer noch an Ärzte gerät, die einem ernsthaft einreden wollen, es gäbe so eine Krankheit gar nicht, das sei nur eingebildet, braucht man diese Bestätigung.

Die Frische ist bei der Histamin-Intoleranz ein Hauptkriterium für die Verträglichkeit. Sind deshalb industriell verarbeitete Fertigprodukte für Betroffene eher unverträglich?

Großindustrielle Fertigung muss den Histamingehalt nicht unbedingt ungünstig beeinflussen. Dank hohen Hygienestandards und kurzen Verarbeitungszeiten kann im Gegenteil der Histamingehalt teils sogar tiefer liegen. Trotzdem haben Sie Recht, dass erfahrungsgemäß industrielle Fertigprodukte tendenziell schlechter verträglich sind als frische, selbst zubereitete Mahlzeiten aus unverarbeiteten Grundnahrungsmitteln. Vielleicht auch weil der Vitamingehalt niedriger und die Lagerdauer länger sind, vor allem aber, weil viele unverträgliche Zusatzstoffe enthalten sind. Unverträglich sind z.B. bestimmte Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Verdickungsmittel, Stabilisatoren und Geschmacksverstärker.

Der Histamingehalt ist leider auf den Produktdeklarationen nicht ausgewiesen. Wie sehen Sie die Bemühungen der Industrie in Bezug auf die Produktion "histaminarmer" Produkte und was würden Sie sich wünschen?

Histamin ist ein Abbauprodukt der Aminosäure Histidin (ein Eiweissbaustein), das durch mikrobielle Aktivität entsteht; besonders beim Verderb und bei gewollten Fermentationsprozessen. Die Deklaration des Histamingehaltes macht daher nur wenig Sinn.

Erstens kann der Histamingehalt eines Produktes vom selben Hersteller von Charge zu Charge stark variieren und er ist auch sonst keine Konstante, sondern steigt während der Lagerung weiter an.

Zweitens hängt die Verträglichkeit bei weitem nicht nur vom Histamingehalt ab. Lebensmittel enthalten auch andere biogene Amine, welche als konkurrierende Substrate den Histaminabbau "ausbremsen" oder teils selber histaminähnliche Wirkungen haben. Etliche Lebensmittel enthalten auch Histaminliberatoren, welche körpereigenes Histamin unspezifisch aus Mastzellen freisetzen, oder Stoffe welche die Histamin abbauenden Enzyme hemmen. Hierbei handelt es sich um eine Vielzahl noch nicht identifizierter Stoffe, weshalb man die Verträglichkeit eines Lebensmittels nicht laboranalytisch messen kann. Uns bleibt wohl nur übrig, diejenigen Lebensmittel zu meiden, von denen wir aus Erfahrung oder aus der Theorie wissen, dass sie Histamin bilden oder auf andere Weise unverträglich sein können.

Die meisten Problemzutaten waren zu Urgroßmutters Zeiten hierzulande noch ungebräuchlich. Die unverträglichen Zusatzstoffe werden von den Lebensmitteltechnologen erst seit wenigen Jahren oder Jahrzehnten eingesetzt und man findet heute kaum noch etwas, das frei davon ist. Zudem sind die Zutatenlisten industrieller Produkte meist sehr lang, was die Wahrscheinlichkeit, ein Produkt ohne unverträgliche Zutaten finden zu können, gegen Null sinken lässt. Ich wünschte mir, dass diejenigen Zusatzstoffe, die für Unverträglichkeitsreaktionen bekannt sind, wieder aus dem Sortiment der Lebensmittelläden verschwinden. Die Zutatenlisten sollten möglichst kurz gehalten werden, mit nur den authentischen Zutaten, die traditionell hinein gehören.

Uns hilft es beispielsweise nichts, dass die Milchprodukteregale immer länger werden und eine immer größere Auswahl aus allen erdenklichen Geschmacksrichtungen bieten, solange ausnahmslos jeder Fruchtquark mit dem für uns unverträglichen Zitronensaftkonzentrat „aufgepeppt“ und jedes Milchgetränk, jede Creme und jede Frischkäsezubereitung mit E407 verdickt oder mit Konservierungsstoffen lange haltbar gemacht wird - um nur mal ein paar Beispiele zu nennen. So bleibt auch bei der größten Auswahl kaum ein Produkt übrig, das für uns verträglich wäre. Selbst bei Produkten, die speziell für Personen mit Allergien und Unverträglichkeiten entwickelt werden, schenkt man den Histaminliberatoren noch keine Beachtung.

Auch das "Essen gehen" ist für Menschen mit einer Histamin-Intoleranz ein schwieriges Unterfangen. Wie sehen Sie hier die Entwicklung auf Seiten der Gastronomie?

Der Restaurantbesuch ist immer noch ein kompliziertes und risikoreiches Unterfangen. Sicher ist: Die Unterschiede sind riesig. Von Restaurants, wo ein diskreter Hinweis an den Kellner genügt, um sehr zuvorkommend mit einem sehr kreativen mehrgängigen Festmahl verwöhnt zu werden, bis zu gestressten Köchen, die nicht auf Extrawünsche eingehen können, sich nicht an die Diätvorschrift halten oder sich trotz gesetzlicher Deklarationspflicht beharrlich weigern, Angaben zu den Zutaten zu machen, findet man alles.

Zwar gibt es immer mehr Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten, so dass heute immerhin ein gewisses Verständnis da ist, dass es Gäste gibt, die nicht alles essen können. Abgesehen davon kann ich aber keine klare Entwicklung feststellen. Nach meiner Erfahrung kommt es hauptsächlich darauf an, was für ein Lokal man sich aussucht und zu welchem Zeitpunkt man dort sein Essen bestellt. Je nach Gastrokonzept und Philosophie des Lokals kann man besser oder schlechter auf individuelle Wünsche eingehen. Meist gibt das Personal sich Mühe und macht, was betrieblich möglich ist. In Randzeiten hat der Koch oft genug Zeit, um mit dem Gast zu besprechen, was sich machen lässt. Kommt man aber am Muttertag mittags mit der gesamten Verwandtschaft in ein übervolles Lokal, muss man es gar nicht erst versuchen.

Zu meinem Erstaunen hat das in Spanien trotz sprachlicher Hürden immer viel besser geklappt als in der Schweiz. Einmal warf ein Kellner sogar nur einen flüchtigen Blick auf meine Gastrocard, sagte sofort, ohne sie zu lesen: "¡Ah, muy complicado!" und verschwand, ohne dass ich mit ihm das Menü hätte besprechen können. Nach zwanzig Minuten kam er wieder und servierte mir eine Mahlzeit, die auch tatsächlich fehlerfrei zubereitet und verträglich war. Ich weiß nicht, ob mein Eindruck repräsentativ ist, aber in Spanien (Andalusien, Kanarische Inseln) scheint mir das Restaurantpersonal sehr kompetent zu sein, während ich in der Schweiz überall den Eindruck erhalte, man hätte noch nie zuvor von der Histamin-Unverträglichkeit gehört.


Sie haben Ihr Augenmerk auf die Schweiz gerichtet. Wissen Sie wie das Thema Histamin-Intoleranz in anderen Ländern gehandhabt wird? Gibt es hier einen Austausch?

Die Histamin-Intoleranz erlangte erstmals durch das Buch von Prof. Jarisch aus Österreich einen größeren Bekanntheitsgrad und sprach sich so vor allem im deutschsprachigen Raum herum. Im englischen Sprachraum ist es inzwischen ebenfalls am Aufkommen. In Spanien hatten vielleicht die in Andalusien ansässigen Forschungsinstitutionen SAEIA und Grupo Histal einen positiven Einfluss auf den Bekanntheitsgrad. Noch nahezu unbekannt scheint es mir in Frankreich zu sein.

Kontakte mit Partnerorganisationen im Ausland gab es bereits, besonders mit Histamine Intolerance Awareness in England sowie mit einer Autorin aus den USA. Wie ich schon mehrmals bei Internetrecherchen feststellte, werden SIGHI-Inhalte aber auch von einigen Websites übernommen, zu denen wir noch keinen Kontakt hatten.

Die SIGHI finanziert sich aus Mitgliedbeiträgen, Spenden und Werbung. Wie sollte man vorgehen, wenn man Mitglied werden möchte oder spenden möchte?

Dank den Mitgliederbeiträgen, die zudem erfreulich oft noch großzügig aufgerundet werden, ließ sich das Projekt bisher über Wasser halten, wenn auch nicht kostendeckend. Das ist unsere relevante Einnahmequelle. Auf der Seite "Kontakt > Mitglied werden"  findet man nähere Angaben und das Online-Anmeldeformular. Auf der Seite "Kontakt > Spenden" findet man unsere Bankverbindung oder kann auch direkt online mit PayPal oder Kreditkarte spenden.

Die Werbeeinnahmen waren bisher vernachlässigbar, weil das bloße Anzeigen der Werbung noch kein Geld bringt. Bezahlt wird pro Anzahl Klicks, doch die sind selten.

An wen sollten sich interessierte Werbetreibende wenden?

Werbetreibende können entweder via Google AdWords einen Werbeplatz auf unserer Website buchen, oder sich per Mail an unsere allgemeine Mailadresse wenden. Um glaubwürdig zu bleiben, lehnen wir allerdings bezahlte Werbung im inhaltlichen Teil strikt ab, sondern Werbung soll klar als solche erkennbar sein und auf die Werbespalte beschränkt bleiben.

Herr Lamprecht, herzlichen Dank für dieses Interview!

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